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ag-liquid-democracy - Re: [AG Liquid Democracy] Eine Idee..

ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de

Betreff: Liquid Democracy in der Piratenpartei

Listenarchiv

Re: [AG Liquid Democracy] Eine Idee..


Chronologisch Thread 
  • From: Friedrich Lindenberg <friedrich AT pudo.org>
  • To: LD Entscheidungs- und Diskussionsplattformen in der Piratenpartei <ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de>
  • Subject: Re: [AG Liquid Democracy] Eine Idee..
  • Date: Sun, 4 Oct 2009 00:49:01 +0200
  • List-archive: <http://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-liquid-democracy>
  • List-id: LD Entscheidungs- und Diskussionsplattformen in der Piratenpartei <ag-liquid-democracy.lists.piratenpartei.de>

Hi Ulrich,

> Wir nehmen einfach ein Sozial Network - eventuell kooperation mit
> bestehenden sozial networks, Piraten könnten dort eine zusatzfunktion
> nutzen um Stimmen zu deligieren.

Das entspricht ja ziemlich genau der aktuellen Crabgrass-Option aus
Hessen: hier soll für das MyPirates-Portal die Crabgrass-Software
verwendet und für Funktionen zur LD-Abstimmung und zur Diskussion
erweitert werden. Dafür spricht - soweit ich das überblicken kann -
die relativ ausgereifte Software. Gefährlich ist hingegen die Idee ein
eigenes Piraten-Social-Network machen zu wollen, meine persönliche
Erfahrung ist, dass so etwas relativ schnell abstirbt wenn nicht zu
Anfang ein paar Wunder passieren.

> Nun statt die Funktion mit "Freunde" zu benennen -- nennen wir es
> Stimme und man hat nur eine davon (man könnte natürlich auch jedem
> mehrere geben aber das wird am Anfang zu komplex)

Obwohl Du Recht hast und Delegations- und Freundschaftsbeziehungen
strukturell durchaus vergleichbar sind, würde ich davor warnen Freunde
und Delegaten in irgendeiner Weise zu vermischen: Die Leute mit denen
ich befreundet bin teilen nicht meine politischen Ansichten. Sie sind
als Delegaten zunächst nicht ideal. Die Kriterien für die Auswahl von
Delegaten sind ungleich komplexer als die zur Auswahl von Freunden auf
Facebook (der Chauvinistenalgorithmus: Kenn ich den oder wenn nein,
sieht sie gut aus?). Hier kann man zum Beispiel historisches
Stimmverhalten, Reputation usw. als Indikatoren in das System
integrieren.

Zudem muss man natürlich die Delegationen auf irgendeiner inhaltlichen
Ebene - sei es bei der Einzelentscheidung oder im Bezug auf
Politikfelder - gliedern.

> für die Abstimmung würde ich eine seperate software nutzen um per mail
> oder auch post, und telefon eine Abstimmung zu ermöglichen.

Was für Gründe siehst Du, um Delegationsgraphen und Abstimmungssystem
zu trennen? m. E. stellt das eine die Basis für das andere dar, eine
Trennung halte ich nicht für notwendig/sinnvoll.

Natürlich sollte man mittelfristig Wege finden, um Offline-Teilnehmern
eine Teilnahme zu ermöglichen. Für eine Pilotphase, insbesondere im
Rahmen der Piratenpartei halte ich das für übertrieben, lasse mich
aber gerne eines Besseren belehren. Ich glaube die Hürde von einem
puren Online-System zu einem post- oder telefonfähigen System ist eher
institutionell, nicht technisch.

> natürlich kann jeder seine stimme jederzeit woandershin verteilen.
> wer für mehr leute als sich selbst abstimmt muss seine wahl offenlegen.

Das würde ich erweitern: Abstimmungen die von *einem* Computer betreut
werden sollten immer öffentlich sein. Alles andere erzeugt einen
Wahlcomputer - und das kann wirklich nicht das Ziel sein. Trotzdem ist
es sicherlich interessant sich im Rahmen der AG irgendwann mal mit
Methoden zur kryptografischen Absicherung zu beschäftigen, auch wenn
es um offene Abstimmungen geht.

> Fest stehend ist das profil. Wahlurne . Am Anfang enthält sie alle
> Stimmen der Mitglieder, und die Anzahl kann sich nicht verändern, nur
> der Weg dorthin.
> natürlich kann jeder sein "path" zur wahlurne sehen.

Du meinst über geänderte Delegationen? Da kann sich durchaus auch die
Stimmenzahl ändern, kein Problem.

> PS: innerparteilich ist dies schon ein spannendes Experiment .. ob es
> Gut für Deutschland ist wenn das passiert was das volk für richtig
> hält sollte generell mal diskutiert werden.

Lass uns das ganze hier wirklich als parteiinterne Diskussion führen;
eine Anwendung von LD auf Bundes-, Landes- oder Lokalpolitik ist zwar
eine nette Träumerei aber momentan vollkommen unrealistisch.
Vielleicht können wir da in fünf Jahren nochmal drüber reden, oder in
zehn.

Viele Grüße und einen schönen Abend,
Friedrich




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