ag-umwelt AT lists.piratenpartei.de
Betreff: Ag-umwelt mailing list
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- From: <klaus.oellerer AT oellerer.net>
- To: <ag-umwelt AT lists.piratenpartei.de>
- Subject: Re: [Ag-umwelt] Wir werden einen Kollaps erleben... Energie
- Date: Mon, 4 Jun 2012 06:50:58 +0200
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-umwelt>
- List-id: <ag-umwelt.lists.piratenpartei.de>
Hallo Johannes, ist Dir dieser Artikel bei Spiegel Online zu der Konferenz bekannt?
Endliche Ölreserven Apokalypse irgendwann Wie lange reicht das Öl? In Wien trafen sich Weltuntergangspropheten, um über das nahende Ende der Vorräte zu spekulieren. Doch die Wirklichkeit ist deutlich komplizierter als die Theorien der "Peakniks".
Der Artikel macht sich über die Konferenz lustig und zitiert dabei auch Meadows:
Bis dann Klaus
Klaus Öllerer www.KlimaNotizen.de
-----Ursprüngliche Nachricht-----
Am Tue, 15 May 2012 13:17:41 +0200 schrieb <klaus.oellerer AT oellerer.net>:
> Meine Frage: gilt dies auch für fossile Energien? > Dann hätte ich gravierende Einwände: > 1. Energie > Seit langem ist bekannt, dass die fossilen Energien noch Jahrhunderte > reichen, selbst wenn alle so leben würden wie wir.
Das ist keinesfalls so. Die wichtigste Primärenergiequelle ist Erdöl und das Maximum der konventionellen Ölförderung wurde wahrscheinlich 2006 erreicht. In diesem Punkt stimmen mittlerweile ASPO, IEA (Internationale Energieagentur) und selbst die die BGR (Bundesanastalt für Geowissenschaften und Rohstoffe) weitgehend überein. Das nicht konventionelle Erdöl wird wahrscheinlich in wenigen Jahren folgen. Dann wird sich die wachsende Schere zwischen Ölangebot und -Bedarf aus der stagnierenden Förderung und dem Wachstum der Schwellenländer ergibt, vermutlich schnell weiter öffnen.
Eine Konsequenz übrigens, die man mit einem Blick in Google News schnell überprüfen kann, sind massive Schließungen von Raffinerien in den USA und anderen OECD Ländern. Die Spritproduktion verlagert sich Richtung Asien.
Ich war die letzten Tage auf der Konferenz der ASPO (Association for the Study of Peak Oil and Gas) in Wien (*) und werde noch einen genaueren Bericht mit Quellenangaben nachschicken. Hab selbst mit jemandem von der BGR gesprochen.
> Dabei war bisher > immer die Kohle hervorzuheben.
Bei der Kohle wird oft eine statische Reichweite von 200 Jahren angegeben. Die Forschungsgruppe von Professor Kjell Aleklett in Uppsala hat jedoch die weltweite Kohleförderung analysiert und ist zu dem Schluss gekommen, dass auch diese etwa ab 2030 zurück gehen wird. Daraus folgt auch, dass Kohleverflüssigung das aus dem Rückgang der Ölproduktion erwachsende Treibstoffproblem nicht lösen wird, da aus einer metrischen Tonne Kohle nur rund ein Barrel Öl produziert werden kann - Kohle kann also nur einen kleinen Anteil, vielleicht 10%, des Erdöls ersetzen. Und selbst dies wäre nur mit einer Aufgabe jeglicher Klimaschutzziele zu erkaufen.
> Inzwischen sind durch den > Erfindungsreichtum der Menschen in großen Mengen weitere Vorkommen > erschlossen worden (Shale Gas)
Shale Gas erlebt einen kleinen Boom in den USA, kann aber Erdöl mengenmäßig nicht nennenswert ersetzen. Es ist auch sehr aufwendig zu fördern mit zahllosen Bohrungen, die sich sehr schnell erschöpfen, massivem Einsatz von grundwasserschädigenden Chemikalien (Fracking) und mit einem sehr schlechtem Quotienten von eingesetzter zu gewonnener nutzbarer Energie. Ähnliches gilt für Ölsande.
> ....oder werden noch erschlossen > (Methaneis, etc.).
Das ist Wunschdenken und es existiert dazu noch keine industriell anwendbare Technologie. Dazu kommt, dass die Datenbasis zu Methaneis bloß auf unsicheren Messungen beruht und daher keineswegs solide ist.
> Die USA können damit rechnen Gas-Exporteur zu > werden.
Auch das ist nach den Analysen von Aleklett & Co Wunschdenken. Nicht einmal das aus Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko geförderte Öl, das einen weit höheren Anteil am US-amerikanischen Ölkonsum ausmacht, reicht weiter als den laufenden Rückgang aus der konventionellen Förderung der USA zu ersetzen.
> > 2. Alles Andere > Im ersten Ansatz dürfte die These richtig sein, dass, wenn genug > Energie vorhanden ist man auch alles andere (Lebensmittel, etc.) > selbst unter den widrigsten Umständen erzeugen kann (üppige > Nahrungsmittelproduktion am Polarkreis oder in der Wüste > beispielsweise).
Das stimmt nicht ganz. Landwirtschaft ohne Wasser und Boden oder wenigstens nährende Mineralien wie Phosphat zum Beispiel geht nicht. Aber der Umkehrschluss der obigen falschen Aussage stimmt: Ohne billige Energie dürfte in unserer Industriegesellschaft sehr wenig laufen wie gehabt. Sie ist der unsichtbare Produktionsfaktor in nahezu allem was sich bewegt. Und Öl steckt in jeder Zahnbürste, jeder Packung Corn Flakes und jedem Glas Trinkwasser drin.
Wie gesagt schreibe ich noch eine Zusammenfassung zum ASPO Meeting mit Quellenangaben.... ich wollte nur an der Stelle keine eindeutig falschen Behauptungen stehen lassen.
Johannes
(*) http://www.aspo2012.at/program/ ----- eMail ist virenfrei. Von AVG überprüft - www.avg.de Version: 10.0.1424 / Virendatenbank: 2425/5042 - Ausgabedatum: 03.06.2012 |
- Re: [Ag-umwelt] Wir werden einen Kollaps erleben... Energie, Johannes Nix, 04.06.2012
- Re: [Ag-umwelt] Wir werden einen Kollaps erleben... Energie, klaus.oellerer, 04.06.2012
- Re: [Ag-umwelt] Wir werden einen Kollaps erleben... Energie, Birgit Kociper, 04.06.2012
- Re: [Ag-umwelt] Wir werden einen Kollaps erleben... Energie, Dr. Volker Jaenisch, 04.06.2012
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- Re: [Ag-umwelt] Wir werden einen Kollaps erleben... Energie, Birgit Kociper, 04.06.2012
- Re: [Ag-umwelt] Wir werden einen Kollaps erleben... Energie, klaus.oellerer, 04.06.2012
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