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nrw-ak-innenpolitik - Re: [Nrw-ak-innenpolitik] Review NRW Programm 2010 - innenpolitischer Teil

nrw-ak-innenpolitik AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Nrw-ak-innenpolitik mailing list

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Re: [Nrw-ak-innenpolitik] Review NRW Programm 2010 - innenpolitischer Teil


Chronologisch Thread 
  • From: Claus Palm <c.palm AT ingenieur.de>
  • To: nrw-ak-innenpolitik AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: Re: [Nrw-ak-innenpolitik] Review NRW Programm 2010 - innenpolitischer Teil
  • Date: Fri, 04 Nov 2011 18:40:15 +0100
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/nrw-ak-innenpolitik>
  • List-id: <nrw-ak-innenpolitik.lists.piratenpartei.de>

Hallo Markus,

du bist ja ganz schön schnell :-)

Ich habe mal deine Kommentare kommentiert. Ich werde die Kommentare dann auch auf die Wikiseite stellen, sonst wird das per Mail irgendwann sehr unübersichtlich.

Claus


Markus Wetzler schrieb:
Innenpolitik

Für Menschenrechte kämpfen

Die grundlegenden Rechte jedes Menschen sind das höchste Gut und Ausdruck
unserer Menschlichkeit. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte,
beschlossen und anerkannt von den Staaten der Vereinten Nationen, stellt
dabei die umfassende und allgemein anerkannte Sammlung dieser Rechte dar. Die
dort genannten Rechte sind unteilbar und gelten für jeden Menschen
gleichermaßen, unabhängig von seiner Herkunft, seiner Religion, seinem
Geschlecht, seiner Kultur oder anderer Merkmale. Jeder Mensch muss sich frei
entfalten können, ohne Repressalien befürchten zu müssen. Jede
Diskriminierung ist abzulehnen. Die NRW-Piraten kämpfen dafür, die
Menschenrechte national wie international durchzusetzen.

Anmerkung Krella (Markus Wetzler): Was hebt hier die Piraten von anderen
Parteien ab? WIE kämpfen die Piraten für die Durchsetzung der Menschenrechte?
Claus Palm: Dieser Punkt war eigentlich nur als Präambel gedacht. Allein der Anspruch, die Menschenrechte national wie international ernst zu nehmen und durchzusetzen, hebt uns bereits von anderen Parteien ab, da hier in der Regel Menschenrechte nur als Lippenbekenntniss auftauchen.
Das Grundgesetz bewahren, Bürgerrechte verteidigen

Gemeinsam mit den Menschenrechten bilden die Bürgerrechte die Grundrechte der
Menschen, die sich zum deutschen Staat zusammengefunden haben. Die
NRW-Piraten stehen hinter dem Grundgesetz in der ursprünglichen Form, wie es
unsere Gründungsväter 1949 ausgearbeitet haben. Insbesondere lehnen wir
Änderungen an dem die Grundrechte umfassenden ersten Abschnitt, den Artikeln
1 bis 19, ab. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass solche Änderungen immer nur
zu einem Abbau von Bürgerrechten führen. Die Piratenpartei setzt sich für
einen stärkeren Schutz und eine stärkere Beachtung der Grundrechte ein. Sie
will die Bürgerrechte verteidigen, insbesondere auch gegenüber dem Staat, der
sie bedroht, und dessen Einrichtungen.

Anmerkung Krella (Markus Wetzler): Auch hier fehlt mir nach dem Grundsatz das
WIE bzw. das praktische Beispiel, wie die Bürgerrechte verteidigt werden
sollen und warum der Staat den Bürger bedroht.
Claus Palm: Wie oben, als Präambel gedacht. Die Durchsetzung der Bürgerrechte zieht sich ja letztendlich durch das ganze Wahlprogramm, sei es z.B. der Schutz vor Überwachung oder die Verbesserung der Bürgerbeteiligung.
Verfassungsschutz

Systeme und Methoden, die der Staat gegen seine Bürger einsetzen kann, müssen
der ständigen Bewertung und genauen Prüfung durch gewählte Mandatsträger
unterliegen. Dementsprechend ist es wichtig, dass an Stellen, die für die
Grundrechte des Bürgers möglicherweise fatal sind, so offen, transparent und
sorgfältig geprüft wird, wie es möglich ist.

