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nrw-duisburg - Re: [NRW-Duisburg] Zum Problem FOC

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Betreff: Infos für Duisburger Piraten

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Re: [NRW-Duisburg] Zum Problem FOC


Chronologisch Thread 
  • From: duisblog <duisblog AT news.piratenpartei.de>
  • To: nrw-duisburg AT lists.piratenpartei.de
  • Subject: Re: [NRW-Duisburg] Zum Problem FOC
  • Date: Fri, 02 Mar 2012 13:05:20 +0000
  • List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/nrw-duisburg>
  • List-id: Infos für Duisburger Piraten <nrw-duisburg.lists.piratenpartei.de>
  • Organization: Newsserver der Piratenpartei Deutschland - Infos siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Syncom/Newsserver


Hier mal einige Notizen von mir zum Outlet-Center. Heute um 17:00 ist die erste, laut Baugesetz verpflichtende Bürgeranhörung dazu. Erstens kommt das vielleicht etwas spät, zweitens ist es als "Sondersitzung der Bezirksvertretung" getarnt. Hier geht es massiv darum, gegen den Bürgerwillen ein Heuschreckenprojekt durchzusetzen. Wir sollten uns da am Wochenende mit einer Pressemeldung eindeutig platzieren.

Der Begriff Heuschrecken wurde 2005 vom damaligen SPD-Vorsitzen Franz Müntefehring für anonyme Investoren geprägt, die sich in erster Linie für kurzfristige Gewinne interessieren, und dann eine kahle, abgefressene Landschaft hinterlassen. Auf der Informationsveranstaltung zum Outlet-Center im Duisburger Norden sprach nun Walter Ziegler von der Firma Immeo davon, dass es auch "liebe Heuschrecken [1] gäbe.

Abgesehen von dem ziemlich schief ausgefallenen Bild - Was soll das sein, eine "liebe" Heuschrecke? Eine die freundlich statt gierig alles weg frißt? - wirft er damit einen Begriff in die Diskussion, dem nachzugehen ist. Wer steckt eigentlich hinter Douvil, dem Duisburger Outlet Village? Heuschrecken, wie Müntefehring sie sah, oder sich um die Region sorgende Konzerne?

Gebaut wird das Douvil von der German Developemnt Group, Düsseldorf. Nach Fertigstellung wird das Gelände verpachtet an Freeport LtD aus London. Freeport wurde 2007 von der us-amerikanischen Beteiligungsgesellschaft Carlyle übernommen. Vorher war die wirtschaftliche Situation eher angeschlagen. Im letzten Geschäftsjahr, das im Juni 2011 endete, vermeldete Freeport einen Netto-Gewinn-Zuwachs von 22%. Freeport bekam im letzten Oktober eine Finanzauffrischung im 3-stelligen Millionenbereich durch einen nicht genannten Staatsfond aus dem mittlere Osten.

Carlyle ist eine überaus erfolgreiche Private Equity Gesellschaft. D.h. sie nehmen Geld, aber nicht von jedem, investieren es, in dem sie Firmen kaufen und wieder verkaufen, nachdem sie sie irgend wie umgemodelt haben. Die Öffentlichkeit weiß sehr wenig darüber, wer hinter Carlyle steckt. Im Aufsichtsrat finden sich u.a. George Bush sen. und James Baker, Ex-Aussenminister. Carlyle hat eine mehr als enge Beziehung zur ehemaligen amerikanischen Regierung, die Trennung von Wirtschaft und Politik sind hier nicht mehr gegeben. [9]

Ich möchte nicht den Aufschrei hören, wenn es darum ginge, für ein Einkaufsparadies einen anderen Stadtteil abzureißen, sagen wir z.B. Rahm. Da weiß jeder, damit kommt man nicht durch. Der Einwand, der nun erhoben wird, ist mir auch klar: In Rahm stehen ordentliche Einfamilienhäuser, während am Zinkhüttenplatz gammelige Wohnsilos stehen.
Nur: Wer trifft denn diese Unterscheidung? In der Regel nicht die Bewohner des gammeligen Wohnsilos, sondern die Bewohner der ordentlichen Einfamilienhäuser. Was implizit in dieser Unterscheidung in abrissfähig und nicht abrissfähig steckt, ist die Bewertung des Wohnraumes. Womöglich hätten die Anwohner des Zinkhüttenplatzes auch gerne ihr Leben in ordentlichen Einfamilienhäusern verbracht, konnten sich dieses Leben aber nicht leisten. So wurde das Wohnsilo ihre Heimat. Mit welchem Recht bestimmen nun andere darüber, das ihre Heimat nicht erhaltenswert ist? Nur weil sie sich nicht leisten konnten in ordentlichen Einfamilienhäusern zu wohnen dürfen andere nun über den Fortbestand ihrer Wohnungen bestimmen? Sind nur die Häuser der Reichen schützenswert? Ganz offensichtlich ist es nicht so, dass die Bewohner des Zinküttenplatzes unter ihrer Wohnsituation leiden und wohnliche Alternativen suchen.

