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Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft
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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Pakt für den Euro - ESM und anderes (Entwurf / Fragen)
Chronologisch Thread
- From: Christian Schmidt <csc AT schmifu.de>
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- Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Pakt für den Euro - ESM und anderes (Entwurf / Fragen)
- Date: Mon, 21 May 2012 00:51:09 +0200
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
- List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
Hallo Zusammen,
ich habe mir erlaubt den Text ins wiki zu übernehmen, ein wenig zu
strukturieren und an manchen Stellen zu ergänzen, z. B. aktueller ESM
Stand in NRW http://www.piratenpartei-nrw.de/tag/esm/
Dabei habe ich alte Rechtschreibfehler vermutlich durch neue
ersetzt ;-)
http://wiki.piratenpartei.de/Pakt_f%C3%BCr_den_Euro
Bitte noch mal drübergucken ob Inhaltliche Aussagen erhalten geblieben
sind und dann kann ja vielleicht in der Diskussionsseite gestartet
werden.
Am Sonntag, den 20.05.2012, 18:09 +0200 schrieb aloa5:
> So,
>
> nachdem ich etwas herumformuliert und überlegt habe frage ich einmal in
> die Runde ob man es sich so vorstellen könnte. Es ist wesentlich
> leichter Kritikpunkte an etwas wie einem ESM zu finden als annähernd
> konsensfähige Formulierungen und Maßnahmen welche zu einem
> funktionstüchtigen Euro hinführen sollen.
>
> Also - Schwarmintelligenz los. ;) Ich habe mehrere Sollbruchstellen
> darin belassen von denen anzunehmen ist das sie abgelehnt werden. Also
> nur keine Scheu ^ ^ :)
>
>
> Text:
>
>
> \\
> _________
> Pakt für den Euro
>
> Wenn man für den Euro und den Euro-Raum votiert benötigt man, das hat
> sich gezeigt, einen wirtschaftlichen Stabilitätspakt. Dies wurde bei
> Einführung der Währung versäumt.
>
> Nun wird als Korrektur dazu ein für die Lösung des Problemes
> untaugliches Kostrukt entworfen bestehend aus einem Fiskalpakt und einem
> Rettungsschirm (ESM). Der Fiskalpakt ist nicht zu halten, bedeutet er
> doch das die Südländer wie Griechenland in einer Rezession verfallen
> werden (1). In der Folge wird erst eine Inanspruchnahme des ESM in hohem
> Umfang notwendig werden und dann mit einer hohen Wahrscheinlichkeit
> trotzdem ein Verlassen betroffener Länder der Währungsunion stattfinden.
> Des weiteren sind die Maßnahmen nicht geeignet um die Probleme welche
> aus den strukturellen Verschiedenheiten und unterschiedliche
> wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Euro-Staaten resultieren zu
> kompensieren.
>
>
> Ein funktionierender Stabilitätspakt enthält folgende Elemente:
>
> 1) Außenwirtschaftlicher Stabilitätspakt (2)
> - Außenwirtschaftliche Stabilitätsvereinbarungen entfalten Wirkung
> auf
> innerstaatliche fiskalische Entscheidungen. Entscheidungen eispielsweise
> welche Lohnkosten senken um die wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem
> Ausland zu erhöhen oder ähnliche Maßnahmen entfalten immer auch
> Wirkungen auf die anderen Länder der Union. Das ist fiskalisch mit
> regulierenden Gegenmaßnahmen abzustimmen, entweder im Land selbst oder
> im Verbund. Im magischen Viereck der Wirtschaftspolitik(3), bestehend
> aus Preisniveaustabilität, Beschäftigungsstand, außenwirtschaftliches
> Gleichgewicht und angemessenes Wirtschaftswachstum ist in jedem Land für
> sich eine ausgewogene Stellung anzustreben. Wenn ein Land zu stark in
> der einen oder anderen der genannten Positionen eine Extremstellung
> einnimmt führt dies für den Euro-Raum im gesamten zu Problemen.
>
> 2) fiskalische Überwachungsmaßnahmen der öffentlichen und privaten
> Schulden
> - Wie bislang alleine die Staatsschulden in den Fokus zu stellen ist
> nicht zielführend. Bei einem Ausfall von hohen Kreditsummen z.B. bei
> einer Fehlallokatiojn von Geldern („Blasen“) wird wie in den aktuellen
> Fällen womöglich der Staat, die EZB und am Ende auch ein Rettungsschirm
> gefordert sein um einen Domino-Effekt zu verhindern.
>
> 3) Erweiterung des Aufgabengebietes der EZB und Unterstützung durch die
> Politik
> - Der politische Auftrag der Zentralbank muss um den Punkt
> Währungssicherung und Währungsgebietseinheit erweitert werden und dies
> als primären Auftrag, gleichrangig gegenüber dem bisherigen Punkt der
> Währungsstabilität. Eine einheitliche Währung hatte bislang u.a. auch
> eine suboptimale Vereinheitlichung der Zinsbasis für die Euroländer
> erbracht, Inflationsmessungen wurden mittels HICP einheitlich
> vorgenommen und Finanzinstrumente einheitlich eingesetzt. Das Ziel wird
> sein eine Politik zu betreiben welche darauf ausgerichtet ist ein
> wirtschaftlich homogeneres Geltungsgebiet des Euro zu erreichen wobei
> der EZB auch eine Rolle zukommen wird diese Bemühungen zu unterstützen.
