ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de
Betreff: Liquid Democracy in der Piratenpartei
Listenarchiv
- From: "I.Enys Untra" <Untra AT news.piratenpartei.de>
- To: ag-liquid-democracy AT lists.piratenpartei.de
- Subject: Re: [AG Liquid Democracy] Delegationen Ja oder Nein?
- Date: Thu, 29 Mar 2012 03:03:18 +0000
- List-archive: <https://service.piratenpartei.de/pipermail/ag-liquid-democracy>
- List-id: Liquid Democracy in der Piratenpartei <ag-liquid-democracy.lists.piratenpartei.de>
- Organization: Newsserver der Piratenpartei Deutschland - Infos siehe: http://wiki.piratenpartei.de/Syncom/Newsserver
Meine €2,52 dazu:
* Ich lehne *Kettendelegationen* /vollständig/ ab. Man deligiert an *eine* Person; wenn diese die Stimmen weiter "verhökern" kann, dann liegt das vollkommen außerhalb meiner Kontrolle. Stattdessen sollte der Delegierte eine Empfehlung aussprechen, statt seiner selbst jemand anderen zu delegieren; damit behält der Stimmberechtigte auch die volle Kontrolle über seine Stimme. - Dagegen kann der Delegierte sich natürlich in seinem Stimmverhalten an anderen orientieren.
* In Liquid Democracy-Tools sehe ich auch in Delegationen keinen wie auch immer gearteten Sinn. Die Schwelle, selbst zu stimmen, ist niedrig; auch hier: Man kann in offenen Namensabstimmungen sein Stimmverhalten an anderen Stimmberechtigten orientieren. Delegationen haben den Sinn, auch Stimmberechtigten eine Stimmabgabe zu ermöglichen, die nicht zur Abstimmung kommen können - das ist bei Internet-Abstimmungen schlicht kein Problem.
* *Sehr wohl* bin ich für Stimmübertragungen bei Parteitagen; dies ist auch in Vereinen absolut üblich. Neumünster, Heidenheim und wohl irgendwann auf dem BPT Neumayer-Station http://www.awi.de/de/infrastruktur/stationen/neumayer_station/ baut gewaltige soziale Hürden auf; ich habe von sehr, sehr vielen PIRATEN gehört, die sich Neumünster schlicht und einfach nicht /leisten/ können. Delegationen hätten für diejenigen, die finanziell nicht zur Armani-Gucci-Fraktion zählen, den Vorteil, ihre Stimme hörbar zu machen, z.B. indem sie zusammenlegen und einen der Ihren mit Stimmübertragungen hinschicken. - NEIN, auch "Sponsoring" funktioniert nicht, wenn das erstmal alle Bedürftigen annehmen wollen.
Es hat sich bei der GRÜ gezeigt, daß das Fehlen von formellen, transparenten Hierarchien zu intransparenter Kungelei führt (siehe z.B. http://youtu.be/J58X2uuhszw - die Analyse nach der LPK); das Eherne Gesetz der Oligarchie http://de.wikipedia.org/wiki/Ehernes_Gesetz_der_Oligarchie wartet auch immer noch auf seinen Gegenbeweis. PIRATEN sind auch nur - oftmals sehr menschliche - Menschen.
Nach Forsa-Chef Manfred Güllner http://ipir.at/6e sind die PIRATEN jetzt schon eine "kleine Volkspartei", weil sie -im Gegensatz zur GRÜ - alle Schichten bedienen und auch Mitglieder aus allen Schichten haben. Die Shitstormer und andere richten dabei schon viel, viel Schaden an. Für Weiße Mittelstands-ITler sind auch BPTs auf Kanalinseln keine Probleme; aber damit hängen wir Leute in "prekären" Situationen total ab.
Das Delegationssystem nach Themenbereichen ist m.E. eine sehr gute Idee - FÜR PARTEITAGE!!! Kettendelegationen sollten wir den Mantel des Schweigens drüber ausbreiten und sie auf allen Ebenen still vergessen. Zum Abbau der "sozialen Schranke" auf vielen Parteitagen sind sie jedenfalls eine gute Sache.
Da es "medienwirksame" Piraten und/oder sehr gut vernetzte Piraten gibt, wäre ich klar dafür, *Delegationen pro Mitglied auf 12 zu begrenzen*. Wenn irgendwann afelia mit 10.000 Delegationen oder ein KegelClubber mit 500 Delegationen im Gepäck rumrennt, dann braucht man gar nicht mehr zu einem Parteitag zu fahren. Mit "Basisdemokratie" hat /das/ dann auch nichts mehr zu tun.
Neben der Wahl, seine Stimme zu einem Parteitag an Andere zu delegieren (und /die/ sind dann so überschaubar, daß ein LV und/oder der BuVo ihre Fahrt finanzieren kann) sollte eine "Delegationspflicht" wie in anderen Parteien aber nicht sein - wer einen Antrag stellt, sollte die Möglichkeit haben, ihn selbst vorzustellen und auch selbst über ihn abzustimmen.
Lokale und regionale Kungelei sind ein großes Problem in allen Parteien (*incl.* PIRATEN durch die Wahl von eher "exzentrischen" Orten für den BPT). Es ist gut, wenn auf dem BPT in Eggesin oder Berchtesgaden vor allem "Locals" da sind. Trotzdem sollten andere Verbände die Möglichkeit haben, ihre Stimme über Stimmübertragungen trotzdem hörbar zu machen.
Dies gilt /ausdrücklich/ auch für dezentrale Parteitage; selbst wenn man 4 Parteitagsorte hat, wird es genügend Leute geben, die eine direkte Teilnahme schlicht finanziell (sozial) oder zeitlich nicht schaffen.
Ich denke, max. 13 Stimmen (eigene plus 12 Übertragungen) sind ein guter Kompromiß zwischen "keine 128 Stimmen in einer Person" und "Leuten außerhalb Gucci-Armani (oder Apple-Junghans für ITler) die Teilnahme ermöglichen".
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Dingo
- Re: [AG Liquid Democracy] Delegationen Ja oder Nein?, I.Enys Untra, 29.03.2012
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