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ag-soziale_marktwirtschaft - [Ag-soziale_marktwirtschaft] Werbung radikal regulieren – Wer möchte mitarbeiten?

ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft

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[Ag-soziale_marktwirtschaft] Werbung radikal regulieren – Wer möchte mitarbeiten?


Chronologisch Thread 
  • From: patrickfink <patrickfink AT news.piratenpartei.de>
  • To: ag-soziale_marktwirtschaft AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: [Ag-soziale_marktwirtschaft] Werbung radikal regulieren – Wer möchte mitarbeiten?
  • Date: Thu, 08 Dec 2011 16:08:21 +0000
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-soziale_marktwirtschaft>
  • List-id: "Wirtschaft, Finanzen, Soziales - soziale Marktwirtschaft" <ag-soziale_marktwirtschaft.lists.piratenpartei.de>
  • Organization: Newsserver der Piratenpartei Deutschland - Infos siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Syncom/Newsserver


Schädliche Werbung regulieren – Wer möchte mit an einer Petition arbeiten?

*1. Das Problem*
Werbung in der U-Bahn, an Hauswänden, auf der Freibadwiese, über dem Pissoir, auf Treppenstufen, Fußballstadien, Aufzug, Schulfluren, Flugzeugsitzen und überall befiehlt uns den ganzen Tag über dieses oder jenes zu tun und zu kaufen und dadurch schöner, glücklicher oder besser zu werden.

Werbung beeinträchtigt ganz unbewusst unser Selbstwertgefühl, gerade weil sie uns überall den ganzen Tag über umgibt.
Dabei hat die einzig sinnvolle Funktion von Werbung, uns über nützliche Produkte zu informieren, in unserer Überflussgesellschaft ihren Sinn verloren. Werbe-Macher arbeiten heute mit sehr ausgefeilten und teilweise psychologisch erforschten Methoden daran, unseren Verstand zu hintergehen: wie jeder beim Anblick der nächstbesten Duschbad-, Eiscreme- oder Auto-Werbung merken wird, indem sie unsere Emotionen reizen. Sie spielen auf unser angeborenes Konkurrenzverhalten an (Autos) oder laden zeichnen die Haut des Models für Body-Lotion am Computer künstlich weich. Manchmal lügen sie auch einfach ganz dreist: Nahrungsmittel in Werbefilmen sind meistens kunstvoll gestaltete Holzattrappen, da echtes Essen nie so perfekt aussehen würde.

Werbung ist in gesättigten Märkten wie es die meisten Verbrauchsgütermärkte in Europa sind außerdem eines der wenigen Mittel, mit denen die Unternehmen ihren Absatz, also Marktanteile vergrößern können.

Werbung verführt uns, Geld für fragwürdigen Nutzen auszugeben („X-Klingen-Rasierer“) statt es gründlich überlegt in wahrhaft sinnvollere Produkte (ganz individuell!) zu investieren und beeinflusst unser Selbstwertgefühl durch das Vorspielen von falschen und erlogenen Vorbildern (Models).

*2. Lösungsvorschlag (Skizze)*
Lasst uns auf einen Gesetzesentwurf hinarbeiten, der ähnlich wie für Alkohol- und Tabak heute schon Werbung sehr stark reguliert. Ebenso wie diese Werbe-Regeln sollten wir unsere direkt auf europäischer Ebene einbringen, allein schon um anderen Ländern den Aufwand zu ersparen. Das Gesetz soll nun k e i n totales Verbot werden, sondern eine intelligente Lösung für das Problem der Kommunikation „Produktnutzen -> Konsument“. Wie noch genauer zu diskutierenden Kategorien des Gesetzes wären:

_a) Die Gestaltung von Werbung: _
Reine Information (z.B. ein nicht nachbearbeitetes Foto und daneben ein schlichter schwarzer Text mit den Produktmerkmalen, keine Musik oder Dramaturgie etc.)

_b) Die Veröffentlichung von Werbung: _
Nicht mehr im öffentlichen Raum (also wie oben aufgezählt), auch nicht mehr so penetrant zwischen Medienangeboten, also Zeitungsseiten oder Fernsehsendungen). Eher sind „Konsumenten-Informations-Angebote“ zu konzipieren, die gebündelt und nach fair-informativen Gestaltungsrichtlinien eben neue Produkte vorstellen, z.B. am Ende einer Zeitschrift. (Natürlich ist diese neue Form der Werbung für den Werbekunden, also das produzierende Unternehmen weniger attraktiv als die alte Form direkt auf der Seite mit dem journalistischen Artikel, aber da ihm genau wie seinen Konkurrenten nichts übrig bleibt außer dieser Form (allgemeines Gesetz!), wird er trotzdem weiter inserieren. Ein neues Gleichgewicht bei erhöhtem Nutzen für den Konsumenten.)

*3. Organisation*
Ein Online-Team mit einer eigenen Arbeitsplattform (pad) sollte die Schaltstelle sein. Neben einem großen Team mit allen sollte ein Kern-Team entstehen, das sich auch gelegentlich treffen kann.
Aufgaben allgemein:
(1) Recherche bisheriger strenger Werbe-Regulierung in anderen Ländern (z.B. Buenos-Aires-Stadt, s.u.)
(2) Recherche von Kooperationspartnern (NGOs etc.) – auch in der dt. und europ. Politik
(3) Konsultation von Fachanwälten für den Gesetzesentwurf bzw. Petitions-Entwurf
(4) Vorbereiten einer PR-Strategie –gemeinsam mit den Koop-Partnern
(5) Petitions- bzw. Gesetzesentwurf
(6) Fundraising, Organisation und Durchführung der PR-Kampagne für Unterstützung in der Bevölkerung
(7) Einbringung ins Parlament

*4. Beispiele*
Sind zu recherchieren – ich weiß von sehr strengen Regeln in Südamerika, aber wir gehen wohl mit gutem Beispiel voran.

*5. Herausforderungen:*
_Medien: _
Die Medien, darunter auch Qualitätsmedien leben zu einem guten Teil von Werbeeinnahmen – hier müssen wir intelligente Lösungen erarbeiten. (Dass allerdings problematische Medienangebote wie RTL2 Finanzierungsschwierigkeiten bekämen ist ein willkommener Nebeneffekt, der aber noch zu diskutieren wäre.)
_Politik: _
Auch Parteien leben heute selbst zu einem guten Teil von Werbung – auch hier müssen wir intelligente Lösungen finden, um mit den großen Parteien zusammen ein Gesetz beschließen zu können.
_Wirtschaft: _
Wie erwähnt lebt die Konsumgüterindustrie von der Werbung, sie wird also ihre gesamte Money- and Brain-Power gegen uns aufbringen – insbesondere werden auch die Werbeagenturen um ihr Leben kämpfen, jeder Designer, Texter, Stratege wird wohl seine letzten Energiereserven anzapfen um gegen ein weitreichendes Werbeverbot zu kämpfen.

(Angehängt 3 Impressionen. Die ausgeschnittene Stadt-Werbung stammt aus dem Projekt CityWipeout von Pasi Kolhonen - http://www.we-make-money-not-art.com/archives/2006/06/-wwwsaumadesign.php)




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