crew-hauptmann-von-koepenick AT lists.piratenpartei.de
Betreff: Crew-hauptmann-von-koepenick mailing list
Listenarchiv
- From: Corny <pirat_c AT online.de>
- To: crew-hauptmann-von-koepenick AT lists.piratenpartei.de
- Subject: [Crew-Hauptmann-von-Koepenick] Anfrage Auto Zellmann
- Date: Fri, 1 Jun 2012 22:29:49 +0200
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/crew-hauptmann-von-koepenick>
- List-id: <crew-hauptmann-von-koepenick.lists.piratenpartei.de>
Hier die gewünschte Anfrage mit den Antworten.
Frage 1) Wieso wollte die Fraktion der Piraten den Bebauungsplan für eine
Erweiterung des Autohauses Zellmann aufheben und an der bisherigen Planung
als Mischgebiet für Wohnraum und Gewerbe festhalten?
Antwort zu 1)
Der rechtsgültige Bebauungsplan XV-19 entstammt einem Prozess, in den die
Altglienicker und die ansässigen wirtschaftlichen Unternehmen neben den
Entscheidungsträgern im Bezirk eingebunden wurden.
Innerhalb dieses Prozesses gab es nach langwierigen Diskussionen eine
Einigung über die Festsetzung des Gebietes als Mischgebiet. Diese Einigung
wurde sowohl von den Bezirksverordneten, dem zuständigen Bezirksamt als auch
den Anwohnern und den ansässigen Wirtschaftsunternehmen getragen. Das
Verfahren, das der Eigentümer der betreffenden Grundstücke Manfred Zellmann
beantragt hat, dient der Umsetzung seines Vorhabens, einen Verkaufspavillon
sowie ein Reifenhotel mit Werkstatt und Aufstellflächen zu errichten. Es wird
bei Erfolg den ursprünglichen Beschluss aufheben und zur Folge haben, dass
das Mischgebiet in ein Gewerbegebiet umgewandelt wird. Dieses klare Ziel ist
Bestandteil des Vorhabens.
Die Fraktion der Piraten Treptow-Köpenick ist der Ansicht, dass die damals
unter hoher Beteiligung getroffene Entscheidung zu Gunsten einer möglichen
Wohnbebauung im Bereich des Vorhabens nicht einfach aufgegeben werden kann.
Die Durchführung des Verfahrens mag dem geltenden Recht entsprechen, als
Bezirksverordnete stehen wir jedoch vor der Aufgabe die Interessen der Bürger
und somit der Altglienicker zu vertreten. Diese Interessen sehen wir durch
die übliche Durchführung des Verfahrens nicht ausreichend gewahrt, da die
gesetzlich gegebenen kurzen Fristen zur Beteiligung gemäß § 2 BauGB keine
ausreichende Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglichen. Darüber hinaus ist
die Informationsverbreitung über diese Art von möglicher Bürgerbeteiligung
bei weitem verbesserungswürdig.
Das Gebiet zwischen Rudower Straße und Semmelweisstraße von der Köpenicker
Straße bis zur Wegedornstraße hat sich in den letzten Jahren zu einem
Miteinander von Wohnen und Gewerbe entwickelt. Die lang brachliegenden
Flächen werden zur Bebauung mit Wohnungen genutzt, wie man in der
Semmelweisstraße als auch in der Pfarrförde erkennen kann. Es ist davon
auszugehen, dass sich dieser Prozess der Nutzung von brachliegenden Flächen
zur Wohnraumnutzung ausdehnen wird und somit auch den direkt benachbarten
Bereich der betreffenden Fläche bzw. sie selbst erreichen wird. Das Gebiet
wird nicht zuletzt durch die räumliche Nähe zum WISTA-Gelände als auch zum
zukünftigen Flughafen BER für Bauherren interessant. Diese Entwicklung wird
durch die Durchführung des Verfahrens eingeschränkt, in dem für Wohnungsbau
vorgesehene Flächen für die Bebauung von Gewerbe freigegeben werden sollen.
