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ag-liquid-democracy - Re: [AG Liquid Democracy] Durchführung einer politischen Entscheidungsfindung

ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Liquid Democracy in der Piratenpartei

Listenarchiv

Re: [AG Liquid Democracy] Durchführung einer politischen Entscheidungsfindung


Chronologisch Thread 
  • From: Friedrich Lindenberg <friedrich AT pudo.org>
  • To: LD Entscheidungs- und Diskussionsplattformen in der Piratenpartei <ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de>
  • Subject: Re: [AG Liquid Democracy] Durchführung einer politischen Entscheidungsfindung
  • Date: Wed, 2 Dec 2009 13:11:04 +0100
  • List-archive: <http://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-liquid-democracy>
  • List-id: LD Entscheidungs- und Diskussionsplattformen in der Piratenpartei <ag-liquid-democracy.lists.piratenpartei.de>

Hallo Kai,

> Bei einer potentiell unüberschaubaren Anzahl von Delegierten ist die
> Frage wie eine Entscheidungsfindung aussehen soll, wie Kompromisse und
> Lösungen gefunden werden können, und ob das Verfahren effektiv genug
> ist, von entscheidender Bedeutung.

Da gebe ich Dir Recht, auch wenn ich es eher "Meinungsfindung" nennen
würde. Nur bin ich mir nicht sicher, inwiefern wir das Verfahren an
sich modellieren können (oder sollten). Als LD-Entwicklen bleibt uns
letztlich nur Tools bereit zu stellen, die es erlauben verschiedene
Magie mit Vorschlägen zu treiben, der Prozess an sich sollte im besten
Fall ein Resultat sozialer Konvention sein (vgl. WP:NPOV & co).

> - Wir haben N Delegierte die jeweils eine eigene Position vertreten.

Eine böse Unterstellung: Du meinst "Parlamentarier". Das unterstelle
ich Dir, weil den Delegierten bei Dir scheinbar die de-facto
Antragskompetenz zukommt (entspricht Votorola, btw.) und sie auch
privilegiert an anderen Tätigkeiten (Merging-Metrik) teilnehmen.

Darauf würde ich aber gerne verzichten: macht man an der Anzahl der
empfangenen Delegationen im System auch die Rechte in der Moderation
fest, dann befürchte ich eine oligarchische Struktur. Bei Adhocracy
sind deshalb "Delegationen" und "Karma" getrennt: Delegationen messen,
wie viele Leute meine Meinung im allgemeinen unterstützen, das Karma
fasst die Qualität meiner Beiträge innerhalb der Debatte zusammen. Ein
Populist erreicht in diesem System vielleicht eine große Zahl von
Delegationen, aber sein Karma-Level bleibt u.U. gering - er entwickelt
daher keinen Einfluss auf die Moderation der Debatte.

> Viele dieser Positionen werden sich stark ähneln, und zusammengefasst
> werden können.
> [...]
> Das ist Algorithmisch gesehen eine Clustering Aufgabe. Was jedoch
> fehlt, ist eine Metrik um die Ähnlichkeit von Positionen zu bestimmen,
> und eine Methode ähnliche Positionen zusammenzufassen.

Hier sei am Rande die LiquidFeedback-Idee angemerkt: irgendjemand
bringt einen Leitantrag ein und wer eine ähnliche Position vertritt,
bringt diese als Vorschlag zum Leitantrag vor.

Mir sind beide Entwürfe ein wenig zu formal, die qualitativen
Eigenschaften einer Debatte sollten m.E. im Vordergrund stehen. Zwingt
man Delegaten (oder irgendwen) das Differential zwischen zwei
Positionen zu quantifizieren kauft man sich gigantische Meßprobleme
ohne die Frage "Was ist besser?" wirklich angegangen zu sein.

Glaubst Du, dass jeder Delegat (oder Wähler) zu Anfang eine eigene
Position hat? Könnte man nicht die Positionen als Diskussionen
begreifen, an denen Viele beteiligt sind?

Die Frage "Was ist besser?" (also die eigentliche Debatte) willst Du
in Arbeitsgruppen auslagern, aber sie sollte eigentlich der Kern sein.
Um es anders auszudrücken: LD sollte die Arbeitsgruppe sein, wie
machen wir die? Die analoge Antwort ist: wir schließen uns in einen
Raum ein und verhandeln. Das skaliert jedoch leider genauso wenig, wie
es eine ortsunabhängige Diskussion zulässt. Die digitale Antwort
darauf ist leider nicht "Ja, wir nehmen halt ein Forum oder ein Wiki
oder ein Etherpad", das klappt einfach in der Praxis nicht: keines
dieser Tools ist auf eine Einigung unter der Berücksichtigung
vorliegender (und sich ändernder!) Mehrheitsverhältnisse ausgelegt.
Also brauchen wir ein neues Tool, i.e. LD.

> Ziel ist es, die N Positionen auf eine überschaubare Anzahl von
> Positionen zurückzuführen über die dann eine Abstimmung erfolgen kann.

Auch hier: Warum muss es "eine Abstimmung" sein? Sollten wir nicht
Raum lassen für einen Prozess rapider Iteration im Sinne einer "agilen
Gesetzgebung"? Die Abstimmung ist letztlich der erste Schritt einer
Erprobung einer Maßnahme (wörtl.: Akzeptanztest); wir sollten sie also
- (um noch ein wenig tiefer in die Coder-Metapher abzusinken) - so oft
wie möglich ausführen und dafür sorgen, dass die Ausführung nicht zu
lange dauert.

Das ist komischerweise auch fast alles was ich zu Deiner anderen Mail
(re Wahlgeheimnis) sagen will: Abgesehen von der Frage, ob eine
geheime Wahl möglich ist - und ich sehe erhebliche Probleme in der
(benutzerfreundlichen) Umsetzung - ist sie in einem solchen Modell
nicht besonders erstrebenswert: eine verdeckte Abstimmung liefert
schlicht weniger Information zur Fortsetzung der Debatte.

> --
> Der gleiche Thread an anderer Stelle: http://de.liquid-democracy.eu/forum/

Netter Domainname, aber wenn wir irgendwo noch ne Diskussion aufmachen
wäre ich dafür dass das wiki.liqd.de und die demnächst folgenden
liqd.de-Mailinglisten sein werden. Wir machen sonst grade einfach zu
viele Baustellen auf.

Lg, Fr.




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