nrw-ak-drogen AT lists.piratenpartei.de
Betreff: Nrw-ak-drogen mailing list
Listenarchiv
- From: Martin Köster <Martin.Koester AT uni-duesseldorf.de>
- To: nrw-ak-drogen AT lists.piratenpartei.de
- Subject: Re: [NRW-AK-Drogen] Kritik: Warnhinweis auf Medikamenten mit Suchtpotenzial
- Date: Sun, 11 Apr 2010 18:14:08 -0400
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/nrw-ak-drogen>
- List-id: <nrw-ak-drogen.lists.piratenpartei.de>
Moin Moin, /
Ein zusätzlicher Warnaufkleber miss-repräsentiert das Gefahren-/Nutzenverhältnis des Medikaments ganz immens, nicht das überhaupt Handlungsbedarf bestünde/.
Das bekomme ich im Berufsalltag eher anders mit. Es gibt beide Seiten; einmal diejenigen, die übervorsichtig an Medikamente rangehen und trotz dringender Indikation aus Angst vor Nebenwirkungen eine Behandlung unterlassen und auf der anderen Seite diejenigen, die ohne Problembewusstsein an Medikamente rangehen, denn "das hat ja der Arzt so verordnet".
Es gibt allerdings einige Gruppen von AM wo die 2. Gruppe deutlich größer ist, als die erste. Wenn ich z.B. bei verschreibungspflichtigen Schlafmitteln (Zolpidem, Zopiclon, ...) oder den Benzuodiazepinen (Bromazepam, Lexotanil, ...) die Leitlinien zur Art und dauer der Therapie konsequent anwenden würde, müsste ich in 50% der Fälle den Arzt anrufen und mir die Begründung schriftlich geben lassen. Auch im Bereich der Psychoharmaka für Kinder und Jugendliche wird nicht Leitliniengerecht Therapiert. Besonders aufgefallen ist mir der Bereich der 15-18 Jährigen Mädchen, was hier alles mit antidepressiva behandelt wird ist enorm. Gerade in dem Bereich ist aber oft eine Reaktion auf kritische Nachfragen ein 2aber das nehmen meine Freundinnen doch auch".
/ ...es ist nicht so als ob das nicht in der Packungsbeilage stünde - abgesehen davon dass der Arzt sicherlich mit dem Patient darüber spricht. /
Wieviel Prozent der 65+ Generation ließt denn einen 5 Seitigen Text in pt4,5 und wieviel Prozent der 18- Generation bzw. deren Eltern Versteht das gelesene. Wenn es wirklich so gut gelesen und verstanden würde, bekäme ich nicht so viele Rückfragen wegen der Art der Einnahme (in geschätzen 75% der Fälle erkläre ich es oder werde explizit danach gefragt bei Älteren Leuten). Was die Ärzte angeht hab ich schon einigen am Telefon aushelfen müssen mit Therapievorschlägen, schlicht weil sich seit deren letzen Prüfungen 1980 schon was getan hat.
Martin
Am 11.04.2010 16:57, schrieb Stefano:
Wir sind zu dem Schluß gekommen, daß wir genau das wollen: mündige
Patienten. Unser Fokus lag heir nicht auf trivialen Krankheiten
wie einer Erkältung oder einer Grippe, sondern auf schwer
einschneidenden Krankheiten
Genau da sehe ich das Problem:
Jene mit schweren Krankheiten werden doch durch einen solchen Warnhinweis regelrecht dazu verleitet, zu glauben, dass ihre Probleme durch die eventuell vorhandene (eventuell auch nicht vorhandene) Sucht ausgelöst werden. Jedenfalls vermute ich, dass das sehr wahrscheinlich ist. Ein solcher Patient ist vielleicht dazu geneigt, entgegen dem Rat und Willen seines Arztes, denn ein guter Arzt wird sicherlich ein Problem damit haben, die Medizin abzusetzen. Dieser Patient ist nicht mündig sondern irrgeführt.
Wie gesagt, nur ein Beispiel und nicht viel besser als deine Anekdote. Aber mir scheint es zumindest weit sinnvoller.
Nochmal: Ich möchte einen mündigen Bürger sehen. Aber hier geht es um Informationen, die schon vorhanden sind - es ist nicht so als ob das nicht in der Packungsbeilage stünde - abgesehen davon dass der Arzt sicherlich mit dem Patient darüber spricht. Ein zusätzlicher Warnaufkleber miss-repräsentiert das Gefahren-/Nutzenverhältnis des Medikaments ganz immens, nicht das überhaupt Handlungsbedarf bestünde.
Gruß,
Stefano
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Martin Köster
Institut für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie
Heinrich-Heine-Universität
Universitätsstrasse 1
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Tel 0211 81 14116
- [NRW-AK-Drogen] Kritik: Warnhinweis auf Medikamenten mit Suchtpotenzial, Stefano, 11.04.2010
- Re: [NRW-AK-Drogen] Kritik: Warnhinweis auf Medikamenten mit Suchtpotenzial, Spiff Pirat, 11.04.2010
- Re: [NRW-AK-Drogen] Kritik: Warnhinweis auf Medikamenten mit Suchtpotenzial, Stefano, 11.04.2010
- Re: [NRW-AK-Drogen] Kritik: Warnhinweis auf Medikamenten mit Suchtpotenzial, Martin Köster, 12.04.2010
- Re: [NRW-AK-Drogen] Kritik: Warnhinweis auf Medikamenten mit Suchtpotenzial, Stefano, 12.04.2010
- Re: [NRW-AK-Drogen] Kritik: Warnhinweis auf Medikamenten mit Suchtpotenzial, Martin Köster, 12.04.2010
- Re: [NRW-AK-Drogen] Kritik: Warnhinweis auf Medikamenten mit Suchtpotenzial, Stefano, 12.04.2010
- Re: [NRW-AK-Drogen] Kritik: Warnhinweis auf Medikamenten mit Suchtpotenzial, Martin Köster, 12.04.2010
- Re: [NRW-AK-Drogen] Kritik: Warnhinweis auf Medikamenten mit Suchtpotenzial, J. Löblein, 15.04.2010
- Re: [NRW-AK-Drogen] Kritik: Warnhinweis auf Medikamenten mit Suchtpotenzial, Stefano, 11.04.2010
- Re: [NRW-AK-Drogen] Kritik: Warnhinweis auf Medikamenten mit Suchtpotenzial, Spiff Pirat, 11.04.2010
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