> Wie im Punkt davor bereits angesprochen ist der Markt der Schulden
> außerhalb der öffentlichen Hand zu beobachten und wenn nötig
> regulierende Maßnahmen zu ergreifen. Das muss nicht durch die weiterhin
> nicht weisungsgebundene EZB erfolgen, da sind auch die Regierungen mit
> der nationalen Gesetzgebung gefordert. Ein aufeinander abgestimmtes und
> nach Ländern ausdifferenziertes Vorgehen von Zentralbanken und
> Regierungen ist gefordert.
>
> 4) Finanzausgleich über Investitionen
> - Ein Finanzausgleich zwischen den Staaten erscheint sinnvoll. Es ist
> nicht notwendigerweise ein automatisierter (horizontaler wie vertikaler)
> Ausgleich wie zwischen den Bundesländern in Deutschland erforderlich.
> Vielmehr sind gezielte Transfers der EU-Ebene in sinnvolle
> Infrastrukturmaßnahmen und Projekte mit dem Ziel eine schnellerer
> Angleichung der Leistungsfähigkeit anzustreben. Dabei ist darauf zu
> achten das die Gelder weder auf der lokalen Regierungsebene in dunklen
> Kanälen verschwinden noch auf EU-Ebene Lobby-Interessen zum Opfer
> fallen. Dies soll mittels kleinteiliger Vergaben, regionaleren
> Empfängern mit hoher Transparenz unter Beachtung der Subsidiarität
> geschehen. Dies erhöht die Akzeptanz bei den Gebern und die
> Zurechenbarkeit als Förderung durch den Zusammenschluss bei Nehmern.
> Wie langwierig, teuer und nur auf lange Frist erfolgreich strukturelle
> Hilfen sind kann man nicht zuletzt anhand Ostdeutschlands sehen. Kürzere
> Laufzeiten bei einem Projekt wie einem gemeinsamen Euro-Raum anzunehmen
> ist dabei unangemessen. Hierbei muss auf Jahrzehnte geplant werden und
> man muss dies insbesondere in Geber- wie Nehmerländern den Bürgern
> deutlich machen. Ein derartiges Projekt wie eine gemeinsame Währung kann
> nur durch ein freiwilliges geben und nehmen Erfolg haben.
>
>
>
>
> Fußnoten u.a. :
>
>
> Der Fiskalpakt
>
> Der Fiskalpakt sieht zwei Dinge vor. Jedes für sich genommen ein hehres
> Ziel, in der Summe jedoch fatal (1).
>
> Das eindämmen des strukturellen Defizites der Einzelstaaten ist als
> solches noch nicht mit dramatischen Folgen versehen. Das
> Bruttoinlandsprodukt wird jedoch fallen. Werden die Sparziele
> eingehalten wird die strukturelle Defizit-Reduktion stärker ausfallen
> als die des BIP. Daher müssen keine weiteren Sparmaßnahmen ergriffen werden.
>
> Gleichzeitig soll jedoch die am sinkenden Bruttoinlandsprodukt gemessene
> Schuldenquote reduziert werden und das unabhängig von Konjunkturphasen.
> Um dieses Ziel zu erreichen müssen oder müssten Sparmaßnahmen erfolgen
> welche mit einer Rezession einher geht. Diese Rezession macht Ihrerseits
> jedoch ein Erreichen beider Ziele unmöglich da sowohl das Inlandsprodukt
> als auch die Einnahmen aus Steuern sinken werden.
>
>
> Der ESM
>
> Ein Notfallinstrument für eine Eliminierung von Schwierigkeiten von
> Staaten sich über den Markt zu refinanzierung ist sinnvoll. Ohne eine
> solche Haftungsgemeinschaft wären einige Bundesländer Deutschlands schon
> im Regelfall nicht in der Lage sich über den Markt zu finanzieren. Damit
> ein Notfallinstrument aber auch den originären Zweck erfüllt müssen die
> Rahmenbedingungen so gesetzt sein das eine Inanspruchnahme nicht die
> Regel darstellt. Zudem müssen diejenigen welche einer dadurch
> entstehenden Haftungsgemeinschaft zustimmen auch gefragt und über Art
> und Umfang informiert werden.
>
>
> 1)
> http://logicorum.wordpress.com/2012/05/18/nonsens-fiscal-pact-der-fiskalpakt-nonsens-und-konsequenzen-fur-den-esm/
>
> 2)
> http://www.project-syndicate.org/commentary/an-external-stability-pact-for-europe/german
>
> 3) http://de.wikipedia.org/wiki/Magisches_Viereck
>
> ___
> \\
> --
> Ag-soziale_marktwirtschaft mailing list
> Ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
> https://service.piratenpartei.de/listinfo/ag-soziale_marktwirtschaft
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