Huhu Stephan,
kann die gleichen Erfahrungen aus dem Kleintierbereich liefern.
Aufgrund falscher Fütterung leiden sie häufig an Hefepilzbefall im
Darm, die Tiere sind oft zu jung von der Mutter weg (Babies sind
halt süßer) und deshalb anfälliger für z.b. Milben und Pilz,
abgesehn von Sozialstörungen die dadurch entstehen.
Die Verkäufer haben oft nicht mal eine Ahnung von den Geschlechtern,
so dass oft falsche Geschlechter oder bereits trächtige Tiere
verkauft werden.
Ein Zoogeschäft ist halt in erster Linie ein Geschäft, es geht darum
Profit zu machen. Das viele Produkte nicht artgerecht (Käfige),
gesundheitsschädlich (Futter) bzw. sogar lebensgefährlich (manche
Laufräder) sind, spielt da keine Rolle, wenn genug Leute kaufen. Da
sollte unbedingt was getan werden.
LG
Julia
Am 30.04.2012 08:43, schrieb Stephan aka dog:
Ich gehe sehr stark davon aus, das sich die
Zoogeschäfte in aller Regel an die geltenden Bestimmungen halten.
Wenn die Aussage das die meisten dieser Tier krank sind (was
unbedingt auch nachzuweisen/belegen wäre), dann sind
offensichtlich die geltenden Bestimmungen nicht ausreichend.
Aus meiner Sicht musst Du nicht weniger schreiben - ich fand das
sehr informativ & hilfreich!
Danke Dir und viele Grüße
S.
Am 28. April 2012 14:07 schrieb Julia von
der Ahe <arduinna369 AT gmx.de>:
Huhu Sarah,
möchte einfach nur kurz zum Ausdruck bringen dass ich es
schön finde, dass sich mit dir jemand fachkompetentes zu dem
Thema einbringt. Ich hätte nicht gedacht das die Haltung so
kompliziert und so unterschiedlich im Bezug auf einzelne
Arten/Unterarten ist und habe die Problematik unterschätzt.
Finde deine Beiträge sehr informativ und lesenwert.
LG
Julia
Am 27.04.2012 22:21,
schrieb Sarah Mlynek:
Hallöchen!
die frage ob ein terrarium gut strukturiert sein
"muss" oder nicht kommt erstens darauf an welche art
gemeint ist und wie diese art in der freien natur lebt
und zweitens darauf wie weit man sich mit dem gedanken
anfreunden kann, dass die meisten dinge, die unserer
meinung nach in ein terrarium gehören, rein
optischer/ästhetischer natur für uns menschen sind.
bei baumvogelspinnen z.b. sehe ich in den
verschiedenen foren immer wieder bilder von großen
unglaublich toll eingerichteten terrarien. ein
richtiges schmuckstück fürs wohnzimmer! die spinne
darin allerdings wäre mit einem drittel des platzes
ausreichend versorgt und wird ein großes terrarium
niemals ausnutzen um sich "auszulaufen", da sie ein
lauerjäger ist, und braucht zum leben nur eine
korkröhre, in die sie sich zurückziehen kann und ab
und zu ein heimchen, welches sich in ihren
aktionsradius verirrt. wir können bei spinnentieren
und reptilien nicht von uns ausgehen und z.b.
festlegen: das terrarium muss mindestens eine lebende
pflanze beinhalten, "weil wir das schön finden. die
tiere sollen ja in gefangenschaft schließlich
möglichst naturnah gehalten werden." dass aber
baumvogelspinnen teilweise in ihrem leben niemals ein
grünes blatt zu gesicht bekommen, da sie sich
ausschließlich in dem astloch und ca 20 drumherum
bewegen, bedenken die wenigsten^^ oder dass die
meisten reptilien heutzutage auf müllkippen wohnen,
weil es dort soviele schöne versteckmöglichkeiten und
ritzen und ecken gibt und die sonne für eine angenehme
wärme sorgt (selten stehen um müllkippen herum ja
häuser oder bäume, die schatten werfen). wer will
schon sowas im wohnzimmer haben?^^
ich bezweifle, dass reptilien und spinnentiere oder
insekten so etwas wie ein ästhetisches empfinden
haben. sie nehmen sinnesreize natürlich wahr, aber ich
glaube nicht dass sie eine schön blühende bromelie in
ihrem terrarium sehen und denken "hach ist das
wohnlich hier, hier bleibe ich gern". von diesen
menschlichen interpretationen müssen wir uns lösen.
