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ag-liquid-democracy - Re: [AG Liquid Democracy] Wie findet man Experten zu einem Thema?

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Betreff: Liquid Democracy in der Piratenpartei

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Re: [AG Liquid Democracy] Wie findet man Experten zu einem Thema?


Chronologisch Thread 
  • From: DominikTh <DominikTh AT news.piratenpartei.de>
  • To: ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: Re: [AG Liquid Democracy] Wie findet man Experten zu einem Thema?
  • Date: Fri, 01 Jun 2012 16:24:49 +0000
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-liquid-democracy>
  • List-id: Liquid Democracy in der Piratenpartei <ag-liquid-democracy.lists.piratenpartei.de>
  • Organization: Newsserver der Piratenpartei Deutschland - Infos siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Syncom/Newsserver


Schnittmenge schrieb:
Ich frage mich, was ein Experte innerhalb des Entscheidungssystem überhaupt sein soll?

Zwei Experten können zum selben Thema zu zwei gegensätzlichen Ergebnisse kommen, obwohl beide gute Reputation genießen. (Beispiel die beiden gegensätzlichen psychologischen Gutachten zur Straffähigkeit von Breivik)

Im Entscheidungssystem geht es darum, WIE jemand mit meiner Delegation entscheidet, womit mir die Absichtserklärung derjenigen, die sich um meine Delegation bemühen, die wichtigste Grundlage zur Bewertung meiner Stimmenübertragung darstellt. *Deshalb halte ich einen "Wahlkampf" derjenigen, die Delegationen sammeln wollen, für sinnvoll. *

Inhaltlich soll im Diskussionssystem gearbeitet werden. Dort soll nur der Inhalt zählen und falsche Argumente dürfen durch die gute Reputation einer Person nicht "richtiger" werden. WAS für Argumente es zu einem Thema gibt, weiß der Schwarm besser als ein einzelner Experte.

Kurzfassung:
Im *Diskussionssystem* geht es um Inhalte. Die Diskussionen sollten auf gleicher Augenhöhe stattfinden, da nur die Richtigkeit der Argumente zählen sollten.
Im *Entscheidungssystem* geht es um die Verteilung von Macht. Liquid Democracy verteilt themenorientiert Entscheidungsmacht.

Im Diskussionssystem diskutieren Personen zu einem Thema, die genügend Zeit mitbringen zu diskutieren und sich einzulesen/denken und teils auch Vorwissen und Erfahrung mitbringen. Diese Personen kommen dann zu ein oder mehreren Standpunkten, die sich auch widersprechen können. Eventuell entsteht eine Initiative im Liquid. Nun sollen hier Leute über die Initiative entscheiden die nicht an der Diskussion teilgenommen haben, denn es können ja nicht alle Diskussionen von allen gleichzeitig durchgeführt werden, aber ein Parteibeschluss sollte von allen (oder einer Mehrheit) mitgetragen werden. Vor allem wenn es konkurierende Standpunkte gibt und man sich entscheiden muss.
Wenn man nun nicht mitdiskutiert hat möchte man eventuell deligieren. Man sollte aber an jemanden deligieren der entweder mitdiskutiert hat, oder sein Wissen und seine Meinung über das Thema woanders her hat (zum Beispiel aus einer anderen Diskussionsrunde beruflicher Erfahrung, Forschung...)
Es geht im Entscheidungssystem zwar vor allem darum, WIE jemand entscheidet, also welche politische Grundeinstellung, welches Welt- und Menschenbild und welche soziale Interessen (ein Manager hat z.B. andere Interessen als ein Student) jemand hat. Aber eine Entscheidung die meinen Interessen entspricht kann ein Delegierter von mir auch nur treffen, wenn er sich in dem Thema entsprechend auskennt!

Deshalb brauche ich eine Hilfestellung solche Leute zu finden. Ein reiner "Wahlkampf" hilft mir dabei leider nicht, da ein Wahlkampf eine Selbstdarstellung ist.

Zu den Experten die sich widersprechen: Hier muss man ja zwischen zwei Fällen unterscheiden.
Fall 1:
ob einer der "Experten" (um "Experte" genannt zu werden genügt ja meist schon ein Doktortitel in einem ähnlich klingenden Fach) für die gesamte Expertencommunity (zum Beispiel ein Wissenschaftliches Fachgebiet) spricht und der andere nur für sich selbst.
Fall 2: Wenn es ein Thema ist, das in der Expertencommunity umstritten ist. Also beide Experten von der Community legitimiert sind.

Im ersten Fall würde ich den "Experten" nicht als Experten im eigentlichen Sinn bezeichnen, da es aus meiner Sicht ja eher eine Wissenschaft an sich ist, die gesicherte Ergebnisse hervorbringt, als einzelne Lichtgestalten, da das Anerkennen von Wissen ein sozialer Prozess ist und nicht die Leistung eines einzelnen. Deshalb kann man von Expertenwissen im eigentlichen Sinne meiner Meinung nach nur sprechen, wenn es Wissen ist, das von einer Community einigermaßen anerkannt ist.
(Einsteins Relativitätstheorie ist ja auch nicht deshalb so toll weil Einstein sie erdacht hat, sondern weil sie wiederholt experimentell bestätigt wurde mit von der Community anerkannten Falsifizierungsmethoden)

-Ein Experte im Entscheidungssystem ist eine von der Community anerkannte Person.
-Eine Community in einem bestimmten Bereich kann dann Experten legitimieren, wenn sie wiederum von der Gesellschaft anerkannt ist.
-Im Entscheidungssystem soll man sich für Themen in denen man sich nicht selber auskennt möglich an jemanden deligieren der
ersten ein von der entsprechenden Community anerkannter Experte ist und zweitens mein eigenes Welt- und Menschenbild sowie meine politische Einstellung teilt.

Kurz:
->Im *Diskussionssystem* soll eine Initiative vorbereitet und Expertise und Expertenmeinung geformt werden.
->Im *Entscheidungssystem* sollen Nicht-Experten (also Leute die sich nicht mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt haben) aus den Experten die Personen auswählen die ihrem Welt/Menschen/Politikverständnis am meisten entsprechen
->Legitimiert werden die Experten durch eine von der ganzen Gesellschaft (Partei) legitimierte *Community*




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