Quelle: http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=21935
Treibjagd beginnt: Islands
Regierung setzt Kopfgeldjäger auf kriminelle Bankster an
Juli 18, 2012
Dass Island in der Finanzkrise andere Wege als
seine Nachbarn in der Europäischen Union geht, zeigt sich nicht nur daran,
dass man die Großbanken des Landes einfach kollabieren ließ. Wer in der
Bankenwelt an dem vor dem Zusammenbruch aufgeblasenen Ponzi-System beteiligt
war, hat nun sicherlich Grund, den Kopf einzuziehen oder schlichtweg
abzuhauen. Denn die Regierung hat nun einen Kopfgeldjäger auf die betreffenden
Bankster angesetzt, die das Land in seine schlimmste Wirtschaftskrise in der
Historie hinein manövrierten.
Die Samthandschuhe fliegen jetzt in die Ecke: Island geht mit bestem
Beispiel voran, um kriminelle Bankster und Politiker dingfest zu machen
Anstatt die Zerstörer von Weltwirtschaft und
Gesellschaften mit Samthandschuhen anzufassen und ihnen die Milliarden
hinterher zu werfen, geht man in Island einen komplett anderen Weg. Dort hat
man Großbanken wie Kaupthing, Glitnir und Landsbanki auf dem Höhepunkt der
globalen Finanzkrise zusammenbrechen lassen und urteilt deren Manager nun für
ihre fehlgeschlagenen Spekulationen vor Gericht
ab.
Erst Mitte Juni wurden Ragnar Gudjonsson,
ehemaliger Vorstandschef der Byr Savings Bank, und deren Ex-Präsident Jon
Jonsson zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Für beide Verurteilte wurde
dasselbe Strafmaß von viereinhalb Jahren ohne Bewährung angesetzt, wie die
Richter am Obersten Gerichtshof Islands in
ihrem Urteil befanden. Beide Angeklagte sind damit des Betrugs im so
genannten Exeter-Fall für schuldig gesprochen worden. Auf dem Höhepunkt der
globalen Finanzkrise im Jahr 2008 missbrauchten Jonsson und Gudjonsson ihre
exponierte Stellung bei der Byr Savings Bank, um kurz vor dem Kollaps des
isländischen Bankensystems die Vergabe eines 800 Millionen Kronen schweren
Kredits an die Firma Exeter Holding zu veranlassen.
Doch dieser Kredit wurde nicht für Investitionen oder
sonstige Geschäftsaktivitäten bei Exeter genutzt, sondern um die durch Jonsson
und Gudjonsson gehaltenen Aktien an der Byr Savings Bank zu erwerben. Im
Gegenzug wurden eben jene Aktien als Sicherheit für den erhaltenen Kredit
hinterlegt. Die Richter des Obersten Gerichtshofs Islands befanden, dass
dieses Gebaren einem schwerwiegenden Betrug gleichkomme, weshalb das Strafmaß
für beide Angeklagten recht hoch ausfiel. Doch Islands Regierung geht nun noch
einen Schritt weiter, indem sie einen Kopfgeldjäger zur
Überführung von weiterhin auf freiem Fuß befindlichen Bankstern
ansetzt. Der ehemalige Polizeileutnant Olafur Por Hauksson ist nun
durch die Regierung damit beauftragt worden, Personen aus dem Finanzsektor zur
Strecke zu bringen, die mit dazu beitrugen das heimische Bankensystem im Jahr
2008 kollabieren zu lassen.
Hauksson wird die Aufgabe anvertraut, alle Aktionen mit
Verdacht auf betrügerische Handlungen vor dem Zusammenbruch des heimischen
Finanzsystems zu untersuchen. Die daraus resultierenden Anklagen sollen
Schritt für Schritt an die eigenen Gerichte zum Zwecke einer Aburteilung der
Involvierten übermittelt werden. Dass weder Politiker noch Bankster vor dem
Zugriff einer extra für Hauksson geschaffenen Investigationsabteilung sicher
sein sollen, zeigt allein die Tatsache, dass bereits der ehemalige
Personalchef des Finanzministeriums wegen Verdacht auf Insiderhandel in den
Fokus der Ermittler geraten ist. Insgesamt wird Hauksson eine Gruppe von 100
Sonderermittlern unterstellt sein, die nichts anderes als die Aufgabe haben,
als den auf dem Land lastenden Schandfleck auszumerzen, indem die
Verantwortlichen ihrer gerechten Strafe zugeführt werden.