ag_studentenverband AT lists.piratenpartei.de
Betreff: AG Studentenverband
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- From: Bastiaan Zapf <bzapf AT online.de>
- To: AG Studentenverband <ag_studentenverband AT lists.piratenpartei.de>
- Subject: Re: [Studenten] [Ag-tellerrand] Lehrerausbildungsmumble
- Date: Sat, 10 Jan 2015 15:08:02 +0100
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag_studentenverband>
- List-id: AG Studentenverband <ag_studentenverband.lists.piratenpartei.de>
Am 10.01.2015 um 14:26 schrieb sehriehn:
Hallo Jan Sören,
>>> das Problem dabei dürfte wohl sein, dass Hochschulpolitik zwar generell
>>> als Bundespolitik gilt, grade die Lehramtsausbildung aber eben reine
>>> Ländersache ist.
>> Wer sagt denn sowas? Die Universität in Marburg ist definitiv eine
>> Landesbehörde, und die Studierendenschaft vertritt sich in politischen
>> Belangen selbst.
> Jepp. Landesbehörde. Um die Einrichtungen geht es mir aber grade nicht,
> sondern um die Inhalte der Studiengänge.
Stimmt, die sollten von den zu Bildenden wenigstens wesentlich
mitbestimmt werden. Denkst Du da anders?
Heutzutage ist das ja alles ziemlich einfach geworden. Bei den
Lehrämtlern sicherlich nicht, die haben sich ja für ein Thema
entschieden, das von einem anderen interpretiert wird, aber so rein
formal kann man da doch auch und gerade an Universitäten eine Forderung
aufstellen. Macht man auch manchmal, in Marburg zumindest.
Im Sinne des Protokolls muss ich hier anmerken, dass es eigentlich
gleichgültig ist, ob ein Historiker jetzt vom 30-jährigen Krieg
referiert oder von der Solidarnosc. Zumindest bei Lehrämtlern ist die
Form der Weitergabe, die ja das Endziel dieses Ausbildungsgangs
darstellt, fest geregelt, und jeder, der das nicht will, wird zumindest
nicht Lehrer, womit das Problem gelöst wäre.
Hier in Marburg kenn ich übrigens jemanden, der sagt, er habe das
Lehramts-Studium "geschmissen, weil er nicht so vielen Menschen die
Kindheit verderben wolle". Viel deutlicher kann man eigentlich nicht
sagen, dass die Form nicht akzeptabel ist. Die Inhalte sind gleichgültig.
> Die sind idR. bundesweit (bzw. teilweise in europäischer Zusammenarbeit
> - weiß nicht, ob in der EU oder sogar darüber hinausgehend) geregelt.
Das ist jetzt irgendwie diffus. Meines Wissens studieren Lehrämtler ganz
normal ihr Fach - zumindest in Marburg - und dazu dann noch etwas
"Pädagogik", also spezifisch deutsches Verwaltungs-Fachwissen.
Das ist natürlich Bundesweit gleichgeschaltet, was auch die Diskussion
begründet, letztlich. Genauso, wie es gleichgültig ist, ob ein
Geschichtslehrer von Solidarnosc redet oder vom 30-jährigen Krieg, ist
es gleichgültig, in welchem Bundesland er das tut. Und ja, ich weiß,
dass man mit einer Lehrerlizenz aus Hessen kein Recht auch nur darauf
hat, sich in Schleswig-Holstein auf eine Stelle zu bewerben.
Da kann man ja durchaus zur Synthese kommen: diese Lizenzen sollten
übertragbar werden, vom einen Bundesland ins andere.
Diffus ist, dass hier "Inhalte" Sorte 1: das genannte
Verwaltungs-Fachwissen mit "Inhalten" der Sorte 2: der jeweilige
Lehrplaninhalt begrifflich vermischt werden.
Ganz formal betrachtet ist das auch eine einfache Frage. Nachdem der
werdende Lehrer den Vertrag unterschrieben hat, Lehrt er, was der
Lehrplan anordnet. Unabhängig davon, ob er davon Ahnung hat oder ob er
das für Sinnvoll hält oder so. Wenn nicht, ist er kein Lehrer.
Und dass die "Inhalte" der Schulpädagogik sich auf einem Blatt A4
zusammenfassen lassen, und das das niemanden stört, das ist halt auch so
ein spezifisches Problem dieser Disziplin.
> Die Lehramtsausbildung hingegen ist diesbezüglich tatsächlich der
> Länderhoheit zugeordnet und damit teilweise stark unterschiedlich.
Verzeih mir bitte die nun folgende Ironie.
> Die drei einprägsamsten Beispiele:
> - Die Referendariatszeit (also die Praxisausbildung) dauert in den
> verschiedenen Ländern unterschiedlich lange. Wenn ich mich recht
> entsinne reicht das momentan von 12 bis 24 (oder sogar 30?) Monaten.
Das scheint ja viele Leute erheblich zu stören. Zum Glück haben wir ja
Leistungsmessungen verfügbar. Wie wirkt sich das auf die PISA-Score der
einzelnen Bundesländer aus?
Ist die Antwort "gar nicht", muss man wohl fragen, warum man darüber
reden sollte. Im anderen Fall sollte man natürlich die korrekte
Jährigkeit einfach festsetzen. Wenn das nicht mal eine Landesregierung
einsieht, hat man es hier wohl mit perfider Politik zu tun. Wer macht
denn sowas?
> - Die Praktika in den Schulen sind unterschiedlich lang, in Hessen muss
> man das erste vor Studienbeginn machen, in RLP läuft das alles in den
> vorlesungsfreien Zeiten.
Da finde ich jetzt eindeutig ein frühestmögliches Praktikum besser, muss
aber anmerken, dass das alles ziemlich Zynisch ist.
Genaugenommen könnte man das derzeit so machen, dass sich an die
Schulpflicht direkt das Lehrerverhältnis anschließt. Da macht also
jemand sein Abi, und wird vom Nachhilfelehrer direkt zum eigentlichen
Lehrer befördert.
Dass man es nicht so macht, ist doch nur ein Hinweis darauf, dass die
Behörden wollen, dass zukünftige Lehrer mehr lernen als das, was man in
der Schule lernt.
Worum es sich da handeln könnte, und warum man solche Inhalte nicht
einfach anordnet, ist durchaus eine interessante Frage. Noch
interessanter ist die Frage, ob Lehrer politisch handeln dürfen.
> - In vielen Bundesländern studieren Lehrämtler mit Fachwissenschaftlern
> zusammen, besuchen weitgehend fachwissenschaftliche Vorlesungen, außer
> eben bei der Didaktik.
"Forschen" wäre vielleicht ein wichtiges Stichwort.
> In Baden-Württemberg hingegen gibt es die
> Pädagogischen Hochschulen - da gibt es afaik zwar Kooperationen mit
> Universitäten (ich weiß nicht, wie weitgehend die sind), aber schon die
> formale Trennung lässt vermuten, dass das Studium an einer PH weniger
> fachwissenschaftlich, sondern eher lehramtsorientiert ist.
Öh ja, echt Katastrophal. Wie wirkt sich das auf die PISA-Score von
Baden-Württemberg aus? Hat Baden-Württemberg sein Schulsystem bislang
zivilisiert? Warum sollte man ansonsten darüber reden?
--
Basti
- [Studenten] Lehrerausbildungsmumble, wilk spieker, 10.01.2015
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