ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft
Listenarchiv
- From: milton2011 <milton2011 AT news.piratenpartei.de>
- To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
- Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Wir wollen Armut verhindern, nicht Reichtum
- Date: Sat, 18 Feb 2012 10:17:37 +0000
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
- List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
- Organization: Newsserver der Piratenpartei Deutschland - Infos siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Syncom/Newsserver
aloa5 schrieb:
Benniklaus schrieb:
Ich halte diese Aussage als eine der Gretchenfragen der Partei. Die Piraten haben sich ein sozial wie staatsbürgerlich hohen Anspruch gestellt. Doch sind die Mittel einer Gesellschaft begrenzt. Daher sind Armut und Reichtum, im materiellen Sinne, in einer Gesellschaft das gleiche paar Schuhe, oder wie Brecht es formulierte "… armer Mann sprach bleich, weil ich arm bin, bist du reich!"...
Brecht hat auch keine Ahnung von Ökonomie.
Mittel einer Gesellschaft sind im groben
- Kapital (nicht im Sinne von Geld, sondern in Bezug z.B. auf Energie und Rohstoffe sowie Infrastruktur)
- Arbeitskraft
Wenn Beides /voll ausgelastet/ausgeschöpft/ ist, dann /könnte/ Brecht recht haben. Denn dann arbeiten alle und dann kann man sich die alleinige Frage stellen: für wen wird gearbeitet? (Dann käme noch die Frage der Investitionen hinterher.)
Wir haben aktuell aber die Situation das weder das eine noch das andere ausgelastet ist. Wir haben sowohl die Mittel als auch die Arbeitskraft um /insgesamt mehr/ materielles herzustellen. Der zu verteilende Kuchen kann also wesentlich größer werden. Man könnte also in Anlehnung auf Brecht sagen: *"Du bist Reich - in Ordnung... aber warum muss ich denn arm sein?"*
Und wenn man sich diesen Standpunkt zu Eigen macht kommt man auf die Problematik des Ordnungsrahmens bzw. des Wirtschaftskreislaufes. Dieser hat auch mit der Verteilung zu tun, aber nicht ausschließlich und nicht wegen eines "Neid-Effektes". Innerhalb des volkswirtschaftlichen Ordnungsrahmens geht es daher nicht darum dem Reichen etwas wegzunehmen damit jemand anderes es besitzt (Brecht). Es geht darum ihm einen Euro wegzunehmen, diesen zu verdoppeln und die zwei neu zu verteilen.
So lange man darauf aus ist und sagt "es hat jemand zu wenig" hat man das aufgezeigte Wachstums-Szenario. Ist man nicht auf dieses Szenario aus kommt man auf anderes. Das ist auch möglich, ich halte es aber angesichts der millionen bis milliarden Menschen welche mehr haben möchten (das unterstelle ich) für wenig zielführend.
Grüße
Otmar
Aloa,
1. Es geht grds. nicht um Umverteilung von Vermögen in einer Volkswirtschaft. Das ist entweder schnell verzehrt, oder die Vermögenden legen die Vermögenssteuer auf die Preise um. Das hilft auch keinem.
2. Den Ordoliberalismus als Ordnungsrahmen können Sie seit 1958 in einer Volkswirtschaft vergessen, als Ludwig Erhard die BRD in die EWG, heute EU, überführte. Damals schimpfte schon Wilhelm Röpke wie ein Rohrspatz. Die Einführung eines Europäischen Binnenmarktes war das Ende eines lokalen volkswirtschaftlichen Ordnungsrahmens für Marktwirtschaft.
3. Realpolitisch ist also in einer globalen Marktwirtschaft eine lokale Volkswirtschaft auf Steuer- und Sozialpolitik begrenzt, in der BRD ist Bildungspolitik sogar Ländersache, die Kulturhoheit der Länder ist die Existenzfrage des Föderalismus, also der Länder.
4. SOZIALE Marktwirtschaft kann also in der globalen Marktwirtschaft nur bGE durch negative Einkommensteuer sein, die Mehrwertsteuer ist als EU-Binnenzoll schon harmonisiert und mit 25 % begrenzt.
Und das heißt ganz einfach, das Sozialstaatsgebot nach Urteil vom 9.2.2010 haben die Bürger als Familien- und Sozialausgleich marktneutral und marktoptimierend (!) durch neg. Einkommensteuer auf Wertschöpfung, also Arbeit UND Kapital, Löhne UND Dividende, zu erfüllen.
Und da ist es am einfachsten und am billigsten, man dreht die Gerade Netto = Brutto um den Mittelwert ProKopfEinkommen so weit, bis Netto = bGE für Brutto = 0 ist. Das ist eine Umverteilung von Oben nach Unten als Quellensteuer, bevor Einkommen zum Eigentum werden.
Bei einem maximalen Steuersatz von 50 % schöpft also der Staat die Sozialdividende von 50 % für bGE, individuelle Sozialtransfers und (erhaltende) Subventionen ab, die Stimmrechte zu den 50 % hat er schon 1976 in der Paritätischen Mittbestimmung an die Arbeitnehmer in Aufsichts- und Betriebsrat verfassungskonform nach Urteil vom 1.3.79 übertragen.
Und mit diesen 50 % ist bGE als Ihr zGE plus KV-Kopfpauschale zur Liberalisierung des Gesundheitsmarktes (EU-Forderung) sowie der volle individuelle Sozialhaushalt finanziert, Renten und ALG1 sind dann als gesetzliche AN-Versicherungen locker fortführbar ohne Änderungen am Besitzstand.
Und da im Sozialhaushalt die Grundsicherung entfällt, kann das bGE für Erwachsene auch noch erhöht werden, im Zusammenhang mit einer Durchforstung dieses Haushaltes sogar erheblich bis ca. 800 Euro für Erwachsene.
Auf jeden Fall ist der Sozialhaushalt dann beschäftigungsunabhängig stabilisiert, weil wertschöpfungsbezogen, nicht nur lohnbezogen, wie schon Ludwig Erhard 1957 kritisierte.
Der Globale Freie Markt entscheidet dann über mehr Produktion im Inland, wenn es sich marktwirtschaftlich rechnet.
Milton Friedman hat nur mit Lady Juliet Rhys-Williams SOZIALE Marktwirtschaft auf lokalen Sozialstaat in einer globalen Freien Marktwirtschaft überführt.
Realpolitisch muss sich die Wirtschaft global behaupten, die Bürger haben den Sozialstaat solidarisch gemäß GG zu gestalten.
Die Verantwortung für Wertschöpfung trägt die Wirtschaft, nicht der Staat.
Die Verantwortung für Sozialstaat tragen die Bürger, also der Staat, nicht die Wirtschaft.
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Wir wollen Armut verhindern, nicht Reichtum, sepp25, 17.02.2012
- <Mögliche Wiederholung(en)>
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Wir wollen Armut verhindern, nicht Reichtum, Christian Seiler, 17.02.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Wir wollen Armut verhindern, nicht Reichtum, Christian Seiler, 17.02.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Slogan: Armut verhindern, nicht Reichtum, - aber:, sozialpiraten, 18.02.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Slogan: Armut verhindern, nicht Reichtum, - aber:, Christian Seiler, 18.02.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Slogan: Armut verhindern, nicht Reichtum, - aber:, sozialpiraten, 19.02.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Slogan: Armut verhindern, nicht Reichtum, - aber:, Christian Seiler, 18.02.2012
- Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Wir wollen Armut verhindern, nicht Reichtum, milton2011, 18.02.2012
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