nrw-ak-kultur AT lists.piratenpartei.de
Betreff: Nrw-ak-kultur mailing list
Listenarchiv
- From: Valentin Brückel <val AT gmx.com>
- To: NRW - Mailingliste <nordrhein-westfalen AT lists.piratenpartei.de>, nrw-ak-kultur AT lists.piratenpartei.de
- Subject: [Nrw-ak-kultur] Stellungnahme der Bonner Piraten zur Oper / zum Bürgerbegehren
- Date: Fri, 12 Oct 2012 12:03:53 +0200
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/nrw-ak-kultur>
- List-id: <nrw-ak-kultur.lists.piratenpartei.de>
- Organization: Piratenpartei Bonn
tl;dr
Es gibt kein Bürgerbegehren gegen die Bonner Oper, die Entscheidung darüber
fällt erst in einigen Wochen.
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Diese Woche herrschte große Aufregung: Diverse, auch überregionale Medien
berichteten, die Bonner Piraten machten ein Bürgerbegehren gegen die Bonner
Oper oder gar gegen sämtliche kulturellen Einrichtungen in Bonn. Diese
Darstellungen entfernen sich zunehmend von der Faktenlage.
Faktenlage zum Bonner Opern-Bürgerbegehren
Hintergrund der ganzen Diskussion ist die Haushaltslage. Bonn ist eine der
wenigen NRW-Städte ohne Nothaushalt, steht jedoch kurz davor. In diesem Fall
müsste bei den freiwilligen Leistungen (in Bonn ca. 170 Mio bei einem
Haushaltsvolumen von rund einer Milliarde) massiv gekürzt werden. Der größte
Teil der freiwilligen Leistungen geht in soziale Leistungen, größter
Einzelposten ist aber der Etat für Kultur und Sport, der zusammen 42% der
freiwilligen Leistungen ausmacht. Davon fließt knapp die Hälfte an die Oper.
Da die Oper zusammen mit den städtischen Theatern in einen Eigenbetrieb
ausgelagert ist, finden sich zu den genauen Kosten der Oper jedoch keine
Zahlen im städtischen Haushalt.
Im Zuge der Haushaltsdiskussion wollten wir diese Zahlen haben, um überhaupt
eine Diskussionsgrundlage zu haben. In den vergangenen Jahren hatten wir
bereits massive Kürzungen bei den Zuschüssen für die freie Kultur auf
inzwischen unter 2% des Kulturetats erlebt, von denen u.a. so angesehene
Bühnen wie die Springmaus und das Pantheon unterstützt werden. Die
Rheinkultur
ist dieser Entwicklung bereits zum Opfer gefallen. Auf der anderen Seite wird
gerade diskutiert, die Zuschüsse für die Oper für die nächsten 5 Jahre per
Intendantenvertrag festzuschreiben, womit sie auch im Nothaushalt dem Zugriff
der Bezirksregierung entzogen wären.
Kurz gesagt: Wir waren der Meinung, dass man das in Bonn herrschende
Schweigekartell brechen müsste und die Kosten und Leistungen der Oper
zumindest einmal ergebnisoffen ansprechen müsste.
Deshalb haben wir uns mehrfach an Stadtkämmerei und Theater Bonn gewand, um
möglichst viele Zahlen und Fakten zu erhalten, stießen jedoch auf eine Mauer
des Schweigens. Um einerseits einen Rechtsanspruch auf Auskunft zu haben und
andererseits eine Drohkulisse aufzubauen, haben einige Piraten nach Beratung
im Rechtsamt, Kulturamt und Wahlamt um eine Kostenschätzung für ein
Bürgerbegehren zur Abschaffung der Oper angefragt. Darauf erfolgt bisher
keine
Reaktion der Stadt, aber wenige Tage später war in der Lokalpresse zu lesen,
die Piraten starteten ein Bürgerbegehren gegen die Oper. Im Nachhinein hätte
man damit rechnen können, aber uns traf das in dieser Heftigkeit
unvorbereitet. Die letzten Tage waren wir fast ununterbrochen damit
beschäftigt, auf Presseanfragen möglichst unverfängliche Antworten
auszuarbeiten, nur um dann noch wieder neue Horrormeldungen über unsere
angeblichen Pläne zu lesen.
Fakt ist:
* Es gibt noch kein Bürgerbegehren, ob es eines geben wir und mit welcher
Fragestellung, wird bei uns durchaus heftig diskutiert
* Es drohen massive Einschnitte bei Sozialleistungen, in deren Zusammenhang
über alle freiwilligen Leistungen der Stadt diskutiert werden muss
* Über die Kosten der Oper muss man reden, gerade auch im Verhältnis zur
immer weiter zusammengestrichenen freien Kultur
* Wir fordern keine Schließung der Oper (das wäre ein mögliches Ergebnis des
Diskussionprozesses, ebenso wäre z.B. die von unserem OB vorgeschlagene
Fusion
mit der Kölner Oper denkbar, oder moderate Einsparungen oder ein Erhalt des
Status Quo)
* Wir wollen, dass alle Kosten, Auslastungszahlen und Freikartenkontingente
offengelegt werden
* Die Bonner Oper ist für die Steuerzahler nach Duisburg die zweitteuerste in
NRW, ihr Ansehen ist schlecht
Die letzte Woche war für uns sehr kräftezehrend und wir bitten um
Verständnis,
dass wir nicht jeden individuellen Auskunftsanspruch einzelner Piraten binnen
weniger Minuten entsprechen konnten. Wir halten den Kern unseres Anliegens
nach wie vor für gerechtfertigt, aber die Diskussion darüber ist völlig aus
dem Ruder gelaufen. Deshalb bitten wir Euch, von öffentlichen
Schuldzuweisungen und Distanzierungen abzusehen. Stattdessen würden wir uns
freuen, wenn Ihr mithelfen könntet, die Diskussion wieder in sachliche Bahnen
zu lenken.
Bonn hat ein vielfältiges kulturelles Leben, das akut bedroht ist. Umso mehr
ärgert es uns, dass ein relativ kleiner Teil davon einen großen Teil der
verfügbaren Gelder einstreicht und von jeder weiteren Diskussion ausgnommen
werden soll.
--
Valentin Brückel
https://twitter.com/#!/bridgerdier
http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:Val
- [Nrw-ak-kultur] Stellungnahme der Bonner Piraten zur Oper / zum Bürgerbegehren, Valentin Brückel, 12.10.2012
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