nrw-ak-innenpolitik AT lists.piratenpartei.de
Betreff: Nrw-ak-innenpolitik mailing list
Listenarchiv
- From: Henry Jensen <hjensen AT gmx.de>
- To: nrw-ak-innenpolitik AT lists.piratenpartei.de
- Subject: [Nrw-ak-innenpolitik] Fw: AK Innen sucht aktive Fußballfans
- Date: Thu, 19 Jul 2012 15:04:23 +0200
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/nrw-ak-innenpolitik>
- List-id: <nrw-ak-innenpolitik.lists.piratenpartei.de>
Hallo,
ich habe folgendes Statement eines Fans bekommen. Die Namen der Fan-Gruppen
habe ich auf Wunsch des Fans gelöscht. Ich forwarde das hier mal als
Diskussionsbeitrag.
Begin forwarded message:
Date: Wed, 18 Jul 2012 23:19:47 +0200 (CEST)
From: "Yannik Stracke" <stracke.yannik AT web.de>
To: hjensen AT gmx.de
Subject: AK Innen sucht aktive Fußballfans
Ich bin seit mehreren Monaten in der aktiven Fanszene des....., genauer
gesagt bin ich Fördermitglied der ..., ultraorientierte Gruppe ...
d.h. wir lehnen aktive Gewalt ab und brechen kein neutrales Verhältnis.
Wir verfolgen das Ziel, Fanbündnisse zu knüpfen, d.h. auch mit den
Szenen anderer Vereine gemeinsam für Fankultur und gegen
Kommerzialisierung, Repression und Polizeiwillkür zu kämpfen. Fankultur
definieren wir z.B. durch den Erhalt von Stehplätzen und die
Legalisierung des kontrollierten Abbrennens von Pyrotechnik. Man mag
unsere Standpunkte von offizieller Seite ablehnen, doch wichtig ist
uns, dass man mit uns statt über uns redet. Wir betrachten nämlich die
mediale Berichterstattung über die Ultra-Bewegung als problematisch,
ebenso wie das Vorgehen von DFB und Politik, die anscheinend
Kontrollmechanismen zuerst in Fußballstadien austesten wollen, da man
den Bürgern ein solches Vorgehen als notwendige Sicherheitsmaßnahme
verkaufen kann. In der Vergangenheit wurde aber durch restriktive
Maßnahmen wie Stadion- und Stadtverbote ohne Anhörung, die ebenso wenig
den Prinzipien eines Rechtsstaates entsprechen wie Teilausschlüsse und
Geisterspiele, von Seiten der Vereine und Verbände einiges kaputt
gemacht. So ist es z.B. möglich, dass die Polizei einen Fan nicht in
Gewahrsam nimmt, da der Grund dafür nicht ausreichend wäre, und
stattdessen seine Daten aufnimmt, diese an den Verein weitergibt und
der dann von seinem Hausrecht Gebrauch macht. Wenn das so weitergeht,
befürchte ich eine Radikalisierung, und die geplanten Maßnahmen wie
z.B. die Abschaffung der Stehplätze werden entweder zur Spaltung oder
zur Solidarisierung der Szene führen. Die Piratenpartei hat sich
glücklicherweise für die Löschung der Datei Gewalttäter Sport
eingesetzt, die auf Verdacht Daten von Fans sammelt, die auffällig
geworden sind. Um in dieser Datei zu landen, reicht es jedoch schon,
von der Polizei kontrolliert zu werden. Was ich damit sagen will: Als
Fußballfan ist man Bürger 2. Klasse und muss einige Repressalien über
sich ergehen lassen. Jedoch wird in der Öffentlichkeit lediglich ein
Standpunkt dargestellt, und das ist die angebliche "Eskalation der
Gewalt". Darüber habe ich auch in meinem Blog www.leidenschafftliebe.de
geschrieben, vielleicht willst du dir das ja mal durchlesen. Ich habe
durchaus Verständnis dafür, wenn du dir beim Lesen des Blogs bei der
einen oder anderen Aussage an den Kopf fasst und denkst, dass ich Dinge
verharmlose, jedoch ist es gar nicht mein Anliegen, z.B. einen
Platzsturm oder das Zünden eines Rauchtopfes gutzuheißen, wie es beim
letzten FC-Spiel vorgefallen ist, jedoch stört mich ganz einfach, dass
diese Aktion z.B. dermaßen skandalisiert wird, dass man das Gefühl
bekommt, die nationale Sicherheit sei bedroht. Wenn man ganz nüchtern
die Fakten betrachtet, gab es bei dieser Aktion z.B. keine Verletzten
und lediglich geringe Sachschäden, jedoch gab es als Strafe einen
Teilausschluss für das erste Heimspiel, was die Verantwortlichen nicht
trifft, da diese im Gegensatz zu vielen Unbeteiligten eine Dauerkarte
besitzen. Abgesehen davon entsteht dem Verein dadurch ein finanzieller
Schaden, obwohl das Sicherheitskonzept keine Mängel aufwies. In den
Medien wurde "den Ultras" die Schuld in die Schuhe geschoben, aber an
dieser Stelle muss man einfach sagen: "Die Ultras" gibt es nicht, weil
jede Gruppe den Begriff anders definiert und es gab einige FC-Fans, die
nach dem Spiel "Scheiß ......." sangen, dabei war die ........