das ist bei katzen und hunden schon falsch und oft an
der grenze zur nicht artgerechten haltung/umgang, aber
bei reptilien, insekten und ähnlichem völlig am
falschen ende nachgedacht bzw angefangen.
reptilien und spinnentiere sind wildtiere, die sich
nicht zähmen lassen oder die verstehen, dass sie,
sicher, in gefangenschaft leben. für sie geht es, wie
in der freien natur darum: werde ich gefressen oder
überlebe ich? sie vertrauen ihren angeborenen
instinkten, durch die sie auch in der freien natur
überleben würden.
damit ein tier überlebt, braucht es zuallererst einen
sicheren rückzugsort, der seinen klimatischen
ansprüchen genügt. sonst wird es unruhig und wird
versuchen sich einen sicheren ort zu suchen. oft liest
man in vogelspinnenforen dass die tiere sich andauernd
im terrarium bewegen und auf und ab laufen. da kann
ich 90% sagen: das liegt an zu feuchter haltung (in
den büchern steht leider immer noch sowas von "bei 70%
LF halten" was für den regenwald, in dem andauernd ein
lüftchen weht, vollkommen richtig ist, aber in der
terrarienhaltung das tier schlichtweg verschimmeln
ließe). die spinnen beißen teilweise in die
lüftungsgitter um der feuchten luft irgendwie zu
entkommen. durch die löcher entsteht ja wenigstens ein
kleiner luftaustausch und die versuchen sie zu
vergrößern.
bei fast jedem reptil geht es darum, ihm eine
behausung anzubieten, die dem sicherheitsgefühl der
tiere entgegenkommt und ihre klimatischen bedingungen
zu erfüllen. das terrarium eines königspythons muss
nicht unglaublich schick eingerichtet sein oder viele
pflanzen als sichtschutz bieten, es reicht ein
wassernapf und eine trockene und eine feuchte höhle
mit jeweils EINEM ein-und ausgang! als unterschlupf,
die dunkel sein müssen. eine hingelegte korkröhre, die
man oft sieht, ist deswegen nicht geeignet. in diesen
höhlen muss es allerdings schön warm sein (tagsüber
30-32grad).
bei einem stirnlappenbasilisken z.b. sollte ein
terrarium dagegen viele äste und grüne pflanzen als
sichtschutz und tarnbereich enthalten, uv bestrahlung
sowie eine große wasserzone am boden, sprich: man baut
eine art bachlauf aus dem regenwald nach. diese tiere
sind sehr scheu und brauchen fluchtmöglichkeiten und
tarnmöglichkeiten und ein versierter halter wird diese
tiere nicht halten, wenn er ihnen dieses habitat nicht
bieten kann. ich halte diese art nicht, aber in der
letzten elaphe, der vereinszeitschrift der DGHT, war
eine artikelreihe über sie.
der königspython ist eine recht sensible schlange.
wenn er gestresst ist, oder irgendwas mit der
haltung/behandlung nicht stimmt, verweigern sie sofort
das fressen. ein königspython, der sich in seinem
terrarium nicht sicher fühlt, andauernd rausgenommen
wird oder dem zu kalt/zu warm ist, wird nicht fressen.
das brachte den tieren den stempel "problemtier" in
den 80ern ein, wo sie in de regel in großen terrarien
gehalten wurden, die für kletternde schlangen
ausgelegt waren, bis die amerikaner anfingen sie in
racks zu halten. dort gehen fast alle tiere sofort ans
futter und man fing an große nachzuchterfolge zu
verzeichnen und deswegen sind wir mittlerweile bei
einer großartigen morphenzucht bei den königen.
