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Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft
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[Ag-soziale_marktwirtschaft] Wie geht die Gesellschaft mit dem unternehmerischen Risiko um?
Chronologisch Thread
- From: "CAP (Christian)" <CAP AT news.piratenpartei.de>
- To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
- Subject: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Wie geht die Gesellschaft mit dem unternehmerischen Risiko um?
- Date: Tue, 25 Oct 2011 15:17:42 +0000
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
- List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
- Organization: Newsserver der Piratenpartei Deutschland - Infos siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Syncom/Newsserver
Wir besteuern heute Gewinn in der juristischen Person des Unternehmens.
Aber warum eigentlich? Es ist doch keine natürliche Person, die den Gewinn im Sinne von nutzbringendem Konsum verjubeln kann. Sie kann diesen Gewinn doch nur an natürliche Personen ausschütten, wo wir ihn ebenfalls besteuern können, oder aber sie nutzt ihn unternehmerisch, um zusätzliche Wertschöpfung oder Ressourceneinsparungen zu ermöglichen. In diesen Fällen würde der Gewinn entsprechend größer. Und wenn er später ausgeschüttet würde, würden wir später die Steuererträge haben. Natürlich steht dem größeren, unternehmerischen Spielraum und der damit verbundenen Chance auf mehr Gewinn auch das Risiko des Verlustes gegenüber.
Also warum sollen wir Kapitaleinkommen besteuern, solange das Kapital für seinen Besitzer sich noch nicht in seinem zusätzlichen Konsum niederschlägt?
Für wachsende Unternehmen würde das das Wachstum drastisch vereinfachen und so schneller den Aufbau von neuen Arbeitsplätzen ermöglichen, was für die Funktion der Märkte sehr wertvoll wäre.
Zugleich würde aber auch der Staat das unternehmerische Risiko mit teilen, denn der investierte Gewinn, kann sich auch wieder in Luft auflösen.
Es gibt aber auch bedenken, dass sich das Kapitaleinkommen über die zeitliche Verschiebung seiner Besteuerung seiner sozialen Verantwortung entziehen könnte.
(Wenn man Unternehmenseinkommen erst beim Konsum bei der natürlichen Person besteuern wollte, sollte man dann aber auch dafür sorgen, dass „Spesen“ und „Werbungskosten“ keinen Konsumcharakter für natürliche Personen haben oder andernfalls wie Einkommen behandelt werden, um die Grenzen zwischen privatem Konsumnutzen und unternehmerischer Erwerbstätigkeit sauber zu ziehen)
Im Status quo und in den Anträgen, sind diese Positionen nicht klar. Mit der Einkommenssteuer und den Sozialabgaben versuchen wir anfallende Gewinne gleich bei der Entstehung zu belasten. Andererseits werden in Altersvorsorgeprodukten nachgelagerte Steuerbelastungen vorgesehen. Wir subventionieren Unternehmen, damit sie genug Kapital bekommen, dass wir ihnen zuvor mit der Besteuerung nicht lassen wollten. Wir überlegen Erfindern Patente durch den Staat abkaufen zu lassen, damit er sie der Gesellschaft zur freien Nutzung überlässt. Es gibt darin keine klare Linie, wo der Staat mit ins Risiko geht und wo nicht. Entsprechendes gilt gegenüber dem einzelnen Bürger oder Unternehmen.
Was meint Ihr dazu? Wie sollte man damit umgehen?
- [Ag-soziale_marktwirtschaft] Wie geht die Gesellschaft mit dem unternehmerischen Risiko um?, CAP (Christian), 25.10.2011
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