ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft
Listenarchiv
[Ag-soziale_marktwirtschaft] Pakt für den Euro - ESM und anderes (Entwurf / Fragen)
Chronologisch Thread
- From: aloa5 <piratenpartei AT t-online.de>
- To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
- Subject: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Pakt für den Euro - ESM und anderes (Entwurf / Fragen)
- Date: Sun, 20 May 2012 18:09:40 +0200
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
- List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
- Organization: http://twitter.com/aloa5
So,
nachdem ich etwas herumformuliert und überlegt habe frage ich einmal in die Runde ob man es sich so vorstellen könnte. Es ist wesentlich leichter Kritikpunkte an etwas wie einem ESM zu finden als annähernd konsensfähige Formulierungen und Maßnahmen welche zu einem funktionstüchtigen Euro hinführen sollen.
Also - Schwarmintelligenz los. ;) Ich habe mehrere Sollbruchstellen darin belassen von denen anzunehmen ist das sie abgelehnt werden. Also nur keine Scheu ^ ^ :)
Text:
\\
_________
Pakt für den Euro
Wenn man für den Euro und den Euro-Raum votiert benötigt man, das hat sich gezeigt, einen wirtschaftlichen Stabilitätspakt. Dies wurde bei Einführung der Währung versäumt.
Nun wird als Korrektur dazu ein für die Lösung des Problemes untaugliches Kostrukt entworfen bestehend aus einem Fiskalpakt und einem Rettungsschirm (ESM). Der Fiskalpakt ist nicht zu halten, bedeutet er doch das die Südländer wie Griechenland in einer Rezession verfallen werden (1). In der Folge wird erst eine Inanspruchnahme des ESM in hohem Umfang notwendig werden und dann mit einer hohen Wahrscheinlichkeit trotzdem ein Verlassen betroffener Länder der Währungsunion stattfinden. Des weiteren sind die Maßnahmen nicht geeignet um die Probleme welche aus den strukturellen Verschiedenheiten und unterschiedliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Euro-Staaten resultieren zu kompensieren.
Ein funktionierender Stabilitätspakt enthält folgende Elemente:
1) Außenwirtschaftlicher Stabilitätspakt (2)
- Außenwirtschaftliche Stabilitätsvereinbarungen entfalten Wirkung auf innerstaatliche fiskalische Entscheidungen. Entscheidungen eispielsweise welche Lohnkosten senken um die wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Ausland zu erhöhen oder ähnliche Maßnahmen entfalten immer auch Wirkungen auf die anderen Länder der Union. Das ist fiskalisch mit regulierenden Gegenmaßnahmen abzustimmen, entweder im Land selbst oder im Verbund. Im magischen Viereck der Wirtschaftspolitik(3), bestehend aus Preisniveaustabilität, Beschäftigungsstand, außenwirtschaftliches Gleichgewicht und angemessenes Wirtschaftswachstum ist in jedem Land für sich eine ausgewogene Stellung anzustreben. Wenn ein Land zu stark in der einen oder anderen der genannten Positionen eine Extremstellung einnimmt führt dies für den Euro-Raum im gesamten zu Problemen.
2) fiskalische Überwachungsmaßnahmen der öffentlichen und privaten
Schulden
- Wie bislang alleine die Staatsschulden in den Fokus zu stellen ist nicht zielführend. Bei einem Ausfall von hohen Kreditsummen z.B. bei einer Fehlallokatiojn von Geldern („Blasen“) wird wie in den aktuellen Fällen womöglich der Staat, die EZB und am Ende auch ein Rettungsschirm gefordert sein um einen Domino-Effekt zu verhindern.
3) Erweiterung des Aufgabengebietes der EZB und Unterstützung durch die Politik
- Der politische Auftrag der Zentralbank muss um den Punkt Währungssicherung und Währungsgebietseinheit erweitert werden und dies als primären Auftrag, gleichrangig gegenüber dem bisherigen Punkt der Währungsstabilität. Eine einheitliche Währung hatte bislang u.a. auch eine suboptimale Vereinheitlichung der Zinsbasis für die Euroländer erbracht, Inflationsmessungen wurden mittels HICP einheitlich vorgenommen und Finanzinstrumente einheitlich eingesetzt. Das Ziel wird sein eine Politik zu betreiben welche darauf ausgerichtet ist ein wirtschaftlich homogeneres Geltungsgebiet des Euro zu erreichen wobei der EZB auch eine Rolle zukommen wird diese Bemühungen zu unterstützen. Wie im Punkt davor bereits angesprochen ist der Markt der Schulden außerhalb der öffentlichen Hand zu beobachten und wenn nötig regulierende Maßnahmen zu ergreifen. Das muss nicht durch die weiterhin nicht weisungsgebundene EZB erfolgen, da sind auch die Regierungen mit der nationalen Gesetzgebung gefordert. Ein aufeinander abgestimmtes und nach Ländern ausdifferenziertes Vorgehen von Zentralbanken und Regierungen ist gefordert.
