Zum Inhalt springen.
Sympa Menü

nrw-ak-drogen - Re: [NRW-AK-Drogen] Medikamenten Missbrauch

nrw-ak-drogen AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Nrw-ak-drogen mailing list

Listenarchiv

Re: [NRW-AK-Drogen] Medikamenten Missbrauch


Chronologisch Thread 
  • From: ""J. Löblein"" <jl AT iridis.de>
  • To: "Liste: AG_Drogen" <ag-drogen AT lists.piratenpartei.de>, nrw-ak-drogen AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: Re: [NRW-AK-Drogen] Medikamenten Missbrauch
  • Date: Thu, 26 Nov 2009 21:05:29 +0100
  • List-archive: <http://service.piratenpartei.de/pipermail/nrw-ak-drogen>
  • List-id: <nrw-ak-drogen.lists.piratenpartei.de>

Hallo Martin,


On 25.11.2009, at 09:14 , Martin Köster wrote:
> Morgen Zusammen,
> mich ist das nur Recht wenn der vorschlag auch in der Bundes AG anklang
> findet. Ich sehe da auch ein Problem wenn die Krankenkasse die Überwachung
> macht, nur wer sonst?

Ich konnte gestern nicht mehr Antworten denn meine Technik hat versagt, aber
dass war auch gut so denn erst später kam mir eine Idee: Es kommt ja nicht
nur darauf an wo die Informationen zusammenlaufen, sondern auch die
Motivation wieso man überhaupt eingreift.

Zum Thema Information: Ich glaube immer noch dass die Ärzte die beste
Anlaufstelle sind, denn sie haben eine medizinische Ausbildung, unterliegen
der Schweigepflicht und sehen den Patienten persönlich. Sie wissen nicht was
ihre Patienten bei anderen Ärzten noch so treiben um anderweitig an
"Beruhigungsmitteln", Opiaten und sonstigen Suchtstoffe zu kommen? Das ist ja
primär nur ein technisches Problem: Das BTM-Register personalisieren, dort
werden alle suchtgefährlichen Medikamente die der Patient die letzten 1-3
Jahre verschreiben bekommen hat aufgelistet. Der Arzt ist verpflichtet diese
Liste einzusehen um eine möglich Abhängigkeit vor der Verschreibung neuer
Medikamente zu klären. Wenn er dass nicht kann, gibt es Klärungsstellen,
welche mit Beteiligten aus mehreren Bereichen besetzt sind oder
spezialisierte Suchtmediziner.

Jetzt kommst du und sagst dass ja gerade die Ärzte oft das Problem sind weil
sie die Augen verschliessen (und auch noch Geld daran verdienen!). Aber auch
dafür gibt es eine Lösung: Haftung. Wer seinen Patienten fahrlässig in die
Sucht abgleiten lässt steht dem Patienten, seinen Angehörigen, der
Krankenkasse, der Gesellschaft, etc. gegenüber in der Verantwortung und kann
dann für Kunstfehler, wie z.B. die unsachgemässe Verschreibung gefährlicher
Medikamente haftbar gemacht werden. Genauso wie ein Wirt zur Rechenschaft
gezogen wird wenn er seine Gäste betrunken Auto fahren lässt ist auch ein
Arzt in der Verantwortung.

Natürlich gibt es Patienten die schon mit einer Sucht kommen oder wo der Arzt
getäuscht wird, aber zumindest sollte er seiner Verantwortung gerecht werden
und den Patienten aufklären, eine ernsthafte Behandlung der Sucht einleiten
und die Einschätzung das eine Sucht vorliegt für alle Beteiligten offen
festhalte um von da an wieder offen und sauber arbeiten zu können.

Was hältst du von diesem Gegenvorschlag?