bei dem Spiel gar nicht anwesend. Auch beim Relegationsspiel in
Düsseldorf waren es keine Ultras, sondern friedliche Fans, die zu früh
feiern wollten, die eine 30-minütige Unterbrechung provoziert haben. Es
wird jedoch grundsätzlich Gewalt, Platzstürme und der Einsatz von
Pyrotechnik verallgemeinert als "Randale" bezeichnet und verurteilt, es
wird ein Sündenbock gesucht und ein Klima der Angst geschaffen. So kann
es nicht weitergehen. Ich fordere von der Piratenpartei, hier ihrem Ruf
als Bürgerrechtspartei gerecht zu werden und klar zu machen, dass sie
für Freiheit statt Angst steht und dass Bürgerrechte auch für
Fußballfans gelten, dass sie die Medienhetze verurteilt und die
restriktiven Maßnahmen der Politik ablehnt, denn im Endeffekt wird es
nicht dabei bleiben, dass Überwachungsmethoden wie z.B. INDECT, das in
Fußballstadien getestet werden soll, dort angewendet werden.
Stattdessen werden diese Konzepte auf die gesamte Gesellschaft
angewendet werden, doch ein Großteil der Bevölkerung sieht das nicht
ein und unterstützt diese Vorhaben, weil die Menschen glauben, dass es
nicht sie, sondern irgendwelche Gewalttäter in Fußballstadien trifft,
und da die laut Klischee ja alle aus der Unterschicht kommen, müssen
die Vereine nun auch die Preise anheben wie in England. Dass man
dadurch die Gewalt nur vor das Stadion verlagert und zudem auch einen
Großteil der unschuldigen Fans ausschließt, bedenkt man nicht, denn es
passt den Vereinen natürlich nur zu gut, wenn man Mehreinnahmen
erzielen kann. Stehplatztickets z.B. kosten nur halb so viel wie
Sitzplatztickets, und durch VIP-Logen lässt sich noch mehr Geld
einnehmen. Der Fußball wird zunehmend kommerzialisiert, doch die Fans,
die seinen Reiz ausmachen, werden ausgesperrt und durch Kunden ersetzt.
Das ist der traurige Zustand des Vereinsfußballs, nicht nur in
Deutschland. Und das ist nur ein Teil eines gesamtgesellschaftlichen
Problems in einem politischen System, das auf eine Konsumgesellschaft
angewiesen ist. Was wir erleben, ist die Gentrifizierung des
Volkssports Fußball, und das mag vielen, die damit nichts anfangen
können, egal sein, doch bald wird es vielleicht auch andere Sportarten
treffen, die bisher noch nicht so in der Öffentlichkeit stehen. Im
Endeffekt betrifft es uns alle, denn hier wird ein totalitäres
Gesellschaftsbild durchgesetzt. Das sollten die Piraten bekämpfen, denn
sie sind mit dem Ziel angetreten, die Interessen der Bürger wieder vor
eine totale Sicherheit zu stellen, die ohnehin nicht erreicht werden
kann. http://www.publikative.org/2012/07/10/freiheit-oder-ordnung/ MfG
Yannik
- [Nrw-ak-innenpolitik] Fw: AK Innen sucht aktive Fußballfans, Henry Jensen, 19.07.2012
- Re: [Nrw-ak-innenpolitik] Fw: AK Innen sucht aktive Fußballfans, Orangebay, 19.07.2012
Archiv bereitgestellt durch MHonArc 2.6.19.