4) Finanzausgleich über Investitionen
- Ein Finanzausgleich zwischen den Staaten erscheint sinnvoll. Es ist nicht notwendigerweise ein automatisierter (horizontaler wie vertikaler) Ausgleich wie zwischen den Bundesländern in Deutschland erforderlich. Vielmehr sind gezielte Transfers der EU-Ebene in sinnvolle Infrastrukturmaßnahmen und Projekte mit dem Ziel eine schnellerer Angleichung der Leistungsfähigkeit anzustreben. Dabei ist darauf zu achten das die Gelder weder auf der lokalen Regierungsebene in dunklen Kanälen verschwinden noch auf EU-Ebene Lobby-Interessen zum Opfer fallen. Dies soll mittels kleinteiliger Vergaben, regionaleren Empfängern mit hoher Transparenz unter Beachtung der Subsidiarität geschehen. Dies erhöht die Akzeptanz bei den Gebern und die Zurechenbarkeit als Förderung durch den Zusammenschluss bei Nehmern.
Wie langwierig, teuer und nur auf lange Frist erfolgreich strukturelle Hilfen sind kann man nicht zuletzt anhand Ostdeutschlands sehen. Kürzere Laufzeiten bei einem Projekt wie einem gemeinsamen Euro-Raum anzunehmen ist dabei unangemessen. Hierbei muss auf Jahrzehnte geplant werden und man muss dies insbesondere in Geber- wie Nehmerländern den Bürgern deutlich machen. Ein derartiges Projekt wie eine gemeinsame Währung kann nur durch ein freiwilliges geben und nehmen Erfolg haben.
Fußnoten u.a. :
Der Fiskalpakt
Der Fiskalpakt sieht zwei Dinge vor. Jedes für sich genommen ein hehres Ziel, in der Summe jedoch fatal (1).
Das eindämmen des strukturellen Defizites der Einzelstaaten ist als solches noch nicht mit dramatischen Folgen versehen. Das Bruttoinlandsprodukt wird jedoch fallen. Werden die Sparziele eingehalten wird die strukturelle Defizit-Reduktion stärker ausfallen als die des BIP. Daher müssen keine weiteren Sparmaßnahmen ergriffen werden.
Gleichzeitig soll jedoch die am sinkenden Bruttoinlandsprodukt gemessene Schuldenquote reduziert werden und das unabhängig von Konjunkturphasen. Um dieses Ziel zu erreichen müssen oder müssten Sparmaßnahmen erfolgen welche mit einer Rezession einher geht. Diese Rezession macht Ihrerseits jedoch ein Erreichen beider Ziele unmöglich da sowohl das Inlandsprodukt als auch die Einnahmen aus Steuern sinken werden.
Der ESM
Ein Notfallinstrument für eine Eliminierung von Schwierigkeiten von Staaten sich über den Markt zu refinanzierung ist sinnvoll. Ohne eine solche Haftungsgemeinschaft wären einige Bundesländer Deutschlands schon im Regelfall nicht in der Lage sich über den Markt zu finanzieren. Damit ein Notfallinstrument aber auch den originären Zweck erfüllt müssen die Rahmenbedingungen so gesetzt sein das eine Inanspruchnahme nicht die Regel darstellt. Zudem müssen diejenigen welche einer dadurch entstehenden Haftungsgemeinschaft zustimmen auch gefragt und über Art und Umfang informiert werden.
1) http://logicorum.wordpress.com/2012/05/18/nonsens-fiscal-pact-der-fiskalpakt-nonsens-und-konsequenzen-fur-den-esm/
2) http://www.project-syndicate.org/commentary/an-external-stability-pact-for-europe/german
3) http://de.wikipedia.org/wiki/Magisches_Viereck
___
\\
- [Ag-soziale_marktwirtschaft] Pakt für den Euro - ESM und anderes (Entwurf / Fragen), aloa5, 20.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Pakt für den Euro - ESM und anderes (Entwurf / Fragen), Christian Schmidt, 21.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Pakt für den Euro - ESM und anderes (Entwurf / Fragen), Csc, 22.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Pakt für den Euro - ESM und anderes (Entwurf / Fragen), aloa5, 22.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Pakt für den Euro - ESM und anderes (Entwurf / Fragen), Christian Schmidt, 22.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Pakt für den Euro - ESM und anderes (Entwurf / Fragen), aloa5, 22.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Pakt für den Euro - ESM und anderes (Entwurf / Fragen), Soester-Börde, 22.05.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Pakt für den Euro - ESM und anderes (Entwurf / Fragen), Acamir, 22.05.2012
Archiv bereitgestellt durch MHonArc 2.6.19.