> Um wirkungsvoll eingreifen zu können muss es einen Schnittpunkt geben.
> Aktuell können das weder die Ärzte noch die Apotheker. Ich habe Fälle
> gehabt wo ich als Apotheker bei einem Patienten Rezepte über Sedativa vom
> Hausarzt, dem Gyn, dem Augenarzt und einm vierten Facharzt hatte. Sowas
> kommt nicht selten vor.
>
> Ich denke aktuell über ein teiverblindetes Modell nach. Ärzte, Patienten
> und Rezeptnummern werden verblindet durch eine Softwarelösung geschickt und
> auf Missbrauchsmuster untersucht. Wenn ein solches Muster bei einem Arzt
> oder Patienten gefunden wird kann eine passend besetzte Stelle (Facharzt
> für Schmertherapie, Psychologe, ...) das ganze entblinden und ein Gespräch
> suchen. Ich habe mit solchen Nachsorgeteams gerade bei der TK im Bereich
> Onkologie recht gute Erfahrungen geschildert bekommen. Mir geht es neben
> den Patienten aber auch gerade um die Ärzte, ich könnte dir in Düsseldorf
> z.B. 3 Praxen nennen in denen du fast alles bekommst was du möchtest...die
> Verschreiben Schlafmittel und Benzos wie ein Kiosk. hier wäre es wichtig
> solche Ärzte klar mal anzusprechen warum sie 50% mehr davon verschreiben
> als der Rest der Ärzteschaft.
>
> Martin
>
>
> J. Löblein schrieb:
>> Hallo Yrthy,
>>
>>> Aus dem AK Drogen NRW:
>>> Im Bereich der Drogen- und Suchtpolitik wurde und wird von der Politik in
>>> erster Linie der Bereich der Illegalen Drogen betrachtet. Gerade
>>> Medikamente verfügen jedoch über ein ernstzunehmendes
>>> Missbrauchspotential. Nach aktuellen Studien sind in Deutschland 2 Mio.
>>> Menschen dauerhaft abhängig von Medikamenten*1.
>>>
>>>
>>> Lösung/Ziel
>>>
>>> Ein wichtiger Schritt zur Verringerung der Suchtproblematik ist eine
>>> Aufklärung der Patienten und im Besonderen auch der verschreibenden
>>> Ärzte. Besonders wichtig ist die frühe Erkennung von gefährdeten und
>>> bereits abhängigen Patienten. Die gängige Praxis Sedativa und ähnliche
>>> Medikamente auch für Kassenpatienten auf Privatrezepte zu verschreiben
>>> führt zu einer Verzerrung der Situation, da die Krankenkassen einen
>>> zentralen Punkt im Monitoring des Gesundheitssystems einnehmen. Eine
>>> Möglichkeit zur Verbesserung dieser Situation wäre eine generelle
>>> Abrechnung aller Rezeptarten mit den Krankenkassen. Ob aus Datenschutz-
>>> und Selbstbestimmungsgründen eine Teilanonymisierung erfolgen sollte muss
>>> geklärt werden.
>>>
>>>
>>> Relevanz
>>>
>>> Neben frei verkäuflichen Mischanalgetika - z.B. Paracetamol oder ASS mit
>>> Coffein – (122 Mio. verkaufte Packungen) sind verschreibungspflichtige
>>> Sedativa ein Missbrauchsschwerpunkt. Von den großen Zs (Zolpiden,
>>> Zopiclon) allein wurden 2007 19,5 Mio. Packungen verkauft, bei
>>> Tranquilizern (Diazepam, Lorazepam…) 11,2 Mio. Packungen*
>>>
>>
>> Deinen Vorschlag zum Medikamentenmissbrauch im Wiki der NRW'ler fand ich
>> sehr interessant und wundere dich nicht wenn er in der AG Drogen auftaucht
>> ;-)
>>
>> Um aber beim Thema zu bleiben: Ich stimme deiner Analyse des Problems zu
>> und sehe ebenfalls Handlungsbedarf. Gerade du als Apotheker wirst diese
>> Probleme täglich zu sehen bekommen und deine Perspektive ist wichtig.
>>
>> Aber zu deiner Lösung, und damit dem Kern deiner Forderung, die Generelle
>> Abrechnung aller Rezeptarten mit den Krankenkassen, möchte ich einwenden
>> dass die Krankenkassen nicht unbedingt geeignet sind solche Massnahmen zu
>> überwachen. Obwohl dort viele Informationen zusammenlaufen und sie auch an
>> der Verhinderung von Missbrauch interessiert sind, sind sie nicht
>> unbedingt geeignet ein Urteil zu fällen wann eine Einnahme eine
>> medizinische Anwendung ist und wann es eine Sucht ist. Stell dir einfach
>> einen Schmerzpatienten vor der sich nicht vor seiner Krankenkasse für
>> seine Medikamente rechtfertigen will.
>>
>> Wer dann? Die Benutzer kann man mit der von dir geforderten Aufklärung
>> erreichen und das halte ich für einen sehr wichtigen Schritt, aber im
>> Moment sind die ja offensichtlich überfordert. Die Ärzte? Die sind ja hier
>> eher ein Teil des Problems und auch oft nicht sensibilisiert auf das Thema
>> oder überhaupt neutral. Eine Unabhängige Stelle? Das ist auch nur mehr
>> Bürokratie und Gängelung.
>>
>> Das einzige was für mich übrig bleibt ist die Aufklärung. Patienten
>> sollten eine verpflichtende persönliche Belehrung zu Medikamenten erhalten
>> von denen Suchtgefahr ausgeht, unabhängig vom verschreibenden Arzt. Soweit
>> meine Ideen. Da fehlt noch einiges, aber vielleicht hat ja sonst noch
>> jemand eine Idee dazu.
>>
>> Grüsse, Jochen/Access - AG Drogen - Piratenpartei.
>> ------------------------------------------------------------------------
>>
>> _______________________________________________
>> NRW-AK-Drogen mailing list
>> NRW-AK-Drogen AT lists.piratenpartei.de
>> http://service.piratenpartei.de/mailman/listinfo/nrw-ak-drogen
>>
>

-------------------------------
Olivero & Löblein GbR
Telefon: 0721-5550869
Mobil: 0172-7819582
Email: jl AT iridis.de







Archiv bereitgestellt durch MHonArc 2.6.19.

Seitenanfang