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ag-soziale_marktwirtschaft - Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] [AG-GOuFP] [AG-Wirtschaft] Mitarbeiterbeteiligung in Unternehmen - Antrag fürs Parteiprogramm ?

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

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Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] [AG-GOuFP] [AG-Wirtschaft] Mitarbeiterbeteiligung in Unternehmen - Antrag fürs Parteiprogramm ?


Chronologisch Thread 
  • From: Patrik Pekrul <patrik.pekrul AT hotmail.de>
  • To: "alex AT twister11.de" <alex AT twister11.de>
  • Cc: "<ag-geldordnung-und-finanzpolitik AT lists.piratenpartei.de>" <ag-geldordnung-und-finanzpolitik AT lists.piratenpartei.de>, AGWirtschaft <ag-wirtschaft AT lists.piratenpartei.de>, "<ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de>" <ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de>, "by-fg-wirtschaft AT lists.piratenpartei-bayern.de" <by-fg-wirtschaft AT lists.piratenpartei-bayern.de>
  • Subject: Re: [Ag-soziale_marktwirtschaft] [AG-GOuFP] [AG-Wirtschaft] Mitarbeiterbeteiligung in Unternehmen - Antrag fürs Parteiprogramm ?
  • Date: Sun, 29 Jul 2012 16:35:42 +0200
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>

Ich denke, der einzige Dissenz, den ich hier aber mit einigen habe, ist die Tatsache, dass ich "Horten" in einem Fiatgeldsystem nicht sehe.

Ich denke, dass ist ein letztes Rudiment von "Goldmünzendenken" in den Köpfen, das bei allem Verständnis, was Fiatgeld ist und wie Geld heute funktioniert, sich hartnäckig festgebissen hat - es ist ein Mythos, ein Artefakt, aber genau diese geistigen Fixpunkte sind halt schwer zu überwinden.

Da auf dieser ML aber nur schlaue Leute unterwegs sind, habe ich Hoffnung, dass irgendwann bei allen der Groschen fällt, das eine reiner BETRAG (mehr ist es nicht), der nur als Datum existiert, nicht "gehortet" werden kann.

Weiterhin hoffe ich auf die Einsicht, dass bei konsolidierter Betrachtung, Giralgeld der Wirtschaft nicht entzogen werden kann. Man kann zwar einen Betrag zwischen verschiedenen Konten hin- und herbuchen, die Summe vorhandenen Geldes bleibt aber immer die selbe - und ist somit stets verfügbar.

Es ist also systematisch ausgeschlossen, dass jemand dem Wirtschaftskreislauf Geld "entzieht", indem er es "hortet". Egal, was der einzelne mit dem Geld macht, es bleibt nie liegen, sondern ist immer auf der Passivseite irgendeiner Bank vorhanden - und die wird einen Teufel tun, nicht gleich Kredite in gleicher Höhe zu vergeben (ich vermeide an dieser Stelle bewusst die Bezeichnung "als Kredit weiterreichen").

Wenn man so will, existiert also eine Geldhaltegebühr bereits in Form des Guthabenzinses!

Wer hält denn das Geld wirklich? Wir sind und doch wohl alle einig, dass das Giralgeld de facto bei der Bank liegt, und dies wird so interpretiert, dass die "Anleger" ihr Geld dort nicht nur bunkern, sondern der Geschäftsbank eigentlich zur freien Verwendung LEIHEN (Passiv-Seite, Verbindlichkeit)

Die Banken HALTEN also unser Geld und müssen dafür Zinsen ZAHLEN. DAS ist doch genau die Umlaufsicherung!

Und was passiert? Na genau das, was die Theorie voraussagt: Die Banken setzen dieses Geld sofort wieder ein, da es ihnen ansonsten nur Kosten erzeugt. Eigentlich perfekt!

Das Problem ist lediglich die Fehlallokation!

Statt das Geld für Realinvestitionen auszugeben, investieren sie es in selbstgeschöpfte scheinrentable Finanzprodukte, die nur deshalb mehr Ertrag erbringen können, weil das alte Geld mit dem neuen bedient wird.

Insofern ist die "Umlaufsicherung" im Bankensektor längst Realität, führt aber dennoch nicht zu einem zufriedenstellenden Ergebnis. Das Geld zirkuliert zwar extrem schnell (Umsätze an den Finanzmärkten = 72x Welt-BIP), aber es fliesst dennoch nicht dorthin, wo es hinsoll - in die Realwirtschaft.