Wir erkennen an, dass ein Geheimdienst naturgemäß nicht dazu in der Lage ist,
seine Tätigkeiten umgehend und in vollem Umfang kontrollierbar und
transparent zu gestalten. Dennoch wollen wir die Kontrolle und Transparenz so
weit erhöhen, wie es im Rahmen der Handlungsfähigkeit des Verfassungsschutzes
möglich ist. Die Fristen, innerhalb derer über die Tätigkeiten der
Verfassungsschutzbehörde berichtet wird, müssen angepasst werden. Jede
Tätigkeit, die potentiell die Grundrechte verletzt, muss noch vor
Durchführung dem Kontrollgremium gemeldet und spätestens drei Monate nach
ihrem Abschluss der demokratischen Kontrolle des Parlaments unterzogen
werden. Nach geltendem Recht könnte dies im ungünstigsten Fall erst nach
eineinhalb Jahren stattfinden.

Die Arbeit der G10-Kommission muss enger an die Arbeit des parlamentarischen
Kontrollgremiums angebunden werden. Wir halten eine Prüfung, ob diese beiden
Einrichtungen zum Zwecke eines schnelleren Informationsflusses kombiniert
werden können, für sinnvoll. Ebenso sollte in diesem Zuge die Einhaltung
nicht nur des Fernmeldegeheimnisses sondern sämtlicher Grundrechte zeitnah
überprüft werden.

Anmerkung Krella (Markus Wetzler): Wozu ein Geheimdienst? Braucht kein Mensch.
Claus Palm: Da gebe ich dir Recht. Aber bis wir die nötigen Mehrheiten haben, um die Geheimdienste abzuschaffen, müssen wir daran arbeiten, die parlamentarische Kontrolle erheblich zu veressern.
Hilfspolizisten

Die Polizei ist eines der wichtigsten Exekutivorgane unseres Landes. Sie ist die direkte, ausführende Kraft des staatlichen Gewaltmonopols und soll die öffentliche Sicherheit und Ordnung gewährleisten. Dies ist eine hochgradig verantwortungsvolle und anspruchsvolle Aufgabe. Bestrebungen, streifendienstliche Tätigkeiten der Polizei zukünftig verstärkt von schlechter ausgebildeten und schlechter bezahlten Hilfspolizisten durchführen zu lassen, lehnen die NRW-Piraten entschieden ab. Es ist für uns nicht akzeptabel, realen Bedrohungen für die öffentliche Sicherheit auf diese Weise schwächer zu begegnen, und gleichzeitig unter der Vorgabe, die innere Sicherheit zu stärken, die Grundrechte immer weiter zu beschränken.
Anmerkung Krella (Markus Wetzler): Welche Alternative bieten die Piraten?
Geht nicht aus dem o. Abschnitt hervor.
Claus Palm: Es geht hier darum, die Aufgaben der Exekutive in der Hand der Polizei zu belassen und nicht an geringer qualifizierte und nicht dem Grundgesetz verpflichtete "Hilfspolizisten" zu delegieren. Der Punkt wurde deshalb aufgegriffen, weil das vor der Landtagswahl in NRW von der CDU diskutiert wurde, um bei der Polizei Personal einsparen zu können.
Virtuelle Streife

Der Polizeidienst umfasst den Streifendienst im öffentlich zugänglichen Raum
zur Gefahrenabwehr und zur Verhinderung von Straftaten. Da auch das Internet
ein solcher öffentlich zugänglicher Raum ist, ist es begrüßenswert, wenn die
Polizeibehörden dort auf Streife gehen. Ferner empfinden wir es als
erfreulich, dass die Polizeibehörden beabsichtigen, sich mit dem Medium
Internet vertrauter zu machen. Besorgnis erregt nur die Befürchtung, dass den
Beamten an dieser Stelle Sonderrechte eingeräumt werden, die über jene eines
normalen Internetnutzers hinausgehen.

Denn wie der Streifendienst nicht das Eindringen in private Wohnungen
rechtfertigt, so lehnen wir auch verdachtsunabhängige Eingriffe in private
Kommunikation, etwa das Mitlesen von Emails oder den Zugriff auf gesicherte
Bereiche durch Hacking, ab. Um die Strafverfolgung im Netz zu verbessern,
sollten vielmehr bestehende Möglichkeiten, den Polizeibehörden
Gesetzesverstöße im Internet mitzuteilen, vereinfacht und verbessert werden.