Weitere Infos:

Geplante Investitionssumme: 40 Millionen Euro [2][3]

Flächen:
20111017--Rat entscheidet über Grundstückskauf: 6,5 Millionen Euro für 50.000 m2 [3]
benötigte Zusatzflächen gehören Grillo und Immeo. [4]
Besucher:
Bei einer Autofahrt von zwei Stunden gibt es 20 Millionen Besucher, die drei Mal im Jahr ein Outlet besuchen. [4]
Abriss von 2.400 Wohnungen [7]

Baubeginn 2012
"Die Weihnachtsgeschenke 2013 soll es schon dort zu kaufen geben, wo noch die Rhein-Ruhr-Halle steht." [5]
1. Bauabschnitt: 15.000 m2 Verkaufsfläche [3]
2. Bauabschnitt: Im Sep. 2011 heißt es: Erweiterung auf 25.000 m2 Verkaufsfläche [3][5], Stand 09/2011
3. Bauabschnitt: Im Jan. 2012 ist die Rede von 28.000 m2, 2.500 Autostellplätze bis 2017, Stand 01/2012 [6]
Angebot:
Geplant: über 100 Shops [4]
Stand 01/2012: 140 Geschäfte [5]
70-80 Mietinteressenten, Stand 09/2011 [3]

600 bis 800 dringend benötigte Arbeitsplätze. [5]
Teil- und Vollzeitarbeitsplätze [6]

Baubeginn soll nach Möglichkeit noch in diesem Jahr sein [6]

Mit 13,5 Millionen Menschen im Radius von 60 Minuten Fahrzeit habe das Duisburger Outlet nach einem Center nahe Paris in Europa das höchste Kundenpotenzial. Mit zusätzlichen Handelsneubauten an der Duisburger Straße will Sevenheck Outlet Center und August-Bebel-Platz verbinden. [6]

Wozu ich keine Angabe gefunden habe, ist die erforderliche Anzahl der täglichen Besucher, die für einen erfolgreichen betrieb erforderlich sind.
Roermond ist ähnlich groß und hat 4.000.000 Besucher im Jahr. Das entspricht 12.000 am Tag. Sitzen 3 Personen in einem Auto, dann bedeutet das, jeden Tag kommen 4.000 Autor und 4.000 Autos fahren wieder weg. Ich habe Zweifel, dass die Zufahrtswege das verkraften.

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[1] Auch der Vertreter der Immobilfirma IMMEO Ziegler, der während der zweistündigen Veranstaltung nicht die beste Figur abgab, setzte noch einen drauf und sprach von “lieben Heuschrecken” und auf die Frage, warum die Anwohner von den Kündigugen ihrer Wohnungen aus der Zeitung erfahren mussten, lapidar mit “keiner kann die Vergangenheit ändern”.
http://www.xtranews.de/2012/02/29/video-duisburger-wutburger-gegen-bau-des-factory-outlet-center/
[2] Innerhalb der Frist ging laut Angaben der Stadt nur das Angebot der German Development Group aus Düsseldorf ein. ... Das Unternehmen will – wie bereits berichtet – an Stelle der Rhein-Ruhr-Halle in Marxloh 40 Mio Euro in ein Fabrikverkaufszentrum investieren. Baubeginn könnte schon im kommenden Jahr sein. Das Outlet Center ist wegen möglicher schädlicher Auswirkungen auf den Handel in der Innenstadt und in den Stadtteilen nicht unumstritten.
http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/nur-ein-bewerber-fuer-outlet-center-in-hamborn-id4996523.html
[3] http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-dinslaken-huenxe-und-voerde/outlet-plaene-in-marxloh-gedeihen-id5019897.html
[4] http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/investor-will-rhein-ruhr-halle-in-duisburg-hamborn-als-landmarke-erhalten-id5093381.html
[5] http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/Politik-entscheidet-Mitte-Oktober-ueber-Design-Outlet-Village-in-Duisburg-id5107199.html
[6] http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/plaene-fuer-das-duisburger-outlet-werden-zweimal-offengelegt-id6236171.html
[7] http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/outlet-center-und-abrissplaene-entzweien-die-linken-id6250636.html
[8] http://www.propertyeu.info/index-newsletter/carlyles-freeport-gets-triple-digit-equity-injection-from-swf/
[9] http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Privatkriege/carlyle.html




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