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nrw-ak-soziales - [NRW-AK-Soziales] BGE-Diskussion abgeleitet aus Kochtopfdemo

nrw-ak-soziales AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Nrw-ak-soziales mailing list

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[NRW-AK-Soziales] BGE-Diskussion abgeleitet aus Kochtopfdemo


Chronologisch Thread 
  • From: Fizz <sven AT sladek.de>
  • To: Nrw Mailingliste <nordrhein-westfalen AT lists.piratenpartei.de>, AG Bedingungsloses Grundeinkommen <ag-bedingungsloses-grundeinkommen AT lists.piratenpartei.de>, mailing AK <nrw-ak-soziales AT lists.piratenpartei.de>
  • Subject: [NRW-AK-Soziales] BGE-Diskussion abgeleitet aus Kochtopfdemo
  • Date: Thu, 24 Jun 2010 23:57:11 +0200
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/nrw-ak-soziales>
  • List-id: <nrw-ak-soziales.lists.piratenpartei.de>

Hiho,

Am 24. Juni 2010 14:33 schrieb Hilmar Benecke <pirathilmar AT arcor.de>:
>Falls Weiterführung gewünscht, dann schlage ich vor unter anderem
>Thread-Namen!

ich bin mal so sportlich Hilmar's Einladung anzunehmen ;-)

>> Aber genau darum geht es doch? Exakt das steht uns doch bevor, wenn
>> wir diesen Trend nicht stoppen? Wie lange kann man den schwächsten
>> Teil der Bevölkerung noch mit Fernsehen beruhigen, bevor er aufsteht
>> und auf die eine oder andere Weise für seine Rechte zu kämpfen bereit
>> ist? Ich persönlich glaube, wir sind längst mittendrin im beginnenden
>> Klassenkampf und eröffnet hat ihn ausgerechnet rot-grün.
>
> Diese Befürchtung teile ich!

Dazu nur kurz einen Wikipedia-Link:
<http://de.wikipedia.org/wiki/Tittytainment>

Aber primär geht's ja hier weiter...

>> Ich kann mich deiner Argumentation nicht verschließen, auch deine
>> Schilderungen beschreiben einen Teil des Prozesses, aber, wenn der
>> Reallohn sinkt, bei steigenden Gewinnen, wenn ein arbeitsloser in den
>> meisten Fällen nur noch einen schlechter bezahlten job bekommen kann,
>> wenn Entlassungen den Gewinnen und nicht dem Fortbestand des
>> Unternehmens geschuldet sind, dann hat doch eine Umverteilung bereits
>> stattgefunden?
>
> Stimmt! Dieser Aspekt der Umverteilung ist aber ein rein wirtschaftlicher
> und kein politischer. Will sagen: Um daran etwas zu ändern, müsste Politik
> in die Unternehmensführung eingreifen. Möchtest Du das? Falls ja, bei allen
> Unternehmen oder nur bei den besonders "gesellschaftsschädigenden"
> (Banken?!?)?

Diese Aussage halten wir mal gut fest...

> Hier wird m.E. auch unser Dissens beim BGE deutlich. Das BGE nimmt auch dem
> letzten Unternehmer mögliche moralische Skrupel, Arbeitnehmer zur
> Gewinnmaximierung zu entlassen. Es gibt ja das BGE. Zusätzliche
> Beschäftigung ist ja jetzt "nur noch Luxus". Lass und jetzt bitte nicht
> über die Höhe des BGE und den daraus folgenden Lebensstil diskutieren.
> Was ich zum Ausdruck bringen will: Eine mögliche "gefühlte soziale
> Überversorgung" des Staates führt als Gegenreaktion auf eine besonders auf
> ökonomische Fakten ausgerichtete Gegenreaktion der
> Wirtschaftsmarkt-Teilnehmer. Wenn der Staat fürs Gewissen zuständig ist,
> kann sich der Markt ja um seinen Profit kümmern. Die Konsequenz dieser
> Denke können wir doch seit Jahren beobachten. Es sollte einem doch zu
> denken geben, dass bei nahezu allen skandinavischen Ländern nach der
> Rückführung ihres überdimensionierten Sozialstaates die
> gesamtgesellschaftliche Verantwortungsbereitschaft eher zu und nicht
> abgenommen hat. (oder hat jemand anderslautende Informationen?)

