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nrw-ak-drogen - Re: [NRW-AK-Drogen] Medikamenten Missbrauch

nrw-ak-drogen AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Nrw-ak-drogen mailing list

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Re: [NRW-AK-Drogen] Medikamenten Missbrauch


Chronologisch Thread 
  • From: Martin Köster <Martin.Koester AT uni-duesseldorf.de>
  • To: jl AT iridis.de
  • Cc: nrw-ak-drogen AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: Re: [NRW-AK-Drogen] Medikamenten Missbrauch
  • Date: Wed, 25 Nov 2009 09:14:03 +0100
  • List-archive: <http://service.piratenpartei.de/pipermail/nrw-ak-drogen>
  • List-id: <nrw-ak-drogen.lists.piratenpartei.de>

Morgen Zusammen,

mich ist das nur Recht wenn der vorschlag auch in der Bundes AG anklang findet. Ich sehe da auch ein Problem wenn die Krankenkasse die Überwachung macht, nur wer sonst? Um wirkungsvoll eingreifen zu können muss es einen Schnittpunkt geben. Aktuell können das weder die Ärzte noch die Apotheker. Ich habe Fälle gehabt wo ich als Apotheker bei einem Patienten Rezepte über Sedativa vom Hausarzt, dem Gyn, dem Augenarzt und einm vierten Facharzt hatte. Sowas kommt nicht selten vor.

Ich denke aktuell über ein teiverblindetes Modell nach. Ärzte, Patienten und Rezeptnummern werden verblindet durch eine Softwarelösung geschickt und auf Missbrauchsmuster untersucht. Wenn ein solches Muster bei einem Arzt oder Patienten gefunden wird kann eine passend besetzte Stelle (Facharzt für Schmertherapie, Psychologe, ...) das ganze entblinden und ein Gespräch suchen. Ich habe mit solchen Nachsorgeteams gerade bei der TK im Bereich Onkologie recht gute Erfahrungen geschildert bekommen. Mir geht es neben den Patienten aber auch gerade um die Ärzte, ich könnte dir in Düsseldorf z.B. 3 Praxen nennen in denen du fast alles bekommst was du möchtest...die Verschreiben Schlafmittel und Benzos wie ein Kiosk. hier wäre es wichtig solche Ärzte klar mal anzusprechen warum sie 50% mehr davon verschreiben als der Rest der Ärzteschaft.

Martin



J. Löblein schrieb:
Hallo Yrthy,

Aus dem AK Drogen NRW:
Im Bereich der Drogen- und Suchtpolitik wurde und wird von der Politik in erster Linie der Bereich der Illegalen Drogen betrachtet. Gerade Medikamente verfügen jedoch über ein ernstzunehmendes Missbrauchspotential. Nach aktuellen Studien sind in Deutschland 2 Mio. Menschen dauerhaft abhängig von Medikamenten*1.


Lösung/Ziel

Ein wichtiger Schritt zur Verringerung der Suchtproblematik ist eine Aufklärung der Patienten und im Besonderen auch der verschreibenden Ärzte. Besonders wichtig ist die frühe Erkennung von gefährdeten und bereits abhängigen Patienten. Die gängige Praxis Sedativa und ähnliche Medikamente auch für Kassenpatienten auf Privatrezepte zu verschreiben führt zu einer Verzerrung der Situation, da die Krankenkassen einen zentralen Punkt im Monitoring des Gesundheitssystems einnehmen. Eine Möglichkeit zur Verbesserung dieser Situation wäre eine generelle Abrechnung aller Rezeptarten mit den Krankenkassen. Ob aus Datenschutz- und Selbstbestimmungsgründen eine Teilanonymisierung erfolgen sollte muss geklärt werden.


Relevanz

Neben frei verkäuflichen Mischanalgetika - z.B. Paracetamol oder ASS mit Coffein – (122 Mio. verkaufte Packungen) sind verschreibungspflichtige Sedativa ein Missbrauchsschwerpunkt. Von den großen Zs (Zolpiden, Zopiclon) allein wurden 2007 19,5 Mio. Packungen verkauft, bei Tranquilizern (Diazepam, Lorazepam…) 11,2 Mio. Packungen*


Deinen Vorschlag zum Medikamentenmissbrauch im Wiki der NRW'ler fand ich sehr interessant und wundere dich nicht wenn er in der AG Drogen auftaucht ;-)

Um aber beim Thema zu bleiben: Ich stimme deiner Analyse des Problems zu und sehe ebenfalls Handlungsbedarf. Gerade du als Apotheker wirst diese Probleme täglich zu sehen bekommen und deine Perspektive ist wichtig.

Aber zu deiner Lösung, und damit dem Kern deiner Forderung, die Generelle Abrechnung aller Rezeptarten mit den Krankenkassen, möchte ich einwenden dass die Krankenkassen nicht unbedingt geeignet sind solche Massnahmen zu überwachen. Obwohl dort viele Informationen zusammenlaufen und sie auch an der Verhinderung von Missbrauch interessiert sind, sind sie nicht unbedingt geeignet ein Urteil zu fällen wann eine Einnahme eine medizinische Anwendung ist und wann es eine Sucht ist. Stell dir einfach einen Schmerzpatienten vor der sich nicht vor seiner Krankenkasse für seine Medikamente rechtfertigen will.

Wer dann? Die Benutzer kann man mit der von dir geforderten Aufklärung erreichen und das halte ich für einen sehr wichtigen Schritt, aber im Moment sind die ja offensichtlich überfordert. Die Ärzte? Die sind ja hier eher ein Teil des Problems und auch oft nicht sensibilisiert auf das Thema oder überhaupt neutral. Eine Unabhängige Stelle? Das ist auch nur mehr Bürokratie und Gängelung.

Das einzige was für mich übrig bleibt ist die Aufklärung. Patienten sollten eine verpflichtende persönliche Belehrung zu Medikamenten erhalten von denen Suchtgefahr ausgeht, unabhängig vom verschreibenden Arzt. Soweit meine Ideen. Da fehlt noch einiges, aber vielleicht hat ja sonst noch jemand eine Idee dazu.

Grüsse, Jochen/Access - AG Drogen - Piratenpartei.
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http://service.piratenpartei.de/mailman/listinfo/nrw-ak-drogen





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