crew-hauptmann-von-koepenick AT lists.piratenpartei.de
Betreff: Crew-hauptmann-von-koepenick mailing list
Listenarchiv
[Crew-Hauptmann-von-Koepenick] Liquid Feedback -Bezirksinstanz - Einige Antworten und Fragen
Chronologisch Thread
- From: Monika Belz <Loreena1968 AT gmx.de>
- To: crew-hauptmann-von-koepenick AT lists.piratenpartei.de, Bezirksmailingliste Treptow-Köpenick <berlin-treptow-koepenick AT lists.piratenpartei.de>, loreena1968 AT gmx.de
- Subject: [Crew-Hauptmann-von-Koepenick] Liquid Feedback -Bezirksinstanz - Einige Antworten und Fragen
- Date: Sun, 30 Oct 2011 21:40:32 +0100
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/crew-hauptmann-von-koepenick>
- List-id: <crew-hauptmann-von-koepenick.lists.piratenpartei.de>
Hallo,
ich versuche es noch einmal, so neutral wie mir möglich, einige Fragen zu beantworten.
Frage: Man kann jederzeit als Vertrauensperson (Admin, Mitgliederverwaltung etc.) Sockenpuppen im System anlegen, ob nun der bürgerliche Name verwendet wird oder nicht.
Antwort:
Wäre der bürgerliche Name die einzige Bedingung, wäre der Ansicht Recht zu geben. Bei der diskutierten Variante b) ist Voraussetzung die persönliche Vorstellung im Rahmen einer Gebietsversammlung. Der Antrag verlangt neben der Benennung des bürgerlichen Namens die Mitgliedsnummer und die Kontrolle des Namens + Zugehörigkeit zum Bezirk durch Kontrolle eines entsprechenden Dokumentes (Personalausweis) durch zwei zuvor von der Versammlung gewählte Prüfer (die auch eine entsprechende Datenschutzerklärung vor Antritt unterzeichnen müssten). Wenn ich jetzt 35 Mitglieder auf der Versammlung vorstellen und entsprechend einen Account für das Bezirksliquid erhalten ist deren Anzahl zunächst auf diese 35 begrenzt, jeder weitere Account der Anzahl nach würde offensichtliche Manipulation beweisen. Für das Anlegen von Sockenpuppen entsprechende Personen bei den Gebietsversammlungen einzuschleusen dürfte sich aufgrund der Akkreditierung und der Kontrolle durch die Prüfer als schwierig erweisen.
Ob sich die 35 anmelden, die sich vorgestellt haben, ist über die Angaben, die bei der Vorstellung angegeben wurden, zu prüfen. Hier gibt es unterschiedliche Vorstellungen, die mich gleich zur Frage 2 bringen.
Frage: Bei der Vorstellung nennt man neben seinem bürgerlichen Namen und der Mitgliedsnummer das verwendete Pseudonym, nur Pseudonym und Mitgliedsnummer werden im System im Startprofil für die Teilnehmer sichtbar eingetragen.
Antwort:
Das wäre eine Abwandlung der Variante b). Durch die Vorstellung besteht eine Verbindung zwischen der Person und der abgegebenen Stimme, die Verknüpfung wäre gegeben. Problematisch ist aber, dass man bei berechtigtem Zweifel zwischen den Gebietsversammlungen handlungsunfähig ist. Wenn die Nicht-Angabe des Namens dazu dient, die Person nach der Gebietsversammlung nicht mehr auffinden oder kontaktieren zu können, dann entspricht das ja gerade wieder einer Entkoppelung von abgegebener Stimme und Person und schon ist es mit der Überprüfbarkeit dahin - denn wer kann schon wirklich sagen, ob alles mit rechten Dingen zugeht, wenn die Ergebnisse mal sehr ungewöhnlich sind.
Bei der nächsten Gebietsversammlung tauchen die fragwürdigen "Pseudonyme" nicht mehr auf, und keiner kann noch sagen, was wirklich geschah. Sobald man auf die namentliche Abstimmung verzichtet muss man für einen Schutz der Pseudonyme sorgen - nicht ganz zu unrecht. Dies verhindert aber, dass man im Falle unklarer Ergebnisse Nachforschungen anstellen kann.
Bevor die Frage aufkommt, nein die Mitgliederverwaltung wird auf bloßen Verdacht hin, nicht die Zuordnung zur Mitgliedsnummer offenlegen, sie ist dem Datenschutz verpflichtet, dieser Weg steht als Ermessenssache des Vorstandes nur zur Verfügung, wenn es ein begründeten Verdacht auf strafbare Handlungen vorliegt, was wiederum schwierig ist, wenn man die Person nicht kennt, man dreht sich im Kreis, auch die Admins werden keine Zuordnung herausgeben, aus gleichen Gründen.