Anmerkung Krella (Markus Wetzler): etwas genauer formulieren wie der Prozess
verbessert werden kann
Claus Palm: Das könnte man sicher noch etwas ausführlicher darstellen, auch wenn ein Wahlprogramm natürlich noch keine Verwaltungsvorschrift ist.
Öffentliche Überwachung

Die Überwachung des öffentlichen Raumes durch Videokameras kann unter
bestimmten Umständen die Aufklärung von Straftaten erleichtern. In der Regel
wäre eine Aufklärung jedoch auch ohne das gewonnene Bildmaterial erfolgreich
gewesen. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben außerdem gezeigt, dass eine
solche Überwachung nicht zur Prävention von Straftaten geeignet ist.

Daher lehnen die NRW-Piraten den Ausbau der öffentlichen Überwachung strikt
ab. Wir betrachten die Persönlichkeitsrechte hunderter unschuldig erfasster
und gespeicherter Bürger als schützenswert. Darüber hinaus sind aktuelle
Maßnahmen der öffentlichen Überwachung kritisch zu hinterfragen und
gegebenenfalls rückgängig zu machen. Stattdessen wollen wir eine höhere
Präsenz von Polizei- und Ordnungskräften an potentiellen
Kriminalitätsschwerpunkten.

Anmerkung Krella (Markus Wetzler): wie in Mumble besprochen. Das passt so
sehr gut.


Automatisierte Kennzeichenerfassung

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 11. März 2008 hat eindeutig
klargestellt, dass eine verdachtsunabhängige, flächendeckende und
automatisierte Kennzeichenerfassung zwecks Abgleich mit Fahndungsdaten in
diversen Belangen, dabei nicht zuletzt der Verhältnismäßigkeit, nicht mit der
Verfassung vereinbar ist. Daher ist es den NRW-Piraten unbegreiflich, warum
solche Maßnahmen erneut diskutiert werden. Einen solchen Eingriff in die
Persönlichkeitsrechte lehnen wir entschieden ab. Auch ein stichprobenhafter
Abgleich automatisiert erfasster Autokennzeichen, so wie es das Urteil des
Bundesverfassungsgerichts zulässt, ist für uns nicht akzeptabel.

Anmerkung Krella (Markus Wetzler): Grund angeben warum nicht akzeptabel.



Jugendkriminalität

Im Bereich der Jugendkriminalität ist von Symptombekämpfung und weiterem
Aktionismus Abstand zu nehmen. Die Antwort auf das Problem der
Jugendkriminalität ist nicht, jeden jungen Menschen als potentiellen
Straftäter von morgen zu behandeln und so die Nachfrage nach
sicherheitspolitischen Maßnahmen künstlich zu steigern. Aufgrund einer seit
Jahrzehnten verfehlten Bildungspolitik und einer finanziellen und beruflichen
Perspektivlosigkeit muss man dieses Problem als hausgemacht bezeichnen.
Dessen Bekämpfung muss an besagten Ursachen ansetzen, indem die Bildungs- und
Berufsperspektiven konsequent verbessert werden.

Anmerkung Krella (Markus Wetzler): hervorragend
Claus Palm: Man könnte sich jetzt streiten, ob das vieleicht eher in die Bildungspolitik gehört.
Biometrische Daten

Es lässt sich derzeit der besorgniserregende Trend beobachten, dass in immer
größer gefassten Bereichen die Speicherung und der automatisierte Abgleich
von biometrischen Daten erfolgt. Es ist weder zu verhindern, dass die
Grundrechte unschuldiger Bürger bei einem solchen Vorgehen verletzt werden,
noch dass ein solches Vorgehen auf Basis existierender Daten immer häufiger
angewendet wird. Daher lehnen die NRW-Piraten die Erfassung biometrischer
Daten ohne Anfangsverdacht sowie deren Speicherung ohne erwiesene Straftat
kategorisch ab.