...denn genau hier kommen wir wieder dahin zurück. Diese
gesellschaftliche Verantwortung, die du hier von den Unternehmern
einforderst, ist nichts anderes als ein Eingriff in die
Unternehmensführung mit dem Umweg über das Gewissen - kurz gesagt, es
geht um Erwachsenenerziehung, eine Geschichte bei der ich schon mit
Verkehrspolizisten und Vorgesetzten aneinandergerasselt bin. Auch das
ist schlichtweg der falsche Ansatz, wir sollten doch anhand unserer
freiheitlichen Grundmeinung eher dazu tendieren zu sagen "Jeder soll
so Leben wie er möchte, solange er niemand anderem damit schadet".
Dieses "ins Gewissen reden" hat für mich einen fahlen Beigeschmack,
den ich nicht schätze. Denn warum wird der Unternehmer denn überhaupt
erwägen den Arbeitnehmer zu entlassen? Doch nur weil er ihn nicht
braucht oder weil er schlußendlich nach einer gewissen Zeit
feststellen muss, das der Arbeitnehmer nix taugt und er sich lieber
einen anderen sucht. Ich finde das durchaus legitim. Und das ist es
auch was du unter ökonomischen Fakten beschreibst - ja, natürlich! Und
deine Schlussfolgerung das wir seit Jahren genau diese, ich nenns
jetzt mal "Verrohung" der Gesellschaft bzw. ausbreiten der Ellebogen
feststellen liegt meiner Meinung nach nicht daran, das unser
Sozialsystem derzeit so total super ist, es liegt daran das es
mittlerweile so beschissen geworden ist. Wer glaubt das Hartz IV
besser ist als die alte Sozialhilfe der steht imho ein wenig
ausserhalb dieser Realitäten, es IST nicht besser geworden, ganz im
Gegenteil. Nicht umsonst ist mittlerweile die Rede von
Verfolgungsbetreuung
<http://de.wikipedia.org/wiki/Verfolgungsbetreuung>

tbc...

> Das siehst Du doch im Kleinen an Dir selbst: Zahlst Du lieber
> Kirchensteuern (die dann für weiß Gott ;-) was verwandt werden) oder
> bestimmst Du lieber selbst, welchen Teil Deines Geldes Du für welche
> karitative Einrichtung spendest? Je mehr man den Eindruck hat, der Staat
> kümmert sich schon, desto mehr wächst auf der anderen Seite das Gefühl,
> dann kann ich mich ja mit gutem Gewissen um mich selbst kümmern. Daher
> lautet meine Antwort auf die Umverteilungsdebatten: Intensive und kreative
> Förderung von ehrenamtlichem Engagement. Wir müssen den Leuten sagen, wenn
> ihr Euch nicht selbst um Ungerechtigkeiten und gesellschaftliche Missstände
> kümmert (und zwar dort, wofür euer Herz schägt), dann müsst ihr Not
> sehenden Auges ertragen. Und dieses ehrenamtliche Engagement muss dann
> demonstrativ und fühlbar gefördert werden, damit der Staat ein klares
> Zeichen setzt, dass diese Art von Gemeinschaftsorientierung das ist, was
> unsere Gesellschaft zusammen hält.

...daher denke ich das unsere Gesellschaft sich aufgrund des immer
größer werdenden Druckes von Seiten des Arbeitsmarktes und eben jener
alternativen gezielten Verarmung in Verbindung mit Zwangsmaßnahmen so
entwickelt hat. Was da in Skandinavien abgelaufen ist ist mir nicht
wirklich bekannt, es gibt aber reichlich Gegenbeispiele in Geschichte
und Gegenwart, das "Unternehmern" (z.b. Plantagenbesitzern) scheißegal
ist ob unbenötigte Arbeitskräfte dann halt verhungern oder nicht. Und
... das mag jetzt ultrahart klingen, aber unser Volk hat in jüngster
Vergangenheit Menschen im Schichtbetrieb, nach Plan und
Dienstanweisung zuhauf getötet - das mit der Moral und sozialen
Verantwortung möchte ich persönlich lieber nicht ausprobieren...

> So, jetzt kennst Du einen Teil meiner politischen Vision!

Meine Vision ist diese hier:
<http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberflusswirtschaft>

Blöderweise haben wir noch keine Replikatoren. Aber ein BGE käme dem
am nächsten, und es ist definitiv machbar und weniger Riskobehaftet
als auf die Moral der Gesellschaft zu bauen - DER traue ich nämlich
nicht mehr allzuviel zu, leider. In den 80ern hätte ich dir allerdings
noch zugestimmt... glory days

Aber ganz davon ab hast du hier nur die unternehmerische Seite des BGE
betrachtet, das eben Hungerlöhne gezahlt und nach belieben
Arbeitsplätze abgebaut werden können. Da gebe ich dir teilweise recht,
aber andererseits hat der potentielle Arbeitnehmer auch die Freiheit,
bei einem schlecht bezahlten Job auch einfach mal "nö" zu sagen. Und
somit reguliert sich zumindest die Entlohnung ganz von selbst, weil es
diesen Zwang auf Erwerbsarbeit eben nicht mehr gibt. Und der
Unternehmer wird sich auch mit seinem Arbeiter gut stellen müssen,
damit der bei Laune bleibt und nciht einfach hinschmeißt wenn er
ständig Drecksarbeit macht oder gemobbt wird. Das ganze würde sich zu
einer ganz neuen Qualität der Arbeitswelt entwickeln, von der jeder
Profitiert: Der Arbeitgeber brauch tnicht so viel Lohn zahlen, weil
der Arbeitnehmer nicht drauf angewiesen ist, und der Arbeitnehmer
würde ein angenehmes Arbeitsklima erwarten um bei laune zu bleiben.Win
- Win.

Liebe Grüße,
Fizz
--
http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:Fizz




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