Nun war noch von einer Liste die Rede, in der man die Zuordnung nachvollziehen kann, entsprechend der Vorstellung. Wenn diese Liste allen Teilnehmern frei zugänglich ist und bei späterer Erweiterung des Teilnehmerkreises erweitert wird und den neuen Teilnehmern ebenfalls zur Verfügung steht, wäre dies eine bessere Überprüfbarkeit zur jetzigen Variante im Landesverband. Nur wie macht man diese Liste allen Teilnehmern verfügbar? Papier, verliert man, verlegt man, kommt u.U. in Hände, die nicht zum Teilnehmerkreis gehören.
Man stellt sie irgendwo ein und Zugriff hat nur, wer ein Passwort hat – kein Unterschied zur Verfügbarkeit der Information in Liquid Feedback.
Darüber hinaus ist der Aspekt zu beachten, dass die Vorstellung innerhalb des Teilnehmerkreises öffentlich erfolgt und daher hier Auflistungen erstellt werden könnten, weil man selbst so ein schlechtes Gedächtnis hat bzw. aus Versehen auf Fragen Dritter gesagt wird, dass ist die Initiative von Lieschen Müller (im LF mit Pseudo Mülis unterwegs) mit der 30erZone auf dem Adlergestellt. Wissen, das man äußert, findet Verbreitungswege. Bei dem Fokus aufs Netz vergisst man die herkömmlichen Wege.
Hier bleibt für mich die Frage offen, wie man die Liste mit den Angaben, die der Überprüfbarkeit dient, allen Teilnehmern zugänglich macht, so dass es ein Vorteil gegenüber der Eintragung im Startprofil in Liquid Feedback wäre.
Frage: Zugriff auf den im Startprofil mit Mitgliedsnummer verzeichneten bürgerlichen Namen.
Antwort: Den Zugriff hat jeder Teilnehmer, der sich das Startprofil eines Nutzers ansieht, er benötigt diese Information zur Identifizierung des Teilnehmers zur Prüfung der Stimmberechtigung. Andere habe diesen Zugriff nicht.
Noch was zu Namen, Anmeldename ist frei wählbar (das ist der den man angibt, wenn man sich anmeldet und Passwort einträgt), der Name im System der Benutzername ist ebenso frei wählbar – ob man da nun Mülis eingibt oder Lieschen Müller, ist jedem selbst überlassen. Keinen davon meint die Variante b), sondern den der heute noch frei eintragbar ist unter Realname. Der wäre dann nicht mehr frei eintragbar, sondern würde vom System anhand der Anmeldung vorgegeben werden.
Frage: Wie will man denn anhand von Klarnamen nachvollziehen, dass es zu Manipulationen kam?
Man sieht sich eine Abstimmung an, die sagen wir mal etwas knapp und entgegen der üblichen Piratenmeinung ausgegangen ist, oder einfach so, weil man sich seiner Kontrollpflicht als Teilnehmer bewusst ist. Ah, Lieschen Müller war anwesend stimmt, Prüfung abgeschlossen. Nächster Teilnehmer. Hmm Peter Müller, kann ich mich nicht daran erinnern. Also rufe ich mal X, Y und Z und ggf. noch A, B, C an, ob die sich erinnern können bzw. frage sie beim Treffen heute abend. Wenn sich niemand an Peter Müller erinnern kann, ist das schon fragwürdig, weckt Zweifel. Wenn dann noch Sebastian Meier und Heiderun Schiller dazu kommen, an die sich auch keiner erinnern kann, werden die Zweifel mehr.
Nun kann man eine Gebietsversammlung einberufen, in der sich jeder neu vorstellen muss, und so die vier als Teilnehmer auszuschließen.
Es geht nicht um den Anspruch ein System zu schaffen, dass nicht manipulierbar ist, sondern ein System zu schaffen, in dem von den Teilnehmern anhand von Überprüfungsmerkmalen Manipulationen aufgedeckt werden können.
Frage: Wie kann es denn dazu kommen, dass sich die vier anmelden, sie würden ja die Anzahl der ursprünglich angemeldeten erhöhen, es ist doch ausreichend lediglich die Anzahl zu prüfen.
Nun wer sich vorstellt, muss sich nicht unbedingt anmelden. Solche Lücken, also wenn sich weniger als ursprünglich vorgestellt anmelden, kann jemand der manipulieren möchte, nutzen.
