ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de
Betreff: Liquid Democracy in der Piratenpartei
Listenarchiv
- From: Friedrich Lindenberg <friedrich AT pudo.org>
- To: LD Entscheidungs- und Diskussionsplattformen in der Piratenpartei <ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de>
- Subject: Re: [AG Liquid Democracy] Wieviel Liquid für die Piraten?
- Date: Tue, 29 Jun 2010 22:34:06 +0200
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-liquid-democracy>
- List-id: LD Entscheidungs- und Diskussionsplattformen in der Piratenpartei <ag-liquid-democracy.lists.piratenpartei.de>
Ahoi,
spannende und wichtige Frage. Meiner Ansicht nach gibt es einen sehr
großen Bereich der Piratenpartei (oder jeder Organisation), der von
Liquid unberührt bleiben muss: der *gesamte* Bereich, innerhalb dessen
das ehrenamtliche Engagement Einzelner stattfindet (von
Wahlkampfaktionen, Protesten bis hin zu IT und derartigen
Infrastrukturfunktionen).
Ausgenommen sollte auch die *gesamte* Arbeit gewählter Vorstände sein:
diese müssen in ihrem Handeln frei sein, auch wenn das manchen weh
tut. Als Faustregel: es sollte nicht der +20 auf dem Sofa dem +1 auf
Straße die Arbeit diktieren.
Was gehört also zum Liquid-Bereich? Alle programmatischen Fragen. Das
betrifft Wahlprogramm, Parteiprogramm und Positionspapiere. Dies wird
m.E. durch Liquid noch durch einen "Forderungskatalog" ergänzt, der
politische Forderungen enthält, die weder Wahl- noch Parteiprogramm
zuzuordnen sind.
Ich finde diese Unterscheidung zwischen operativem und strategischem
Bereich extrem wichtig: das eine (strategische) ist eine policy-Ebene
auf der Demokratie einen notwendigen und wünschenswerten Modus
darstellt. Bei operativen Fragen muss aber einfach gelten: wer macht,
hat recht. Sonst löst sich die Partei in eine handlungsunfähige,
exzessive Basisdemokratie auf, ohne wirklich auf politischer Ebene
irgendetwas gewonnen zu haben.
My 2 cts.
Friedrich
2010/6/29 <bvdb_pp AT kanka.de>:
> Ahoi,
>
> bevor man die Logik von Abstimmungen, also auch die Debatte
> geheim-sicher-nachvollziehbar aufnimmt, erscheint mir eine andere Frage
> interessant:
> Wieviel "Liquid" ist für die Piratenpartei eigentlich angemessen?
>
> Hintergrund ist meine Ansicht, dass zwischen ehrenamtlichen Organisationen
> und staatlichen Institutionen zu unterscheiden ist.
>
> Das Ehrenamt enthält ja auch die Frage, wieviel Energie Menschen überhaupt
> in das Projekt, hier also Politik, stecken wollen - weil sie umgekehrt unter
> den Defiziten der vorhandenen Politik (/Parteien) leiden (im übertragenen
> Sinne).
> (Mehr dazu hier:
> http://liquid-politics.de/index.php?post/Ehrenamt-und-Organisation )
>
> Die etablierten Institutionen des Staates haben ja (deswegen) eine gewisse
> Verkrustung, also durch die Struktur, die Umständlichkeiten usw. soll auch
> verhindert werden, dass Änderungen sich durchsetzen.
> In der Politik sind das die Ämter, die Fraktionen, die Machtspielchen, die
> Hinterzimmer mit Nebenabreden usw., die Politik insgesamt undurchschaubarer
> machen.
>
> _Dafür_ finde ich das Hinterfragen durch liquide Systeme, wo also Ratgeber,
> Lobbys und Experten offen und auf Augenhöhe für Stimmen bzw. Delegationen
> werben müssen, ein Gewinn - die Verkrustung wird damit zumindest vermindert,
> oder entmachtet.
>
> Aber bei den Piraten sehe ich solche Institutionen gar nicht. Da muss doch
> häufig durch Versuch-und-Irrtum erst noch erprobt werden, wieviel
> Organisation (also überhaupt Strukturen, die vielschichtiger sind als "Einer
> und seine Stimme") sinnvoll ist, damit man Ergebnisse bekommt; die dann auch
> eine gewisse Legitimität und Unterstützung bekommen.
>
> Soweit mal ein paar Gedanken.
> Wie seht ihr das - wofür ist das Liquide (IMO im Sinne von "Hoch-flexibel")
> bei den Piraten brauchbar?
>
> Gruß / Bernd
>
> --
> - Pirat b -
> _______________________________________________
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>
- [AG Liquid Democracy] Wieviel Liquid für die Piraten?, bvdb_pp, 29.06.2010
- Re: [AG Liquid Democracy] Wieviel Liquid für die Piraten?, Friedrich Lindenberg, 29.06.2010
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