Wir sind der Auffassung, dass in diesem Fall das rein rechtliche Verfahren
nicht geeignet ist, um die Altglienicker ausreichend zu informieren und in
den Entscheidungsprozess einzubeziehen. Aufgrund des beschleunigten
Verfahrens wird die Entscheidung bereits vorliegen und die Baumaßnahmen
werden beginnen, bevor die Tragweite der Entscheidung jedem Beteiligten klar
ist.
Gerade die zukünftigen Bewohner der zurzeit im Bau befindlichen Wohnungen in
der Semmelweisstraße und der Pfarrförde haben keine Möglichkeit sich an
diesem Prozess zu beteiligen, obwohl sie durch die indirekte Nachbarschaft
vom Vorhaben wie auch von der durch das Vorhaben ausgelösten
Verkehrsentwicklung betroffen sind. Die Entscheidung, ob das momentane
Mischgebiet auch in Zukunft nicht mit Wohnungen, sondern mit Gewerbe bebaut
wird, sollte von den Altglienickern im Dialog mit den ansässigen
wirtschaftlichen Unternehmen getroffen werden und von den Bezirksverordneten
als Empfehlung für ihre dann zu treffende Entscheidung aufgefasst werden. Den
Entscheidungsprozess parallel zum laufenden, beschleunigten Verfahren
durchzuführen, bei dem das Verfahren und nicht der Bürger das Tempo bestimmt,
erscheint uns als politisch fragwürdig, da der Investor dadurch bereits
berechtigt ist, mit vorbereitenden Maßnahmen zur Umsetzung seines Vorhabens
zu beginnen. Der Platz für Wohnbebauung, der insbesondere in Altglienicke
durch Gewerbe- und Industriegebiete flankiert wird, wird immer geringer.
Daher lohnt es sich, sich für jede noch so kleine Fläche einzusetzen.
Frage 2) Was sind die Argumente der Piraten gegen die Expansionspläne des
Autohauses Zellmann in Altglienicke und gegen die Entstehung eines
Reifenlagers? Würde solch eine Entwicklung nicht auch zusätzliche
Arbeitsplätze und größeres Finanzvolumen für den Bezirk bedeuten?
Antwort zu 2)
Die Fraktion der Piraten Treptow-Köpenick hat grundsätzlich nichts gegen
Expansionspläne von Unternehmen einzuwenden. Wir lehnen lediglich die
Umwidmung des Bebauungsplanes vom Mischgebiet zum Gewerbegebiet ab. Unsere
bereits genannten Argumente der Würdigung der damals unter hoher Beteiligung
getroffenen Entscheidung, wie auch die direkte Einbeziehung der Altglienicker
in diese Entscheidung, sind allgemein gültig und würden auch jeden anderen
Investor betreffen, der durch Beantragung des Verfahrens das Ziel der
Umwidmung verfolgt.
Die Firma Zellman ist ein langjährig in Altglienicke ansässiges Unternehmen,
das sich aktiv im Gemeindeleben engagiert und die durch das Unternehmen
geschaffenen Ausbildungs- und Arbeitsplätze sind ein Gewinn für Altglienicke.
Diese wirtschaftlichen Argumente können jedoch nicht dazu führen, dass das
Unternehmen einen Sonderstatus erhält. Ebenso kann auch die Änderung der
Konkurrenzsituation des Unternehmens nicht Grundlage sein, Druck auf
Verordnete und Altglienicker auszuüben, um eine Zustimmung zum Vorhaben zu
forcieren. Das widerspricht dem bisherigen gelebten Miteinander von Wohnen
und Gewerbe in Altglienicke.
Darüber hinaus sind im Bezirk geeignete Flächen zur Bebauung vorhanden, auf
denen die Firma Zellmann ihr Vorhaben umsetzen könnte, man denke nur an die
Flächen am Großberliner Damm, die brachliegenden Flächen mit und ohne
Bebauung in Johannisthal und Schöneweide. Es ist wirtschaftlich
nachvollziehbar, dass das Unternehmen Zellmann dieses Vorhaben am Stammsitz
umsetzen möchte, aber dies wird nicht für jedes Unternehmen in jedem Fall
möglich sein. Hier sind die wirtschaftlichen Interessen mit den Interessen
der Altglienicker, insbesondere der Anwohner, abzuwägen.