Anmerkung Krella (Markus Wetzler): Der Leser fragt sich mit Sicherheit, was
die Piraten hier genau meinen: Wer erhebt wann welche Daten und welche
Risiken sind damit verbunden?
Claus Palm: Auslöser war die Erfasssung biometrischer Daten in Verbindung mit Reisepass und später auch Personalausweis. Der Teil ist aber bewusst allgemein gehalten, da dies eben nicht nur für die genannten Fälle gilt, sondern generell, wenn öffentliche Stellen biometrische Daten erfassen. Auf die Risiken könnte man aber mehr eingehen. Mir fällt da ein: Missbrauch der Daten für andere als die vorgesehenen Zwecke bzw. Datendiebstahl. Im Grunde gilt hier alles was uns Piraten generell an der allgemeinen Datensammelwut stört. Wahrscheinlich ist das ja auch irgendwo schon schön plakativ beschrieben.
Entwurf zum "Transparenzgesetz"

Die Piraten begrüßen diese Bestrebung zur Schaffung von mehr Transparenz.
Dabei darf die Transparenz aber nicht nur finanzielle Aspekte aufgreifen,
sondern muss auch bei Entscheidungsfindungen, Vertragsabschlüssen und bei
Berichten zu politischen Themen angewandt werden. Der Landesrechnungshof NRW
soll dafür Sorge tragen, dass die geschaffenen Transparenzhürden nicht durch
Zersplitterungen von hundertprozentig öffentlichen Unternehmen in mehrere
nicht- oder teilöffentliche Unternehmen umgangen werden.

Anmerkung Krella (Markus Wetzler): -



Leistungsgerechte Beurteilung von Beamten

Das Beamtenrecht in NRW bedarf in vielerlei Hinsicht einer umfassenden
Reform. Insbesondere ist hier das System der Beamtenbeurteilungen zu nennen.
Im Bereich der Beamten und Angestellten des öffentlichen Dienstes herrscht
sicher nicht selten eine große Diskrepanz zwischen den tatsächlichen und den
beurteilten Leistungen. Dies führt zu großen Frustrationen und einer
verständlichen Demotivation, welche nicht zuletzt auch die Bürger zu spüren
bekommen.

Derzeit werden die Beamten überwiegend durch Vorgesetzte beurteilt, die den
zu beurteilenden Beamten häufig gar nicht bei der Arbeit sehen, sondern nur
aus der Aktenlage heraus entscheiden. Auch werden bereits formulierte, gute
Beurteilungen vom nächst höheren Vorgesetzten, welcher den Beamten meist
nicht einmal persönlich kennt, aufgrund der Haushaltslage wieder
zurückgenommen. Eine Beförderung, welche Geld kostet, ist von einer guten
Beurteilung abhängig. Nicht selten hängen gute Beurteilungen und damit die
Beförderung nicht mit der tatsächlichen Leistung des Beamten zusammen.
Vielmehr zählt, wie lange der Beamte schon auf die nächste Beförderung warten
musste, selbst wenn jüngere Beamte eine wesentlich bessere Leistung vorweisen
können. Das führt zu Frustration bei den verbleibenden, motivierten Beamten,
da sie für ihre gute Leistung keine Anerkennung finden.

Daher setzen die NRW-Piraten sich für eine umfassende Reform des
Beurteilungsprozesses ein. Wir streben eine Anlehnung an die aus der
Privatwirtschaft bekannte 360-Grad-Beurteilung an. Der Vorgesetzte soll nicht
allein über die Beurteilung eines Beamten entscheiden dürfen. Vielmehr sind
auch Einschätzungen der Kollegen und Bürger mit in die Beurteilung
einzubeziehen. Der Einfluss des nächst höheren Vorgesetzten auf die
Beurteilung muss auf ein notwendiges Minimum reduziert werden. Vor allem muss
endlich die Qualität und nicht, wie zurzeit, die Quantität der Leistung als
Beurteilungskriterium wieder in den Vordergrund rücken.

Anmerkung Krella (Markus Wetzler): Das in den oberen beiden Abschnitten
beschriebene ist m.E. nicht Polizeitypisch und sollte m. E. im jeweiligen
Personalrat oder der Gewerkschaft geregelt werden. Hat nichts mit
Innenpolitik zu tun. Und wenn doch, dann frage ich mich – warum? Und wie soll
ein Bürger einen Polizisten beurteilen? Ist doch total praxisfern. Habe ich
hier etwas misverstanden? Der komplette Punkt kann m. E. gestrichen werden.
Claus Palm: Es geht ja nicht nur um Polizisten, sondern um das Beamtenrecht ganz allgemein. Ich war an diesem Punkt nicht beteiligt, aber ich denke schon, dass das Innenpolitik ist (weiss ich aber nicht genau).
Ausländer-, Asyl- und Flüchtlingswesen