Hier brauchen wir einen Anreiz zur Umlenkung: Die Geldvermögenssteuer, um reine Finanzanlagen unrentabler und damit Realanlagen attraktiver zu machen.

Dies setzt aber das Grundverständnis voraus, dass nicht "Horten" das Problem ist, sondern "Fehlallokation"!

Auch ich bin guter Hoffnung ;-)


Am 29.07.2012 um 16:11 schrieb alex AT twister11.de:

2012/7/29 Patrik Pekrul <patrik.pekrul AT hotmail.de>





Modernes Modell: Aktienbeteiligung:

 

Ein modernes Modell könnte sein, dass Mitarbeiter Anteile an dem Wertzuwachs des Unternehmens in Form von Unternehmensanteilen wie Aktien bekommen.

Aktien gelten rechtlich als Eigenkapital. Ein Teil der Mitarbeiterentgelts kann also in Firmenanteile umgewandelt werden. Diese können frühestens 5 Jahre nach dem Ausscheiden verkauft werden. Ansonsten dienen sie als Rentenvorsorge. Sobald die Mitarbeiter über 50% des Unternehmenswertes halten, wird u.a. die Unternemensführung gewählt (sieh unten „volldemokratische Unternehmen“).

 

Wichtig dabei: Unternehmertum soll weiterhin gefördert und dadurch nicht untergraben werden. Unternehmer behalten bis zu einem z.B. Umsatz von 3 Mio. € die alleinige Leitung und durch ihren stets höheren Stimmrechtsanteil behalten sie eine Sonderstellung im Unternehmen. Machen sie ihren Job gut, werden sie auch dann ihre Führungsposition behalten, wenn sie eine guten Job machen. Unternehmerisches Aktivität und unternehmerisches Risiko müssen weiterhin angemessen belohnt werden, sonst geht diese wertvolle Kraft der Volkswirtschaft verloren.

 

Die Idee, Mitarbeiter zu beteiligen, findet durchaus Unterstützung bei großen Arbeitgebern. So sagt Reinhard Mohn, der frühere Bertelsmann-Konzern-Chef „Volkswirtschaftlich gesehen wäre es sicher viel leichter, auch einmal auf Lohnerhöhungen zu verzichten oder sie zu reduzieren, wenn die Mitarbeiter flächendeckend am Produktivkapital beteiligt wären. Dann hätten sie neben dem Lohn und später neben der Rente noch eine andere Einkommensquelle. Wir stünden bei den Arbeits- und Sozialkosten besser da und wären konkurrenzfähiger auf der Welt.“ [Stern, 1998\240] Würden also die Arbeitnehmer am Unternehmen beteiligt sein, könnten geringere Löhne  für den Lebensunterhalt reichen. Das Unternehmen könnte in Krisenzeiten besser überleben und Mitarbeiter mehr von florierenden Unternehmen profitieren.

 

 

Heute schon:

 

Der Grundgedanke wurde schon des öfteren per Mitarbeiteraktien verwirklicht:

Z.B: Siemens gibt Mitarbeiteraktien heraus. Die Mitarbeiter könen entscheiden ob sie welche wollen und bekommen sie zu einem vergünstigten Preis, dieser wird vom Gehalt abgezogen. Die Aktien liegen dann im Kundendepot der Mitarbeiter bei einer Bank.

 

Vorteil: Mitarbeiter bekommen Stimmrechte UND das Unternehmen behält Gelder, die sonst als Gehalt ausbezahlt worden wären für Investitionen im Unternehmen.

+1, die Beteiligung der Arbeitnehmer am unternehmerischen Risiko, wird aber von den Gewerkschaften massiv abgelehnt. Wie alle, wollen sie gerne Rendite, aber kein Risiko. Das geht aber nicht - genau diese Trennung von Ertrag und Risiko, egal in welcher Form, ist meines Erachtens der Kern für Fehlallokation und Wirtschaftskrisen.

+1
Hallo Patrick - Deine Aussage "Trennung von Ertrag und Risiko, egal in welcher Form, ist meines Erachtens der KERN für Fehlallokation und Wirtschaftskrisen"
Ja! Stimme ich 100% zu. Gespart statt Investiert wird aufgrund von Angst vor dem Risiko, ohne zu verstehen, dass man damit das Risiko maximiert und am Ende alles gegen die Wand fährt.
Wir haben ja bereits einige harte Diskussionen auf der Mailingliste hinter uns.
Trotz der scheinbaren mir nicht ganz erklärlichen unterschiedlichen Ansichten, stimmen aber die Grundannahmen dann doch wieder überein, was mich verwundert aber was auch Hoffnung macht :-)




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