Angesichts der in der direkten Umgebung weiterhin brachliegenden Flächen darf
die Frage erlaubt sein, ob das Argument der Expansion am Stammsitz zur
Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen inklusive Steuereinnahmen in
den nächsten Jahren wiederum auf den Tisch kommt. Nach unserer Überzeugung
lässt sich der Anspruch auf Wohnraum nicht mit dem Anspruch auf Arbeitsplätze
aufwiegen. Die Bebauung mit Wohnraum dient langfristig der Belebung des
Ortsteils in wirtschaftlicher und städtebaulicher Hinsicht. Gerade weil in
Altglienicke die Nachfrage im Einzelhandel auf niedrigem Niveau steht, wäre
den Fokus auf Wohnungsbau zu setzen nicht zum Nachteil des Bezirks.
Frage 3) Sind Sie insgesamt gegen die Ausweitung des motorisierten
Individualverkehrs?
Antwort zu 3)
Die Piratenpartei in Berlin ist für ein Miteinander der Verkehrsteilnehmer,
das schließt die Verbesserung und den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs
ein.
Den Ausbau des motorisierten Individualverkehrs sehen wir mit Skepsis und
plädieren für einen Ausgleich zugunsten der anderen Verkehrsteilnehmer, ob
nun für Fußgänger, für Radfahrer oder für den ÖPNV. Wir wollen neue Wege
gehen, treten für Projekte wie den gemeinschaftlich finanzierten und damit
fahrscheinlosen ÖPNV ein oder für die Erprobung von Shared-Space.
Charakteristisch dabei ist das Fehlen von Verkehrszeichen, Signalanlagen und
Fahrbahnmarkierungen sowie die Gleichberechtigung der Verkehrsteilnehmer –
einsetzbar in Kiezbereichen, Marktplätzen, kleinen Kreuzungen und bei
gemischtem Verkehr im begrenzten Volumen.
Die von den Piraten beabsichtigte Richtung in der Verkehrspolitik dient der
Vermeidung von Individualverkehr, wobei wir hier ausdrücklich auf
Freiwilligkeit setzen, auf ein Umdenken der Menschen in Berlin selbst. Wir
gehen nicht davon aus, dass durch Verbote die Verkehrsentwicklung in eine
positive Richtung gelenkt werden kann, sondern setzen auch hier mittelfristig
auf eine frühzeitige und verbindlichere Einbindung der Berliner bei der
Verkehrsplanung.
Frage 4) Wie wird nach der zustimmenden Entscheidung der BVV von gestern
jetzt verfahren? Kann Zellmann unverzüglich mit der Bebauung loslegen? Welche
planungsrechtlichen Grundlagen müssen geschaffen werden?
Antwort zu 4)
Das Verfahren zur Erstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes wird von
der Abteilung für Bauen, Stadtentwicklung und Umwelt des Bezirksamtes
fortgeführt und das Vorhaben der Firma Zellmann nach behördlichen Maßnahmen
entsprechend § 12 BauGB geprüft. In Verbindung mit § 13a BauGB wird der
vorhabenbezogene Bebauungsplan X-19-1 VE ohne Umweltprüfung aufgestellt.
Dieser wird abschließend bei der Bezirksverordnetenversammlung als Vorlage
zur Beschlussfassung eingereicht. Abhängig von den Entscheidungen der
Abteilungen des Bezirksamtes können vorbereitende Maßnahmen auch bereits
vorher begonnen werden. Bei Annahme der Vorlage zur Beschlussfassung seitens
der Bezirksverordnetenversammlung kann die Baufertigstellung und
Inbetriebnahme erfolgen.
Frage 5) Wann wird sich die BVV Treptow-Köpenick wieder mit dem Problem
beschäftigen?
