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nrw-duisburg - [NRW-Duisburg] Pressemitteilung der Piratenpartei Duisburg: FOC - Wenn das Rathaus die eigene City ruiniert

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Betreff: Infos für Duisburger Piraten

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[NRW-Duisburg] Pressemitteilung der Piratenpartei Duisburg: FOC - Wenn das Rathaus die eigene City ruiniert


Chronologisch Thread 
  • From: Piratenpartei Kreisverband Duisburg - Pressemitteilung <duisburg AT piratenpartei-nrw.de>
  • To: NRW-Duisburg AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: [NRW-Duisburg] Pressemitteilung der Piratenpartei Duisburg: FOC - Wenn das Rathaus die eigene City ruiniert
  • Date: Wed, 01 Oct 2014 10:08:18 +0200
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/nrw-duisburg>
  • List-id: Infos für Duisburger Piraten <nrw-duisburg.lists.piratenpartei.de>

Der Rat der Stadt Duisburg hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, am
Factory Outlet Center (FOC) und dem umstrittenen Investor Douvil
festzuhalten. Diese Entscheidung fiel mit der Stimmenmehrheit von SPD, CDU,
FDP und Junges Duisburg/DAL.

Das Ergebnis kann niemanden überraschen. Bereits im Vorfeld wurde über die
Presse verbreitet, dass auf jedem Fall an Douvil und dem FOC festgehalten
wird. Auch der politische Beirat zum FOC wurde bereits am Nachmittag noch vor
der entscheidenden Abstimmung gewählt.

Ratsfrau Britta Söntgerath (PIRATEN) versuchte noch gemeinsam mit ihren
Fraktionspartnern von SGU und BL zu erreichen, dass bei der Abstimmung ein
geheimes Votum durchgeführt wird.

"Wir glauben immer noch, dass etliche Ratsmitglieder aus den pro
FOC-Fraktionen das Projekt insgeheim nicht mehr unterstützen wollen. Das
geheime Votum hätte ihnen Gelegenheit gegeben, ihrer persönlichen Überzeugung
zu folgen. Unser Vorschlag wurde leider abgelehnt. Zudem erfolgte die
Abstimmung im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung. Wie sollen die Menschen in
Duisburg da noch Vertrauen zu ihren Vertretern im Rathaus aufbauen?"

Das trotz der bekannten Probleme und gegen den erbitterten Widerstand aus der
Bürgerschaft noch immer mit einem FOC geplant wird, ist aus Sicht von
Ratsfrau Söntgerath nicht mehr nachvollziehbar. Um sich aus erster Hand über
mögliche Auswirkungen des FOC zu informieren, hatte die Fraktion PIRATEN
Soziale Liberale (PSL) am 23. September Walter Brune [1] zu einer Fragestunde
ins Rathaus eingeladen. Der international bekannte Architekt und Stadtplaner
kennt die Entwicklungsgeschichte der Kaufhäuser und Einkaufszentren in
Deutschland wie kein Anderer. Er hat zahllose Bauprojekte für den
Einzelhandel realisiert, auch große Einkaufszentren wie zum Beispiel das
Rhein-Ruhr-Zentrum in Mülheim an der Ruhr. Er kennt die Auswirkungen solcher
Center auf das Wirtschaftsleben an den jeweiligen Standorten.

Walter Brune lehnt Outlet Center wie das in Marxloh geplante kategorisch ab.
Nach seiner Ansicht entfalten sie eine enorme Zerstörungskraft auf die
umliegende Einzelhandelsstruktur. Das Konzept dieser FOC besteht darin, über
sehr niedrige Preise für angeblich hochwertige Markenware massiv Kaufkraft
aus dem Umland zu binden. Diese Waren tragen zwar die Label bekannter Marken,
werden jedoch speziell für solche Outlet Center in den bekannten
Billiglohnländern wie Pakistan oder Bangladesch produziert.

Mit dieser Produktpolitik werden nicht nur Nebenzentren wie Hamborn oder
Marxloh beeinträchtigt. Auch gewachsene und akzeptierte Einzelhandelszentren
wie die Duisburger Innenstadt werden damit angegriffen. Aufgrund ihres
Handelskonzepts mit kleinteiliger Fläche und personalintensiverem Service
können die Einzelhändler in der Innenstadt den Kampfpreisen eines FOC nichts
entgegensetzen. Am Ende bleibt eine trostlose Innenstadt mit extremen
Leerständen und ein enormer Verlust an Lebensqualität für die Stadtbewohner.
Ist dieser Zustand erst einmal erreicht, gibt es keinen Weg zurück.

