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ag-liquid-democracy - Re: [AG Liquid Democracy] Weg aus dem Nachvollziebar-Geheim-Dilemma?

ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Liquid Democracy in der Piratenpartei

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Re: [AG Liquid Democracy] Weg aus dem Nachvollziebar-Geheim-Dilemma?


Chronologisch Thread 
  • From: Der Moonopool <the.moonopool AT googlemail.com>
  • To: Liquid Democracy in der Piratenpartei <ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de>
  • Subject: Re: [AG Liquid Democracy] Weg aus dem Nachvollziebar-Geheim-Dilemma?
  • Date: Mon, 7 Oct 2013 09:15:15 +0200
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-liquid-democracy>
  • List-id: Liquid Democracy in der Piratenpartei <ag-liquid-democracy.lists.piratenpartei.de>




Am 4. Oktober 2013 15:11 schrieb Jacob Kanev <j_kanev AT arcor.de>:

 

soweit ich sehen kann, sind online-Wahlen entweder nachvollziebar, oder geheim, aber beides geht nicht (korrigiert mich bitte, wenn ich mich irre).


Hallo Jacob,

diese Aussage wird gerne kolportiert. Oftmals unter Bemühung des Wahlcomputer-Mems. Bei Nachfrage kommt gern ein Bezug auf den "Nedap-Report" des CCC aus 2007 [1]. Dieser bezieht sich jedoch auf eine bestimmte technische Einrichtung [2], deren Eignung als Medium für eine Stimmabgabe bei einer halbwegs ernsthaften Abstimmung aufgrund verschiedenster Eigenschaften leicht in der Luft zerrissen werden kann. Und das hat das BVerfG dann 2009 auch getan ha [3].

Allerdings beziehen sich die aktuell in der Piratenpartei diskutierten Verfahren in der Regel weder auf geheime Wahlen (also geheime Abstimmungen zu Personen) noch haben diese Verfahren irgend eine Eigenschaft der NEDAP Wahlmaschinen. Deher wird die Verwendung des Mems "Wahlcomputer" in ernsthaften Diskussionen zu Thema i.d.R. abgelehnt und die undifferenzierte Aussage oben nicht gemacht.

Es ist allerdings ziemlich klar, dass geheime Abstimmungen ausschließlich unter Verwendung des Internets nicht möglich sind, weil die Kommunikationspartner sich so nicht sicher identifizieren lassen. Nimmt man jedoch eine offline-Komponente zu einer Art "Schlüsseltausch" zur Hilfe, so können viele Probleme umgangen werden. Entsprechende Verfahren sind vorgeschlagen [3] und m.K.n. bisher nicht widerlegt worden.

Eine andere Frage ist jedoch, ob wir in der Piratenpartei geheime online-Abstimmungen wollen. Denn die in Frage kommenden Verfahren sind nicht wirklich einfach im Sinne von "nur mit gesundem Menschenverstand bis auf den Grund durchschaubar", da in der Regel Verfahren wie asymmetrische Verschlüsslung oder Falltür-Verhashung angewandt werden. Und es lauert (mangels Wahlkabine) immer das Problem, dass wenn ich sehe, wie ich gestimmt habe, mich auch jemand anders erpressen kann, in einer bestimmten Weise zu stimmen. Dies ist allerdings ein Problem, was auch einem Verfahren mit komplett offener Stimmabgabe innewohnen würde (wenn wir schon bei Memen sind: "Klarnamens-Liquid" ;)

Zusammenfassend: "Geheim" und "nachvollziehbar" geht, aber nicht mit "nicht erpressbar". "Geheim" und "nicht erpressbar" get, aber nicht mit "von mir nachvollziehbar". Und so weiter. Und "einfach" ist alles nicht. Übrigens müsste man das "nachvollziehbar" nochmal genauer erklären: Genau was soll für genau wen nachvollziehbar sein usw.

Es bleibt also kompliziert. Deswegen denke ich, dass es mehr eine Frage des (politischen) Willens ist, was man über das Internet machen will und wie. Und darüber werden wir in Bremen abstimmen. Ich bin gespannt auf das Ergebnis.

[1] http://www.ccc.de/system/uploads/3/original/nedapReport54-1.pdf
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Nedap
[3] http://wiki.piratenpartei.de/AG_Liquid_Democracy/Dunkelzahns_Urne

Lieben Gruß,
Dirk
@moonopool




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