Antwort zu 5)
Die Bezirksverordnetenversammlung Treptow Köpenick wird sich spätestens mit
der Einrichtung der Vorlage zur Beschlussfassung über den vorhabenbezogenen
Bebauungsplan in der BVV- Sitzung offiziell mit dem Sachverhalt beschäftigen.
Es ist davon auszugehen, dass diese Vorlage vor Abstimmung in der
Bezirksverordnetenversammlung im Ausschuss für Stadtentwicklung und Tiefbau
mit dem Ziel einer Beschlussempfehlung diskutiert wird.
Unabhängig davon, ist davon auszugehen, dass uns Verordnete das Thema, anhand
von mündlichen Anfragen von Verordneten oder Anträgen der jeweiligen
Fraktionen, auch auf der nächsten Bezirksverordnetenversammlung, am
14.06.2012, beschäftigen wird. Der Sachverhalt an sich wird die BVV in
Treptow-Köpenick auch mittelfristig weiter beschäftigen, wenn über die
Bebauung der angrenzenden Grundstücke Fragen oder möglicherweise weitere
Verfahren zutage treten.
Frage 6) Wie werden die Piraten jetzt weiter vorgehen? Gibt es noch
Spielraum, um die Erweiterung des Autohauses in Altglienicke doch noch zu
verhindern?
Antwort zu 6)
Zunächst werden wir uns kundig machen, inwieweit das jetzt weiter laufende
Verfahren für die Bürger und Anwohner transparent und nachvollziehbar
gestaltet werden kann. Welche rechtlichen und parlamentarischen Möglichkeiten
bestehen, um die Informationen aus dem Verfahren möglichst kurzfristig und
weit verbreiten zu können. Innerhalb der Veranstaltung "Runder Tisch
Altglienicke" im FamilienBegegnungszentrum Altglienicke des Vereins Offensiv
’91 e.V., Köpenicker Straße 42, 12524 Berlin, am 15.06.2012, um 17:00 Uhr
werden wir mit den Bürgern in Dialog treten und uns dafür einsetzen, ihre
Fragen, Anliegen und Vorschläge in den Prozess einfließen zu lassen.
Abschließend wird darüber in der BVV entschieden, wenn der vorhabenbezogene
Bebauungsplan eingereicht und abgestimmt werden soll.
Wir möchten betonen, dass es uns nicht um die Verhinderung der Erweiterung
eines wirtschaftlichen Unternehmens geht, sondern um die in unseren Augen
nicht ausreichend beachtete Entscheidung, die zur Aufstellung des bestehenden
Bebauungsplanes XV-19 geführt hat. Eine frühzeitigere Unterrichtung der
Altglienicker und Durchführung einer Informationsveranstaltung im
betreffenden Gebiet vor Beginn der offiziellen Bürgerbeteiligung gemäß § 3
BauGB Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes
(https://www.berlin.de/ba-treptow-koepenick/organisationseinheiten/stadtplverm/beteiligung_xv-19-1ve.html
), vom 23.04. bis zum 11.05.2012, wäre für das Bezirksamt möglich gewesen,
das den entsprechenden Beschluss bereits am 27.03.2012 getroffen hat. Diese
Informationsveranstaltung hätte zur besseren Verbreitung der Information über
das Verfahren wie auch zu einem frühzeitigen Dialog zwischen dem Unternehmen
Zellmann, den Bürgern sowie den Bezirksverordneten und dem Bezirksamt
geführt.
Grüße,
Corny
pirat_c AT online.de
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- [Crew-Hauptmann-von-Koepenick] Anfrage Auto Zellmann, Corny, 01.06.2012
- Re: [Crew-Hauptmann-von-Koepenick] Anfrage Auto Zellmann, Michael Böttcher, 02.06.2012
- Re: [Crew-Hauptmann-von-Koepenick] Anfrage Auto Zellmann, Corny, 02.06.2012
- Re: [Crew-Hauptmann-von-Koepenick] Anfrage Auto Zellmann, Michael Böttcher, 02.06.2012
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