Nun noch ein Fall, den ich kurz angeschnitten habe, man erhält entweder direkt durch Zuhören die bei der Vorstellung geäußerten Daten oder man weiß diese auf anderem Weg. Der Teilnehmer hat sich nicht angemeldet. Nun gibt es Möglichkeiten, sich mit den Daten des Teilnehmers, der sich zwar angemeldet hat, aber nicht vorgestellt hat, anzumelden. Hier eine Manipulation aufzudecken kann nur gelingen, wenn der Teilnehmer von einem Dritten angesprochen wird, ob er nicht mal Initiative XY unterstützen möchte oder warum er bei XY so seltsam, entgegen der bisher vertretenden Ansicht abgestimmt hat.
So das war es hierzu erstmal. Ich hoffe es haben alle die es interessiert, die Links aus dem Pad zur Kenntnis genommen und in der Zwischenzeit vielleicht auch den einen oder anderen schon gelesen bzw. gehört.
Mit dem Antrag habe ich das Konzept vorgestellt, wo nach die elektronische öffentliche Abstimmungen möglich sind, dieses Konzept existiert, es wurde von den Entwicklern der Software für umsetzbar erachtet. Im Endeffekt muss die Gesamtheit der Piraten im Bezirk wissen was sie will, ich werde und will niemanden zwingen, solange das Bewusstsein vorhanden ist, dass ich Meinungsbilder, die ein mit einem Wahlcomputer vergleichbares System erzeugt nicht den gleichen Charakter haben, als wenn es Meinungsbilder sind, die in einem System entstehen, dass elektronischen öffentliche Abstimmungen und somit die Kontrolle der Teilnehmer untereinander ermöglicht.
Zum Schluss, ich habe in der letzten Zeit viele Gespräche geführt, eins davon hat mich besonders getroffen, mit einer Person, die die Idee von Liquid Democracy genauso begeistert wie ich, die auch öfters ausklinkt wie ich bei dem Thema, aber es ist deutlicher als ich es je könnte.
Zitat: „Die Leute sind nicht bereit darüber nachzudenken, was sie eigentlich tun. Sie wollen Rechte aber keine Pflichten. Sie wollen die Transparenz der anderen. Wenn es hilfreich erscheint sehen sie sich als Politiker, andernfalls als zu schützende Bürger. Genau dieses mangelnde Pflichtbewusstsein ist fatal, wenn es um demokratische Sachentscheidungen geht - und erst recht, wenn diese dann auch noch geheim getroffen werden sollen. Demokratie alleine reicht nicht, um eine gerechte Gesellschaft zu erreichen. Stimmen die Menschen bei Sachfragen nur egoistisch ab, dann führt letztendlich auch Demokratie zum Krieg. Vielleicht unterschätze ich die Teilnehmer, wenn ich ihnen unterstelle egoistisch abzustimmen (besonders dann, wenn soziale Kontrollmechanismen unterbunden werden). Vielleicht sind die Teilnehmer weise Menschen, die auch ihrer virtuellen LiquidFeedback-Wahlkabine dafür stimmen würden, dass ein Nachbarbezirk finanziell besser ausgestattet wird als der eigene, wenn es dafür berechtigte Gründe gibt. Vielleicht aber auch nicht.“
Ich möchte, dass ihr über diese Worte nachdenkt, wie hoch ist die Bereitschaft, zum Wohl anderer zum eigenen Nachteil abzustimmen und so Politik zu machen. Vielleicht mache ich auch den Fehler, von meinem eigenen Idealismus auszugehen und den bei allen anderen vorauszusetzen. Das kann sein. Ich habe ihn und daher ist Liquid Democracy ein Weg für mich, ich kann aber nicht wissen, ob ihr das genauso sieht und ob ihr euch überhaupt schon mit dem Thema auseinandergesetzt habt.
Moni
- [Crew-Hauptmann-von-Koepenick] Liquid Feedback -Bezirksinstanz - Einige Antworten und Fragen, Monika Belz, 30.10.2011
- Re: [Crew-Hauptmann-von-Koepenick] Liquid Feedback -Bezirksinstanz - Einige Antworten und Fragen, Yorvik, 30.10.2011
- Re: [Crew-Hauptmann-von-Koepenick] Liquid Feedback -Bezirksinstanz - Einige Antworten und Fragen, Oliver Kurlvink, 31.10.2011
- Re: [Crew-Hauptmann-von-Koepenick] Liquid Feedback -Bezirksinstanz - Einige Antworten und Fragen, Oliver Kurlvink, 31.10.2011
- Re: [Crew-Hauptmann-von-Koepenick] Liquid Feedback -Bezirksinstanz - Einige Antworten und Fragen, Yorvik, 30.10.2011
Archiv bereitgestellt durch MHonArc 2.6.19.