Walter Brune kritisierte auch sehr scharf den Umgang mit den Bewohnern der
Zinkhüttensiedlung. Dieses Quartier, zwischen 1957 und 1963 vom Architekten
Max Taut errichtet, gilt bis heute als ein Musterbeispiel für den sozialen
Wohnungsbau. Das diese funktionierende Siedlung für den Parkplatz des
geplanten FOC weichen soll, bezeichnet Walter Brune als unverzeihliche
Schande.

In seiner aktuellen Streitschrift [2] zitiert Walter Brune auch aus einem
Dokument, das bereits im Juni 2010 veröffentlicht wurde. Es stammt vom Büro
Junker + Kruse, Stadtforschung und Planung, in Dortmund. Das Büro hatte eine
Bewertung [3] der vorliegenden Gutachten und Analysen erstellt, auf denen die
Planungen zum FOC basieren. Auftraggeber für das Büro waren damals die
Niederrheinischen Industrie- und Handelskammern Duisburg - Wesel - Kleve zu
Duisburg.

Das Ergebnis dieser Bewertung ist vernichtend. Die Gutachter zum FOC haben
sich nicht an die anerkannten Analysestandards gehalten. Zahlenwerke wurden
teilweise mit fiktiven Werten unterfüttert. Geografische sowie strukturelle
Eigenheiten des geplanten Standortes, die ein FOC an dieser Stelle im Prinzip
ausschließen, sind mangelhaft oder gar nicht berücksichtigt worden. Das
Dortmunder Büro warnt in seiner Bewertung ausdrücklich davor, neben der
Duisburger City über das FOC im Norden ein zweites Hauptzentrum zu
installieren. Damit würde Duisburg (Zitat) "... einen in Deutschland
einmaligen Weg gehen, vor dem sich heute jede Stadt hütet."

Wird das FOC wie geplant in Marxloh realisiert, wird es vom Investor Douvil
spätestens nach drei Jahren mit einem satten Millionengewinn wieder verkauft.
Für gewöhnlich gehen solche Outlet Center dann an einen Investmentfond, der
ein Anlageobjekt für seine Mitglieder sucht. Da die Anleger auf Rendite
bestehen, wird zwangsläufig jede Möglichkeit genutzt, die Verkaufsfläche
nachträglich weiter auszubauen.

Der Verlierer in diesem Spiel ist die Stadt Duisburg. Sie darf sich mit den
Folgen herumschlagen, wenn das FOC die Kaufkraft aus der Innenstadt und den
Nebenzentren abgezogen hat. Das CentrO und das Schicksal der Marktstraße in
der Oberhausener Innenstadt sollten als Mahnung reichen. Wer jetzt noch an
einem FOC im Duisburger Norden festhält, kann unmöglich das Wohl der Stadt
und ihrer Bürger im Sinn haben.

Quellen:

[1] Walter Brune in der Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Brune

[2] Factory Outlet Center - Ein neuer Angriff auf die City
http://www.iz-shop.de/buch-9803/factory-outlet-center

[3] Ansiedlung eines FOCs in Duisburg-Marxloh - Fachliche Bewertung
vorliegender Gutachten
http://www.ihk-niederrhein.de/downloads/ihk/FOC-Duisburg-Marxloh_Gutachten_Junker_und_Kruse.pdf


Verantwortlich für diese Pressemitteilung:

Armin Wittrin
Pressesprecher
Piratenpartei Duisburg
Mobil: 0157-82254129
armin.wittrin AT piratenpartei-duisburg.de

Über die Piratenpartei Deutschland:

Die Piratenpartei Deutschland (PIRATEN) wurde am 10. September 2006 in Berlin
gegründet und ist mit über 30.000 Mitgliedern die größte der nicht im
Bundestag vertretenen Parteien.




  • [NRW-Duisburg] Pressemitteilung der Piratenpartei Duisburg: FOC - Wenn das Rathaus die eigene City ruiniert, Piratenpartei Kreisverband Duisburg - Pressemitteilung, 01.10.2014

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