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nrw-ak-drogen - Re: [NRW-AK-Drogen] Medizinisches Cannabis

nrw-ak-drogen AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Nrw-ak-drogen mailing list

Listenarchiv

Re: [NRW-AK-Drogen] Medizinisches Cannabis


Chronologisch Thread 
  • From: Martin Köster <Martin.Koester AT uni-duesseldorf.de>
  • To: jl AT iridis.de, NRW AK Drogen <nrw-ak-drogen AT lists.piratenpartei.de>
  • Subject: Re: [NRW-AK-Drogen] Medizinisches Cannabis
  • Date: Fri, 27 Nov 2009 10:40:40 +0100
  • List-archive: <http://service.piratenpartei.de/pipermail/nrw-ak-drogen>
  • List-id: <nrw-ak-drogen.lists.piratenpartei.de>



J. Löblein schrieb:
On 25.11.2009, at 14:50 , Martin Köster wrote:
Moin Moin Spliff,

Schöne Zusammenfassung des Themas. Ich würde die Liste gerne etwas abändern
um nicht zu viel zu Versprechen. Einige der Ansätze sind bekannt, andere
wirken mir etwas zu schön um wahr zu sein.
*Bekannte Einsatzgebiete:
Menstruationsbeschwerden, Depressionen, Krebspatienten, Schmerzpatienten,
*Postulierte Einsatzgebiete:
Epilepsie, Multiple Sklerose (palliativ), Rheuma (Schmerztherapie)...
*nichts zu gefunden:
Tourette Syndrom , Autismus, schizoaffektive Störungen, Spastiken,
Schizophrenie, Borderlinesyndrom, Demenz, Alzheimer, Dauerhafter Schluckauf,
Migräne
*Krankheiten mit eher negativer Prognose:
ADS/ADHS, Nachbehandlung von Suchtkranken, Schlafstörungen, Insomnien,

Bei Migräne, ADHS und Dauerhaftem Schluckauf sollte man äußerst vorsichtig
sein, da dort aktuell sehr viel spekulativ ist. Bei Dauerhaftem Schluckauf
und Restless Leg Syndrom sogar die Krankheit an sich.

Martin

Hier begegnen sich zwei Welten. Martin hat die Perspektive eines Apothekers
und möchte eine klassischen Zuordnung von Medikamenten und Krankheiten. Ich
sehe es von der anderen Seite, als Patient dem eine ganze Klasse von
Medikamenten lediglich aufgrund moralischer Kriterien vorenthalten wurde. Ich
persönlich komme also mit einem gesunden Misstrauen in die Diskussion,
besonders gegenüber Institutionen welche mir auch nach einer Liberalisierung
diese für viele Menschen essentiellen Medikamente über den Umweg einer
Regulierung wieder in den Giftschrank sperren wollen. Schon heute gibt es
Substanzen die Verschreibungsfähig wären aber aufgrund ihrer Stigmatisierung
oder bürokratischen Hindernissen Patienten effektiv verweigert werden.

Besonders die heute illegalen Drogen, welche ja vor allem auf die Psyche
wirken, sind in einer ganz anderen Kategorie als die rein körperlich
wirksamen Medikamente der klassischen Allopathie. Die Wirkung dieser
Drogen/Medikamente ist stark subjektiv, ist kaum wissenschaftlich erfasst
aber bereits teilweise seit vielen Jahren im Untergrund bewährt. Nur weil
noch keine wissenschaftliche Studie veröffentlicht wurde heisst dass ja nicht
dass keine Wirkung vorliegt. Auf der Anderen Seite wird es aber wohl nie
Studien der Privatwirtschaft geben, denn die Patente auf Naturdrogen sind
schon seit Tausenden Jahren abgelaufen. In so einer Situation wäre es nicht
ethisch den Patienten aufgrund von lückenhaften wissenschaftlichen
Kenntnissen offensichtlich wirksame Medikamente zu verweigern. Später kann
mann dann z.B. mit öffentlich geförderter Grundlagenforschung nacharbeiten
und die Richtlinien nach neuen Erkenntnissen verbessern, aber in der jetzigen
Situation darf man sich den Bedürfnissen der Patienten nicht verweigern.

Vorweg hierzu ein kleiner exkurs zum Bereich Off-Label:
Für jedes Medikament müssen vor seiner Zulassung Studien durchgeführt werden, die nicht nur die Unbedenklichkeit des Medikament klären, sondern auch und gerade die Wirksamkeit. Auf der einen Seite ist das sehr wichtig um Wunderheiler und Scharlatane aus dem Markt zu halten, auf der anderen Seite macht es unser System sehr träge. Die Studienstellung ist heutzutage sehr eng gefasst; es wird nicht getestet ob etwas "gegen Krebs wirkt" sondern ob es "gegen das kleinzellige Lungenkarzinom bei über 50Jährigen Männern wirkt". Wenn ich nun als Arzt ein solches Medikament einer 35Jährigen Frau verschreibe garantiert der Hersteller für nichts. Ich bin also prinzipiell Haftbar. Diese Verschreibung gegen eine nicht geteste Krankheit nennt sich Off-Label-Use.

Worum es mir bei der Liste nur ging ist eine Darstellung der wissenschaftlichen Situation. Allein der Einsatz als Addon in der Chemotherapie würde eine schnelle Zulassung von Dronabinol rechtfertigen. Nur wenn wir med. Cannabis als HEILmittel bei Alzheimer darstellen machen wir uns sehr angreifbar und werden schnell in die Ecke von Scharlatangläubigen gestellt. Ich würde die Liste gerne auf ein solides Fundament stellen und dazu Auflisten wozu med. Cannabis sicher eingesetzt werden kann, wozu wir noch Studien brauchen und wobei es sicher nicht hilft. Aus meiner Sicht ist die Stdienlage auch jetzt schon klar positiv.

Martin











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