Die NRW-Piraten setzen sich für einen menschenwürdigen Umgang mit
Flüchtlingen und Migranten ein. Aus diesem Grund wollen wir eine
Erleichterung der Anforderungen für den Übergang in einen dauerhaften
Aufenthaltsstatus. Hierbei ist die Situation von langjährig geduldeten
Flüchtlingen und Flüchtlingen, die ihren Lebensunterhalt nicht eigenständig
sichern können, besonders zu berücksichtigen. Langfristig ist auf ein
dauerhaftes Bleiberecht für geduldete Flüchtlinge, die sich länger als fünf
Jahre in Deutschland aufhalten, hinzuarbeiten. Generell halten wir das Asyl-
und Ausländerrecht Deutschlands für überarbeitungsbedürftig, da es die
Menschenrechte nicht effizient schützt.

Anmerkung Krella (Markus Wetzler): Die Migration muss entbürokratisiert
werden. Wir brauchen Fachkräfte. Wenn schon die Bildung vernachlässigt wird,
dann wenigstens die Leute rein lassen und Arbeitserlaubnis erteilen. Fertig.
Claus Palm: Genau so ist es.
Unabhängige Kontrolle für Polizeibehörden

Auch in den Reihen der Polizeibeamten kann es dazu kommen, dass einzelne
Beamte sich falsch oder gar rechtswidrig verhalten. Polizeibeamte, die ein
Fehlverhalten ihrer Kollegen beobachten, Zeugen und Anzeige erstattende
Bürger sind derzeit dazu gezwungen, sich mit ihrem Anliegen an die gleiche
Behörde zu wenden, in der die beklagte Person ihren Dienst verrichtet. Dies
führt nicht nur zu Hemmschwellen seitens des Beschwerdeführers, sondern kann
auch zu Interessenkonflikten und dadurch zu Vertuschungsaktionen oder falsch
verstandener Solidarität unter den Kollegen führen.

Es sollte eine unabhängige Kontroll- und Ermittlungsinstanz geschaffen
werden, die sich solcher Beschwerden annimmt, ohne dass der Beschwerdeführer
Tatenlosigkeit oder persönliche Konsequenzen fürchten muss. Zusätzlich kann
diese Instanz auch ohne Anregung Dritter tätig werden.

Anmerkung Krella (Markus Wetzler): Die Frage ist, ob eine weitere Instanz
implementiert werden muss. Vielleicht gibt es ja eine einfachere Lösung? Ohne
noch mehr Bürokratie.
Claus Palm: Das funktioniert nur, wenn die Kontrollinstanz wirklich unabhängig ist. Deshalb wird das auch von verschiedenen Menschenrechtsorganisationen in dieser Form gefordert, unter anderem von Amnesty International: http://www.amnestypolizei.de/kampagne/forderungen.html
Manchmal ist Bürokratie eben notwendig, gerade wenn es um Kontrolle geht, und die ist in einer Demokratie nun einmal erforderlich.
Identifikationsnummer für Polizisten

Die NRW-Piraten erkennen an, dass die tägliche Polizeiarbeit, also vor allem
die Durchsetzung polizeilicher Maßnahmen, ohne die Möglichkeit der Anwendung
von Zwangsmitteln in vielen Situationen unmöglich wäre. Auch angemessene
körperliche Gewalt stellt ein grundsätzlich legitimes und erforderliches
Zwangsmittel dar. Jedoch hat gerade die Polizei als Träger des staatlichen
Gewaltmonopols eine besondere Verantwortung, der sie leider nicht immer
gerecht wird. Immer wieder gibt es Presseberichte von rechtswidrigen
Übergriffen der Polizei auf Bürger. Häufig jedoch hat der Bürger dabei nicht
einmal die Möglichkeit, den Namen des Beamten zu erfahren, da dieser ihn,
trotz einer bestehenden Pflicht, nicht preisgibt. Der Bürger hat in diesem
Moment keine Möglichkeit den Polizisten zur Preisgabe zu zwingen.

Aus diesem Grund fordern die NRW-Piraten die Einführung einer jederzeit
deutlich erkennbaren, individuellen und für die Ermittlungsbehörde
nachvollziehbaren Identifikationsnummer für jeden Polizeibeamten. Eine solche
Nummer stellt den Informationsanspruch des Bürgers sicher. Sie wahrt aber
auch das Persönlichkeitsrecht des Beamten, da auf direktem Wege keine
Rückschlüsse auf seine Person möglich sind.