wohingegen die kornnatter total anpassungsfähig ist
und in jedem "loch" leben und sich fortpflanzen kann,
hauptsache es gibt einen warmen geschützten platz zum
hinlegen :)
zu den netzpythons kann ich leider nichts sagen, da
ich diese art nicht halte. einrichtungsgegenstände wie
lebendige pflanzen sind allerdings bei fast allen
schlangen, und erst recht bei einer so großen wie
einem netzer, nicht sehr langlebeig da die schlangen
diese einfach plattliegen oder die töpfe umreißen oder
die ranken abreißen oder schlicht ausgraben
(kornnatter), und deswegen fehl am platz.
ich halte meine regiusjungtiere bis zu einem alter von
sechs monaten auch auf zeitungspapier, weil es leicht
zu wechseln ist da man immer sofort sieht wenn das
tier kot/urin abgesetzt hat. es behält die wärme gut
in der box, es läßt sich gut feucht halten und bleibt
auch über einen längeren zeitraum feucht und die tiere
können beim fressen nichts verschlucken. meine
größeren tiere halte ich auf kleintierstreu (man sieht
sofort alle hinterlassenschaften, man kann es gießen
bzw feucht machen ohne das es schimmelt und die tiere
können sich ein wenig ihre wege buddeln, grad bei den
kornnattern immer wieder lustig anzusehen) und da ist
mir bei den kleinen die gefahr doch zu groß, dass sie
einen schnippsel mit aufnehmen und es zu einem
darmverschluss kommt.
es ist leider nicht so wie bei den verschiedenen
katzenrassen, die alle gleich gehalten werden oder wie
bei den meisten hunderassen, für die das bis auf
wenige ausnahmen auch gilt. bei reptilien ist die
sache leider hochkompliziert und man kann nicht sagen:
geckos sollte man so halten. da gibts es leider
geckoarten, die im regenwald leben, einige die
kulturfolger sind und an/in menschlichen behausungen
leben und dann wieder andere, die in wüsten- bzw
steppengebieten leben. dann nachtaktive, die keine
uvbestrahlung brauchen und tagaktive, die ohne uvlicht
schwere entwicklungsstörungen und krankheiten
(rachitis) bekommen. da müsste für jede unterart ein
eigenes haltungsprofil erstellt werden und zwar von
fachleuten.
ich habe keine futtertierzucht, da mir das zuviel
arbeit und gestank wäre. meine futterinsekten füttere
ich regelmäßig und sie bekommen frisches wasser. meine
schlangen füttere ich mit frostratten aus dem betrieb
vom herrn dinkel in rückersdorf (frostfutter.de), der das schon
jahrzehntelang macht und seinen betrieb unter strenge
behördliche und veterinärmedizinische kontrollen
stellt. sicher haben futtertiere ein anrecht auf
akzeptable grundbedingungen, allerdings sollte man sie
trotzdem nicht mit liebhabertieren oder den
eigentlichen haustieren gleichsetzen. auch wenn
nagerfreunde das sicherlich nicht gerne hören^^
und vollhonks gibt es überall. was ich teilweise von
meiner mum, die in einem hundeverein hundetrainerin
ist, höre: da stellt sich einem alles auf -.- auch zur
zeit wieder im fernsehen: der VIP hundeprofi mit dem
von mir sehr geschätzten herrn rütter. wenn man da
teilweise hört wie wenig die leute von ihrem hund und
seiner denkweise wissen und verstehen, da kann man nur
den kopf schütteln. und die wundern sich dann, warum
der hund draußen im park nicht hört :( genauso sieht
man in foren bilder von leuten, die solch arme kranke
tiere dann aufnehmen: von schlangen, die wirklich in
mini-terrarien gehalten werden zu viert oder fünft und
auf verschimmelten kot- und häutungsresten
sitzen....... einfach schlimm sowas!