Anmerkung Krella (Markus Wetzler): Ein einfaches Schild auf der Brust als Lösung für polizeiliche Gewalt? Wie lang soll die Nummer sein und wer soll sich die merken, wenn der Polizist zuschlägt? Gewalttäter gibt es überall – auch bei der Polizei. Hier sollte man die Gesinnung vielleicht schon bei der Einstellung hinterfragen und Schulungen anbieten, um die Wahrscheinlichkeit solcher Übergriffe zu verringern.
Claus Palm: Die Nummer kann man nachher auf Videos oder Fotos prima ablesen. Oder Zeugen könnten sie notieren. Die Polizisten einer Einsatzhundertschaft in ihrer Vermummung auf soĺchen Bildern ohne Nummern zu identifizieren ist häufig unmöglich. Laut Amnesty International werden viele Verfahren eingestellt, weil die Täter nicht zu ermitteln sind. Eine Gesinnungsprüfung ist schwierig und auch problematisch. Und Schulungen gibt es ja, und ich denke auch, dass die meisten Polizisten sich an die Regeln halten. Aber es gibt eben auch Fälle unverhältnismäßiger Polizeigewalt und die müssen verfolgt und aufgeklärt werden.
Pauschale Mindestentschädigung bei rechtswidrigen Maßnahmen von Behörden

Da auch in Behörden nur Menschen arbeiten, kann es dort zu Fehlern kommen.
Nicht selten werden rechtswidrige Verwaltungsakte erlassen beziehungsweise
rechtswidrige Maßnahmen getroffen, welche den Bürger in seinen Rechten und in
seiner Persönlichkeit beeinträchtigen. Diese Beeinträchtigungen lassen immer
irgendeine Art von Schaden entstehen.

Die NRW-Piraten wollen eine pauschale Mindestentschädigung beziehungsweise
eine Wiedergutmachung für rechtswidrige Maßnahmen einführen. Hierdurch
erwarten wir eine wesentliche Erhöhung der Hemmschwelle seitens der Behörden
bei Eingriffen in die Persönlichkeitsrechte des Bürgers und einen
verbesserten Schutz vor Behördenwillkür. Selbst wenn durch Gerichte die
Rechtswidrigkeit von Verwaltungsakten oder Maßnahmen festgestellt wurde, hat
bei der derzeitigen Rechtslage der Bürger weitere, häufig hohe Hürden zu
nehmen, um den Schaden ersetzt zu bekommen. Es gestaltet sich oft schwierig,
einen entstandenen Schaden zu beweisen, gerade im immateriellen Bereich.
Obwohl es eine Behörde war, die den Fehler gemacht hat, wird der Bürger durch
eine schwierige Beweissituation eventuell noch mehr belastet. Damit dieser
unhaltbare Zustand abgestellt wird, sollten Behörden für ihre Fehler
uneingeschränkt haften.

Anmerkung Krella (Markus Wetzler): hm… soll die Behörde für einen Mitarbeiter
haften, für den wiederum im Zweifelsfall Privathaftung gilt? Erläuterung.
Claus Palm: Da sollte die Behörde haften. So wie ja auch dein Arbeitgeber haftet, wenn du Mist machst. Nur bei grober Fahrlässigkeit könnte der dich dann haftbar machen.
Videoüberwachung auf Demonstrationen

Die Teilnahme an einer gesetzmäßigen und ordentlich angemeldeten
Demonstration ist ein legitimes Mittel, um eine politische Meinung kundzutun.
Es rechtfertigt keinesfalls, Demonstranten unter den Verdacht zu stellen,
einen Gesetzesbruch begehen zu wollen. Daher lehnen die NRW-Piraten
ausdrücklich den allgemeinen und präventiven Einsatz von Überwachungskameras
während Demonstrationen ab. Die Polizei sollte in der Lage sein, die
Situation einzuschätzen und die Kameras nur dann einzuschalten, wenn die
Stimmung aggressiv wird. Dass aber friedlich demonstrierende Bürger als
potentielle Verbrecher behandelt werden, nur weil sie ihr Recht auf
Meinungsäußerung wahrnehmen, ist abzulehnen.

Anmerkung Krella (Markus Wetzler): sehe ich genauso. Zusätzlich: Schutz der
Demonstranten, die bei aufkommender Aggressivität von Polizeiseite
Videoaufnahmen von den Polizisten machen wollen.

Claus Palm: Stimmt, das ist ein wichtiger Punkt.






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