deswegen kann es einfach nicht sein, dass sich jeder
hinz und kunz rein haustier kaufen darf, nur weil er
grad lust darauf hat. ich arbeite als buchhändlerin
und erlebe tagtäglich wie dumm, ignorant, unhöflich,
unwissend und hilflos die meisten menschen sind. wenn
ich mir überlege was die idioten alles für haustiere
haben und wie diese dann gehalten werden, da wird mir
echt schlecht.
ach und im zoohandel würde ich persönlich nie ein
haustier kaufen. ich weiß nicht von welchem züchter
diese kommen und die zoogeschäfte, die ich besuche (um
zubehör oder futtertiere zu erwerben), halten ihre
exoten nie wirklich schön, obwohl das schon teilweise
deutlich besser geworden ist, und die tiere sind in
der regel krank oder viel zu alt und zudem um ca 300%
überteuert. klar, das geschäft muss ja auch von etwas
leben. es juckt einen zwar hin und wieder aus mitleid
für die tiere, aber das ist definitiv der falsche weg,
da ein neues exemplar sofort nachrückt....
liebe grüße und wenn ich weniger schreiben soll
einfach bescheid sagen. dann versuche ich mich etwas
zurückzuhalten :)
sarah
Message: 2
Date: Fri, 27 Apr 2012 09:59:17 +0200 (CEST)
From: Claudia <claudia.hagenschulte AT piratenpartei-nrw.de>
To: Mailingliste des Arbeitskreis Tierschutz NRW
<nrw-ak-tierschutz AT lists.piratenpartei.de>
Subject: Re: [nrw-ak-tierschutz] Reptilienhaltung
Message-ID:
< 1496827179.1972.1335513557062.JavaMail.open-xchange AT mail.piratenpartei-nrw.de>
Content-Type: text/plain; charset=UTF-8
Hallo Sarah,
danke für Deine Ausführungen.
Zum Thema Wildfänge hast Du natürlich recht,
soweit es um Arterhaltung geht. Da
wird in der Terraristik vielfach großes geleistet,
auch von Privatpersonen. Ich
bin aber trotzdem der Meinung, dass Wildfänge
nichts im Zoohandel zu suchen
haben. Hier könnte man z.B. eine Regelung
schaffen, die es Privatpersonen
ermöglicht, an solchen Zuchtprogrammen
teilzunehmen.
Ich habe selber Reptilien gehabt (allerdings eher
Chamäleons) und springe
teilweise noch ein, wenn Reptilien beschlagnahmt
werden und kurzzeitig
unterkommen müssen. Meiner Erfahrung nach gibt es
in der Terraristik die
engagierten Halter und die Vollhonks, die es
"cool" finden, ein Reptil zu
halten. Gibt es aber überall.
Wenn ich Dich richig interpretiere, ist Dir ein
gut strukturiertes Terrarium
wichtiger als die reine Größe? Wie stehst Du dazu,
dass viele Züchter gerade
großer Arten (Netzphyton z.B.) die Zuchttiere auf
reiner Zeitung und ohne
jedwede Einrichtung halten? Gibt es da spezielle
Gründe für oder ist das rein
eine Hygienegeschichte?
Ein größeres Problem sehe ich in der Haltung der
Futtertiere. Die vegetieren
häufig vor sich hin unter elenden Bedingungen,
sowohl Futerinsekten als auch
Wirbeltiere. Die Problematik bei den im Handel
erhältlichen Frosttieren kennst
Du? Ich finde, dass auch Futtertiere ein Anrecht
auf aktzeptable
Haltungsbedingungen haben.
Ich fände es klasse, wenn Du Dich bzgl. der
Reptilien mit einbringen würdest.
--
NRW-AK-Tierschutz mailing list
NRW-AK-Tierschutz AT lists.piratenpartei.de
https://service.piratenpartei.de/listinfo/nrw-ak-tierschutz
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